"Velo Berlin"

E-Bikes dominieren Berlins neue Fahrradmesse

Auf dem Messegelände ist erstmals die Fahrradschau „Velo Berlin" gestartet - anscheinend erfolgreich: Die Veranstalter waren jedenfalls zufrieden, ohne jedoch Zahlen zu nennen. Der wichtigste Trend: Das E-Bike.

Foto: Massimo Rodari

Die „Velo Berlin“ kann einen Premierenerfolg feiern. Die Publikumsmesse rund um das Fahrrad und das Thema urbane Mobilität eröffnete am Sonnabend um 10 Uhr ihre Tore in den Messehallen unter dem Funkturm. Und pünktlich um 10 Uhr standen die Besucher Schlange.

„Wir sind sehr erfreut über diesen großen Erfolg“, sagt Ulrike Saade, Geschäftsführerin der Velokonzept Saade GmbH. „Hier wurde ein hauptstadtwürdiges Zeichen gesetzt.“ Aussteller und Veranstalter waren bereits am ersten Tag über den Besucherstrom erfreut. Zahlen konnte man noch nicht nennen. Es sei der Wunsch der Fahrradindustrie gewesen, eine Publikumsmesse in der deutschen Hauptstadt zum Auftakt der Saison zu veranstalten. Die „Velo Berlin“ ist eine Koproduktion der Friedrichshafener Weltleitmesse „Eurobike“, der Messe Berlin und der Velokonzept Saade GmbH. Mit Erfolg. 160 Aussteller aus der ganzen Welt haben sich für die zwei Messetage in Berlin angemeldet.

„Noch schaffen wir unsere Radtouren aus eigener Kraft“, sagen Bärbel und Andreas Freiwald. Die beiden sehen sich sogenannte E-Bikes an. Fahrräder, denen per Knopfdruck ein Elektroantrieb zur Muskelunterstützung zugeschaltet werden kann. „In ein paar Jahren greifen wir vielleicht darauf zurück. Das ist schon interessant. So kann der Radius bei einem längeren Ausflug vergrößert werden. Aber wir sind ja erst 70.“

Nahezu jeder Hersteller und Händler zeigt die E-Bikes auf der Messe. Auch die Fahrrad-Galerie Schlaphoff aus Spandau. „Es gibt eine sehr große Nachfrage“, sagt Inhaber Joachim Schlaphoff. „Sowohl bei den E-Bikes bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern in der Stunde, als auch bei den schnelleren, die mit Versicherungskennzeichen gefahren werden müssen.“ Kritisiert wird häufig das Gewicht, und dass sie dadurch schlecht im Keller untergestellt werden können. „Das Angebot auf der Messe ist sehr elektrolastig.“ Auch bei Hersteller KTM stehen die E-Bikes derzeit im Vordergrund. „Diese Produkte werden am meisten nachgefragt“, sagt Benjamin Rudelstorfer vom Verkauf Deutschland. „Das gilt für den Sportbereich genauso wie für die Räder für die täglichen Cityfahrten.“ Die Preise beginnen bei 1800 Euro und reichen bis 3500 Euro.

Das Angebot an herkömmlichen Fahrrädern lässt sich aber auch sehen und lockt Tausende Besucher in die Messehallen. Tourenräder, handgefertigte Rennräder, Mountainbikes, Cruiser oder Lastenräder, es ist für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei. „Wir sind auf der Suche nach einem Rad für meinen Mann“, sagt Marina Preuß. „Es muss eins für Ausflüge und Stadtfahrten sein und sollte zwischen 500 und 600 Euro kosten.“ Den Messebesuch nutze man für einen ersten Überblick, zum Kauf geht es dann zu einem Fachhändler. Den Fahrradboom in Berlin und die Lust auf Bewegung mit dem Rad bekommen auch die Reiseveranstalter zu spüren. Großes Gedränge herrscht vor deren Ständen. Bis in die entferntesten Regionen der Erdkugel werden Urlaube mit und auf dem Fahrrad angeboten. Aber es präsentieren sich auch Urlaubsregionen und werben mit ihren ausgebauten und ausgeschilderten Radwegen. „Es steigen immer mehr Menschen im Urlaub auf das Fahrrad“, sagt Judith Kerrmann, Sprecherin vom Tourismusverband Ruppiner Land. „Seit 2009 können wir für den Havel-Radweg eine verstärkte Nachfrage feststellen. Das geht vom Tagestourismus bis hin zum mehrtägigen organisierten Fahrradurlaub auf den Flussradwegen.“

Ein wenig sonderbar sehen die Lastenräder aus, werden aber auch immer stärker nachgefragt. Gerade kleine Handwerksbetriebe schaffen sich die an. Vor dem Lenker mit zwei Reifen ausgestattet befindet sich die „Ladefläche“, so breit wie der Lenker. „Inklusive Fahrer können rund 180 Kilogramm Gewicht transportiert werden“, sagt Fanny Rybarsch. Sie baut diese Räder zu mobilen Soundsystemen um. Auf der Ladefläche stehen Lautsprecherbox und Verstärker. Die Firmeninhaberin nutzt ihr Produkt für die musikalische Beschallung im Mauerpark. „Diese Räder fahren sich wie ein Fahrrad und nicht wie eine Schubkarre.“ Die Messe bietet auch einen guten Überblick über Schlösser, Helme, Taschen und anderes Zubehör. Und auf einem Extra-Parcours können die Räder auch Probe gefahren werden, zusätzlich gibt es einen Sicherheitsparcours nur für Kinder.

Mit einer besonderen Geschäftsidee ist die Japanerin Rie Sawada vor zwei Wochen nach Berlin gekommen. Auf ihrem speziellen „Coffee-Bike“ hat sie auf dem Gepäckträger alle Utensilien für einen frisch gekochten japanischen Kaffee. Mit ihrem Rad will sie in diesem Sommer Berlin erobern und überall dort, wo etwas los ist, Kaffee verkaufen. In ihrer Heimatstadt Nagoya sei diese Art des Straßenverkaufes üblich. Nun sollen auch die Berliner das kennenlernen.

Die Messe „Velo Berlin“ ist am Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet neun Euro, ermäßigt sieben Euro. Der Eingang auf die Messe ist an der Masurenallee, Haupteingang Nord.