Berliner Mieten

Günstiger Wohnraum wird immer knapper

Schlechte Nachrichten für Wohnungssuchende in Berlin: Laut einer Studie sind die Preise bei Miet-Neuverträgen um bis zu 20 Prozent gestiegen. Besonders Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte werden teuer.

Dass die wenigen Luxuswohnungen in den begehrten Innenstadtlagen Berlins mittlerweile die 20-Euro-Grenze – pro Quadratmeter und kalt – genommen haben, quittieren die meisten Berliner mit einem gelassenen Achselzucken. Schließlich ist der Verzicht auf Marmorbad, Kamin und Butler-Service durchaus zu verschmerzen. Dass aber auch für ganz normale Wohnungen mit schlichter Ausstattung und nicht ganz so repräsentativer Adresse die Preise innerhalb nur eines Jahres um durchschnittlich knapp zehn Prozent gestiegen sind, trifft die Wohnungssuchenden in der Mieterstadt Berlin empfindlich. Wie aus einer Studie hervorgeht, die der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmer (BBU) jetzt vorgelegt hat, muss im Durchschnitt 5,26 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete zahlen, wer eine neue Bleibe in einer der 660.000 Wohnungen der BBU-Mitglieder sucht.

Die höchste Mietsteigerung verzeichnet laut dem „BBU-Marktmonitor 2010“ der Bezirk Pankow (plus 20,22 Prozent), gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf (plus 14,12 Prozent) und Mitte (plus 13,88 Prozent). Am niedrigsten fiel die Preissteigerung in Marzahn-Hellersdorf aus (plus 1,57).

Auch Mieter mit alten Verträgen bei den rund 50 Mitgliedsunternehmen, die sich an der Befragung beteiligt hatten, mussten Preissteigerungen in Kauf nehmen. Die Bestandsmieten stiegen innerhalb von zwölf Monaten um knapp zwei Prozent und liegen nun bei 4,79 Euro pro Quadratmeter (netto kalt). 540.000 Mietverträge, darunter 38.000 Neumietverträge, wurden für den „BBU-Marktmonitor 2010“ ausgewertet. „Mit diesem soliden statistischen Fundament können wir verlässliche Aussagen zur Entwicklung des Mietenmarktes treffen“, sagte BBU-Vorstandsmitglied Maren Kern. 40 Prozent aller Berliner Mieter leben in Wohnungen von BBU-Mitgliedsunternehmen.

Die BBU-Chefin wies darauf hin, dass trotz der Preissteigerungen bei Neuvermietungen immer noch preiswerte Wohnungen in allen Berliner Bezirken angeboten werden. So reicht die Mietspanne im teuersten Wohnbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf mit durchschnittlich 5,98 Euro/m2 von 3,20 bis 10,50 Euro/m2. In Pankow reicht das Angebot sogar von 1,83 bis 11,10 Euro/m2. „Wohnen in Berlin ist bezahlbar“, betonte Kern.

Allerdings steuere Berlin auf ein „Angebotsproblem“ zu. Wachsende Haushaltszahlen und der seit Jahren stagnierende Neubau würden dazu führen, so die Prognose des Gewos Instituts für Stadt-, Regional- und Wohnforschung, dass die Leerstandsquote bis 2015 auf nur noch ein Prozent (3000 Wohnungen) sinkt. Der Mieterverein hält eine sogenannte Fluktuationsreserve von mindestens drei Prozent für notwendig, nach Auffassung des BBU solle sie bei zwei Prozent liegen. Die Drei-Prozent-Marke wird in jedem zweiten Bezirk unterschritten. „Vor diesem Hintergrund müssten sich auch die Parteien längst Gedanken darüber machen, wie der Wohnungsneubau in Gang gebracht werden kann“, forderte Kern. Es dürfe nicht sein, so die Verbandschefin, dass die Stadt begehrte Grundstücke zu Höchstpreisen und vorzugsweise für den Bau von Hotels, Büros oder Luxuswohnungen verkaufe. Zudem brauche es Förderanreize, um den Wohnungsbau im Standardbereich anzukurbeln. Die Durchschnittsmieten von unter fünf Euro seien immer noch viel zu niedrig für eine solide Neubaufinanzierung. „Schon ein Quadratmeterpreis von mehr als acht Euro ist aber für breite Bevölkerungsschichten kaum erschwinglich“, sagt Kern. Diese Lücke müsse die Politik schließen.

Auch nach Auffassung des Berliner Mietervereins „wird es eng in Berlin“, wie Vereinsgeschäftsführer Reiner Wild sagt. Alarmierend seien die vom BBU vorgelegten Zahlen auch deshalb, weil die im Verband vertretenen kommunalen und privaten Wohnungsbaugesellschaften in der Stadt die preisgünstigen Siedlungsbauten verwalten. „In den stark nachgefragten Gründerzeitquartieren innerhalb des S-Bahn-Ringes liegen die Mietpreise noch deutlich höher“, sagt Wild. Neubauanreize würden deshalb nicht reichen, um bezahlbare Mieten für die Berliner zu sichern. „Wir brauchen eine Mietenpolitik, die Preissprünge bei Neuvermietungen verhindert“, fordert Wild.