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139 Strafanzeigen gegen Isharegossip

Bei der Berliner Polizei sind bislang 139 Anzeigen gegen die Internetseite Isharegossip eingegangen. Jetzt sollen Eltern in speziellen Kursen für Medienkompetenz geschult werden, um ihre Kinder im Netz besser schützen zu können.

Foto: dpa / dpa/DPA

Die Polizei hat bisher nur wenige Erkenntnisse über die umstrittene Internetseite Isharegossip.com gewinnen können. Noch sei der Betreiber der Seite, auf der Jugendliche anonym Lästereien über Mitschüler und Lehrer hinterlassen können, nicht identifiziert worden, sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch am Montag im Innenausschuss. „Es gibt keine Möglichkeit, die Seite kurzfristig abzustellen.“

Im November vergangenen Jahres sei im Zusammenhang mit Isharegossip erstmals eine Strafanzeige in Berlin gestellt worden, seither seien 139 Strafanzeigen von Eltern, Schülern oder Lehrern gestellt worden. „Wir betreiben zurzeit umfangreiche Ermittlungen“, sagte Glietsch. „Unter anderem wegen Verleumdung, Beleidigung, übler Nachrede und der Störung des öffentlichen Friedens durch die Androhung einer Straftat.“

In den vergangenen Wochen hatte unter anderem eine Schule wegen eines auf der Internetseite angedrohten Amoklaufs vorübergehend geschlossen werden müssen. Auch der gewalttätige Übergriff auf einen 17-Jährigen hatte dazu geführt, dass die Lästerseite von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert wurde.

Die Ermittlungen gegen den Betreiber der Seite, deren Server in Schweden steht, werden zentral von der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main geführt. Die Berliner Polizei arbeite zu, konzentriere sich aber auf die Strafanzeigen und die Aufklärungsarbeit an Schulen, so Glietsch. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) betonte im Ausschuss jedoch, dass die zentrale Präventionsaufgabe bei Bildungsverwaltung und Schulen liege.

Modellprojekt startet im Mai

Darüber hinaus stehen auch die Eltern in der Verantwortung. Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Günter Peiritsch, sagte, dass es vom kommenden Schuljahr an flächendeckende Fortbildungskurse zum Thema Medienkompetenz für Eltern geben wird. Gemeinsam mit einem Schulpsychologen, einem Vertreter der Bildungsverwaltung und der Polizei habe er derartige Kurse entwickelt, so Peiritsch. Ein entsprechendes Modellprojekt werde im Mai an der Wald-Grundschule in Westend starten.

„Ziel der Kurse ist es, die Eltern in Sachen neue Medien auf Augenhöhe mit den Kindern und Jugendlichen zu bringen“, sagte Peiritsch. So sollten die Eltern zum Beispiel in die Lage versetzt werden, gemeinsam mit ihren Kindern deren Facebook-Auftritt zu kreieren oder sie bei einer Präsentation eigener Projekte im Netz zu unterstützen. Auch über Fragen, wie lange und auf welchen Seiten Kinder im Internet unterwegs sein sollten oder welcher Community sie sich anschließen könnten, soll während der Kurse diskutiert werden.

Peiritsch bezeichnete es als sehr wichtig, dass die Elternkurse in der Schule stattfinden. „Wir holen die Eltern zurück auf die Schulbank“, sagte er. Ein solches Vorgehen würde die Ernsthaftigkeit der Sache unterstreichen und den Schülern das Bemühen der Eltern um dieses Thema deutlich machen. Schließlich hätten auch viele Lehrer bereits Interesse an diesen Kursen angemeldet.

Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenator Jürgen Zöllner, bestätigte, dass das Konzept für die Elternkurse vorliegt. Die Kurse würden durch die Bildungsverwaltung finanziert werden, für die Eltern seien sie kostenlos, so Stoffers.