Immer dieselbe Masche

Serie brutaler Überfälle in Berlin reißt nicht ab

Nach dem Überfall im U-Bahnhof Kurfürstendamm wurden nun zwei weitere Fälle in Marzahn und Hohenschönhausen bekannt. Bei allen drei Taten fragten die Schläger ihre Opfer zunächst nach Zigaretten, prügelten dann auf sie ein und raubten sie schließlich aus.

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Zwei Tage nachdem ein junger Mann von einem brutalen Überfall im Berliner U-Bahnhof Kurfürstendamm berichtete, hat die Polizei die Videos ausgewertet. Das sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Aus ermittlungstaktischen Gründen könne er aber nicht sagen, was auf den Filmen zu sehen ist. Es gebe aber keinen Anlass, wegen des Verdachts auf versuchten Mord zu ermitteln. Glietsch ging nicht näher auf das Geschehen ein. Möglicherweise ist noch nicht klar, was eigentlich genau passiert ist. In den vergangenen Tagen hatte es weitere brutale Überfälle gegeben. In der Nacht zu Montag wurde ein 42-jähriger Mann in Alt-Hohenschönhausen zusammengeschlagen. Nach Angaben der Polizei erlitt er eine "Misshandlungsodyssee", die im Krankenhaus endete.

Video: BMO
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Die Berliner Polizei muss sich weiterhin mit brutalen Überfällen befassen, bei denen die Opfer in übelster Weise, teilweise bis zur Bewusstlosigkeit, misshandelt werden. Nach dem Überfall auf einen 23-Jährigen am frühen Sonnabendmorgen im U-Bahnhof Kurfürstendamm wurden am Montag zwei weitere schwere Gewaltdelikte in Marzahn und Hohenschönhausen bekannt. In beiden Fällen mussten die Opfer mit schweren Kopfverletzungen in Krankenhäuser eingeliefert werden.

Von einer „wahren Misshandlungsodyssee“ sprach die Polizei im Zusammenhang mit dem Fall in Alt-Hohenschönhausen. Dort sprach ein Unbekannter in der Nacht zu Montag gegen 23.50 Uhr einen 42-jährigen Mann an der Wollenberger Straße an und fragte ihn nach einer Zigarette. Noch bevor der Angesprochene aber überhaupt antworten konnte, schlug der Unbekannte ihm plötzlich mehrfach heftig ins Gesicht. Auch als der 42-Jährige bereits zu Boden gegangen war, schlug und trat der Angreifer weiter auf ihn ein. Halb benommen und wehrlos blieb der Mann auf dem Gehweg liegen, der Täter entwendete seinem Opfer noch in aller Ruhe sämtliche Wertgegenstände und verschwand danach unerkannt.

Raubkommissariat ermittelt

Passanten, die den Schwerverletzten kurz darauf entdeckten, riefen die Feuerwehr. Die Rettungskräfte mussten einen Nasenbeinbruch, Prellungen, Quetschungen und Risswunden behandeln. Anschließend lieferten sie den Mann mit Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma in ein Krankenhaus ein. Das Raubkommissariat der Polizeidirektion 6 ermittelt.

Schon in der Nacht zuvor war ein 21-Jähriger an der Hohensaatener Straße in Marzahn ausgeraubt und zusammengeschlagen worden. Er wurde kurz nach Mitternacht von zwei Männern angesprochen, die ebenfalls nach Zigaretten fragten. Auch in diesem Fall schlugen die Angreifer unvermittelt auf ihr Opfer ein. Der 21-Jährige ging zu Boden und verlor das Bewusstsein. Als er nach einiger Zeit wieder zu sich kam, musste er feststellen, dass die Täter ihm Geldbörse und Wertsachen entwendet hatten. Er konnte selbst noch die Feuerwehr rufen und wurde von Rettungskräften mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Auch bei der Prügelattacke am U-Bahnhof Kurfürstendamm am frühen Sonnabend hatte das 23 Jahre alte Opfer angegeben, von den Tätern zunächst nach einer Zigarette gefragt worden zu sein.

Der Übergriff war am Montag auch Thema im Innenausschuss. Die Polizei habe das Videomaterial aus den Überwachungskameras der BVG bereits ausgewertet, sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch. Aus ermittlungstaktischen Gründen schwieg er jedoch zu den daraus folgenden Ergebnissen. „Wir haben bisher keine Veranlassung, wegen eines Tötungsdeliktes zu ermitteln“, sagte Glietsch. Erst einmal müsse geklärt werden, was sich am frühen Sonnabend eigentlich genau zugetragen habe. Auf das Geschehen selbst ging er in der Sitzung nicht ein.

Glaubwürdigkeit des Opfers fragwürdig

Inzwischen hat die Polizei offenbar Zweifel an der Tatversion des Opfers. Die Beamten des zuständigen Raubkommissariats haben das Videomaterial der Überwachungskameras im U-Bahnhof Kurfürstendamm aus dem fraglichen Zeitraum inzwischen durchgesehen. „Der vom Geschädigten kurz nach der Tat, als er möglicherweise noch unter Schock stand, geschilderte Sachverhalt ist im Abgleich mit den Aufzeichnungen nicht in allen Punkten schlüssig“, lautete die vorsichtig formulierte Auskunft eines Polizeisprechers am Montagnachmittag. Daher seien noch weitere Ermittlungen erforderlich, insbesondere eine weitere Vernehmung des 23-Jährigen, sobald sein Gesundheitszustand dies zulasse, sagte der Sprecher weiter.

Das Opfer hatte bei einer ersten Vernehmung am Sonnabend angegeben, frühmorgens um 5.30 Uhr von sieben Personen unter anderem mit einem Schlagstock und einem Messer angegriffen worden zu sein. Aus Ermittlerkreisen hieß es am Montag, daran, dass es eine Auseinadersetzung gegeben habe, bestehe im Grunde kein Zweifel. Man könne bei der momentanen Beweislage allerdings noch nicht genau sagen, welcher Beteiligte dabei welche Rolle gespielt habe, sagte ein Beamter.