Liebig 14

Mutmaßlicher Steinewerfer schweigt vor Gericht

Der erste Prozess um Randale nach der Räumung der Liebigstraße 14 hat begonnen. Dabei sagten drei Polizisten gegen einen 36-jährigen Briten aus, der Beschuldigte verweigerte die Aussage.

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Sechs Wochen nach den Ausschreitungen wegen der Räumung eines besetzten Hauses in der Liebigstraße14 in Friedrichshain muss sich seit Montag ein mutmaßlicher Steinewerfer vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 36-jährigen Graham B. vor, am Abend des 2.Februar aus unmittelbarer Nähe einen Stein auf einen Polizisten geschleudert zu haben. Außerdem soll sich der Brite bei der anschließenden Festnahme gewehrt und um sich geschlagen haben.

Graham B., eine auffällige Erscheinung mit Bart und langem, verfilzten Kopfhaar, verweigerte vor der Moabiter Strafrichterin die Aussage. Er wurde jedoch von drei Polizeibeamten belastet.

Der 35 Jahre alte Polizeiobermeister Ronny M. schilderte vor Gericht, wie er und eine Kollegin am 2. Februar nach dem offiziellen Ende der Protestdemonstration einen vermummten Teilnehmer festzunehmen versuchten. Plötzlich sei ein bärtiger Mann aus dem Pulk der Demonstranten herausgetreten und habe auf den Polizisten „aus etwa vier Meter Entfernung und mit voller Wucht“ einen Stein geworfen. Dabei habe es sich um einen Schotterstein mit einem Durchmesser von rund fünf Zentimetern gehandelt.

Ronny M. wurde am Rücken getroffen, trug aber glücklicherweise einen Schutzanzug und wurde nicht verletzt. Der Beamte war sicher, dass es sich bei dem Täter um den Angeklagten handelte: „Ich hatte sein Gesicht genau gesehen“, sagte der Polizist. „Es war ungewöhnlich, dass jemand so offensiv vorgeht und sich nicht vermummt.“

Auch die 26 Jahre alte Polizeimeisterin Jenny V., die gemeinsam mit Ronny M. unmittelbar vor dem Steinwurf den vermummten Demonstranten festnehmen wollte, war überzeugt, dass es sich bei Graham B. um den Täter handelte. „Er war es definitiv.“ Erkannt haben wollte ihn außerdem der Gruppenführer ThomasF. Als der Stein in Richtung seines Kollegen geworfen wurde, habe er „nur etwa zehn Meter entfernt“ gestanden, gab der 36 Jahre alte Polizeikommissar zu Protokoll. Er sei „schon bei vielen Demos“ im Einsatz gewesen, habe aber so einen Angriff noch nie erlebt, sagte er. „Aus dieser kurzen Entfernung und mit dieser Wucht, das war extrem brutal.“

Thomas F.s Schilderungen zufolge habe der Steinewerfer zu fliehen versucht. Er sei aber „nach 20 Metern“ zwei anderen Beamten „regelrecht in die Arme gelaufen“. Die beiden Polizisten sollen am 29. März als Zeugen gehört werden.

Bei der Demonstration wurden 61 Polizeibeamte leicht verletzt. 82 Personen wurden vorläufig festgenommen. Gegen neun Männer, darunter auch GrahamB., erging zunächst Haftbefehl. Aber nur der wohnungslose Brite musste zunächst in Untersuchungshaft, wurde nach drei Wochen aber freigelassen.