Immobilienmarkt

Griechen und Spanier treiben Berliner Mieten hoch

Die von der Wirtschaftskrise gebeutelten Griechen und Spanier kaufen verstärkt Berliner Wohnungen, die ihnen als sichere Anlagemöglichkeit dienen sollen. Das könnte die Mieten in die Höhe schnellen lassen.

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Der Berliner Wohnungsmarkt wird immer interessanter für Investoren aus dem Ausland. Waren es bisher vor allem skandinavische Unternehmen und Einzelpersonen, die ihr Geld in Charlottenburger oder Friedrichshainer Mietimmobilien anlegten, so drängen nun Investoren vor allem aus Südeuropa nach. "Immer häufiger treffe ich auf Griechen, Spanier und Italiener, die Wohnimmobilien in Berlin als 'sicheren Hafen' für ihr Geld ansehen und kräftig investieren", sagt Einar Skjerven, Geschäftsführer der norwegischen Industrifinans Real Estate. Doch auch für Skandinavier steht Berlin weiterhin ganz oben auf der Einkaufsliste. "Ein Norweger kauft für 100.000 Euro lieber in Berlin eine Wohnung, als ein Auto oder ein Ferienhaus im eigenen Land, das gleich teuer ist", sagt Skjerven. Der Hintergrund: Aufgrund der hohen Steuern ist der Kauf von Neuwagen, aber auch von Immobilien sehr teuer.

Warum aber das besondere Interesse an Berliner Immobilien? In der deutschen Hauptstadt sind Wohnungen im Vergleich zu anderen Großstädten wie Hamburg oder München noch immer für relativ wenig Geld zu bekommen. Noch günstiger fällt der Preisvergleich mit anderen europäischen Metropolen aus. "Eine vergleichbare Wohnung in Paris, London oder Oslo ist drei- bis fünfmal so teuer", sagt Einar Skjerven. Zugleich rechnen die Investoren angesichts des im Vergleich niedrigen Mietzinsniveaus in Berlin mit überdurchschnittlichen Steigerungsraten und damit langfristig hohen Renditen.

Eine Erwartungshaltung, die die Berliner Immobilienbranche – wenngleich mit Einschränkungen – durchaus teilt. Auch sie geht davon aus, dass die Mieten – und damit die Erträge für die Eigentümer – in den nächsten Jahren zwar nicht explosionsartig, aber doch ziemlich stetig steigen werden. Basis dieser Prognose ist gleichfalls das – zumindest aus Sicht der Vermieter – vergleichsweise niedrige Mietniveau in der Hauptstadt. Zwar gebe es auch in Berlin Top-Lagen, wo Spitzenmieten zwischen 12 und 18 Euro je Quadratmeter zu beobachten seien. "Dennoch ist Berlin noch weit von einem flächendeckenden Top-Mietniveau wie in München, Frankfurt oder Hamburg entfernt", sagt Andreas Habath vom Immobilienverband Deutschland (IVD). Nach Berechnung des IVD wird für Wohnungen in sogenannter Standard-Wohnlage eine durchschnittliche Marktmiete von 5,85 Euro je Quadratmeter erzielt, Quartiere in besseren Wohngegenden kosten 7,20 Euro je Quadratmeter. Wie berichtet, hatte der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmer (BBU), in dem vor allem kommunale Wohnungsunternehmen vertreten sind, einen Durchschnittswert bei Neuvermietungen von 5,26 Euro je Quadratmeter ermittelt. IVB wie BBU gehen davon aus, dass die Mieten in den nächsten Jahren spürbar steigen werden.

Es drohen Mietpreiserhöhungen

Die Verteuerung wird aber sehr unterschiedlich ausfallen, meint IVD-Vize Habath. Er sieht für "Trend-Kieze" wie Prenzlauer Berg und Friedrichshain "nicht mehr viel Wachstumspotenzial". Der City-West werden dagegen "Jahre des Mietpreis-Wachstums" bevorstehen. Durch Projekte wie das Bikini-Haus und das neue Waldorf-Astoria-Hotel werde die Gegend um die Gedächtniskirche neu belebt, ist der IVD-Experte überzeugt. Die Entwicklung werde positive Auswirkungen auf Wohnquartiere in der Umgebung etwa am Viktoria-Luise-Platz haben.

Trotz dieser für Mieter nicht gerade erfreulichen Entwicklung spricht sich der IVD gegen ein Eingreifen des Staates in den Wohnungsmarkt aus. "Eine Deckelung von Mieten, wie sie die SPD jetzt anstrebt, verhindert Investitionen", warnt IVD-Vize Habath. Ziel müsste vielmehr sein, dass wieder mehr preiswerter Wohnraum in der Stadt entsteht. Voraussetzung sei aber, dass es dafür auch Grundstücke gibt "Preiswertes Bauland in guten innerstädtische Lagen ist aber faktisch nicht zu haben", sagt Fred Weber von der Projektgesellschaft NCC. Eine Ursache dafür sei die Verkaufspolitik des landeseigenen Liegenschaftsfonds und der bundeseigenen Immobiliengesellschaft BIMA, die zwecks Erzielung hoher Einnahmen Grundstücke fast immer nur an dem Meistbietenden verkaufen würden.

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