Weniger Zuschüsse

Haus der Kulturen sieht sich existenziell bedroht

Das Auswärtige Amt kürzt die Regelförderung für das Haus der Kulturen der Welt um 20 Prozent. Kulturchefs sehen durch die Sparmaßnahmen die Existenz eines Hauses "mit weltweitem Renommee" bedroht.

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Das Goethe-Institut konnte Schlimmeres abwenden, das Haus der Kulturen der Welt hingegen nicht: Während der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages Ende letzter Woche die rigiden Einsparvorschläge korrigierte indem er dem Goethe-Institut acht Millionen Euro für die Förderung der deutschen Sprache im Ausland zur Verfügung stellte, sieht sich das Haus der Kulturen der Welt in Berlin durch die Sparpläne des Außenministeriums existenziell bedroht. Intendant Bernd M. Scherer sagte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, die beschlossene Kürzung der Regelförderung um 20 Prozent gefährde den Auftrag des Hauses. "Unsere Aufgabe ist ja nicht, ein paar Veranstaltungen im Jahr zu organisieren, sondern eine Dauerbespielung unserer Einrichtung zu gewährleisten. Das steht bei so drastischen Einschnitten auf dem Spiel."

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin und die Berliner Festspiele haben die vom Auswärtigen Amt geplante Kürzung der Förderung des Hauses der Kulturen der Welt scharf kritisiert. „Das Sparvorhaben setzt falsche Signale“, teilten die Geschäftsführer Dieter Kosslick und Joachim Sartorius sowie Charlotte Sieben von der Dachgesellschaft Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin (KBB) am Montag gemeinsam mit. Damit werde eine Institution existenziell gefährdet, die mit gutem Grund weltweites Renommee genieße.

Das Haus ist das einzige Mehrsparten-Kulturhaus in Deutschland, vergleichbar dem Kulturhuset in Stockholm und dem Centre Pompidou in Paris. Es vereint unter einem Dach zeitgenössische Kunst, Diskurs, Literatur und Gesellschaft, Musik, Performance und Film. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte beschlossen, die Regelförderung des Auswärtigen Amtes in Höhe von 1,25 Millionen Euro im kommenden Jahr um 250 000 Euro zu kürzen. Die großen Projekte für 2011 seien jedoch schon jetzt mit internationalen Kooperationspartnern fest vereinbart, sagte Scherer. "Wenn wir unseren Anteil nicht bringen können, entfallen auch die Drittmittel, das Projekt platzt."

Alternativ könnte sich das Haus lediglich entscheiden, eines der drei geplanten Festivals abzusagen. "Aber selbst dann bliebe uns kein Geld mehr für kurzfristige Projekte, mit denen wir auf aktuelle gesellschaftspolitische Themen reagieren", so Scherer. Als Beispiel nannte er die Veranstaltungsreihe zu Minaretten während der Integrationsdebatte im vergangenen Jahr. "Gerade solche Projekte sind aber existenziell für unser Haus, weil es dadurch lebendig und wahrnehmbar bleibt."

Der Intendant appellierte an das Außenministerium, die Kürzungen wieder zurückzunehmen. "Wenn gespart werden muss, sollte man zunächst versuchen, an Einzelprojekten zu kürzen, und nicht gleich ganze Institutionen infrage stellen." Auch die anderen Geschäftsführer der Dachgesellschaft Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin, Dieter Kosslick, Joachim Sartorius und Charlotte Sieben, hatten vor den Folgen der Budgetkürzung gewarnt. Die Kürzung "ist zudem auch rufschädigend, weil internationale Kooperationen abgesagt werden müssen".

Das Haus der Kulturen der Welt, ein Zentrum für den internationalen Kulturdialog, bekommt neben den Geldern vom Auswärtigen Amt noch eine Regelförderung aus dem Etat von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Sie beträgt 1,9 Millionen Euro im Jahr.