Hellersdorf

Rauchmelder verhindert Brand-Katastrophe

Neuer Zündstoff für die Debatte um eine Rauchmelderpflicht: In Hellersdorf wurden die Bewohner dank eines solchen Geräts rechtzeitig gewarnt. Im Bezirk kusiert nach den Anschlägen vom letzten Jahr die Angst vor weiteren Bränden.

Das Dutzend ist voll. Erneut hat ein oder haben mehrere Brandstifter im Hausflur eines Mietshauses zugeschlagen. Am frühen Sonnabendmorgen wurde an der Zerbster Straße in Hellersdorf ein im Treppenhaus abgestellter Kinderwagen angezündet. Es war der zwölfte Fall, seit vor genau zwei Wochen an der Sonnenallee in Neukölln drei Menschen, darunter ein Säugling, ums Leben kamen. Dass diesmal niemand zu Schaden kam, hat einen einfachen, aber für die derzeit geführte Debatte um eine Rauchmelderpflicht möglicherweise bedeutsamen Grund: Ein solcher Rauchmelder in einer Wohnung im ersten Stock des Hauses hatte Alarm ausgelöst, eine schnelle Alarmierung der Feuerwehr und deren ebenso schneller Einsatz konnten Schlimmeres verhindern.

Schon ein kurzer Blick ins Treppenhaus des fünfstöckigen Wohngebäudes ließ gestern nach dem Brand erahnen, welche Katastrophe ohne das schnelle Handeln der Mieterin und der Feuerwehr möglich gewesen wäre. Der Hausflur ist bis in die oberste Etage völlig verrußt, überall sind Spuren des Feuers, das sich auch in diesem Fall mit unglaublicher Geschwindigkeit ausbreitete, erkennbar. Das schnelle Ausbreiten der Flammen bei Bränden in Treppenhäusern erklären Feuerwehrleute mit dem sogenannten Kamineffekt, einer starken Sogwirkung, durch die sich das Feuer mit ungeheurer Energie auch durch Wände und Decken frisst. Hinzu kommt eine immens starke Rauchentwicklung. Das Einatmen dieses kohlenmonoxidhaltigen Gemisches führt schnell zu Bewusstlosigkeit und oftmals auch zum Tod. Diese Konstellation ist es, die viele Berliner angesichts immer neuer Brände in Treppenhäusern in Angst versetzt. Auch die Bewohner des Hauses an der Zerbster Straße standen am Sonnabend noch Stunden nach der Tat teilweise unter Schock. Für sie war es am Sonnabend, als kehre ein Albtraum zurück. Im Herbst vergangenen Jahres hatte eine Serie von Bränden in Hausfluren und Kellern in Hellersdorf für Angst und Aufregung gesorgt. Die Straße liegt mitten in dem Gebiet, in dem der oder die Brandstifter einige Wochen lang nahezu allnächtlich ihr Unwesen trieben.

Jetzt, nach Monaten der Ruhe, brannte es wieder. Gegen zwei Uhr morgens entdeckten gleich zwei Bewohnerinnen das Feuer. Bei der Mieterin im ersten Stock löste der in ihrer Wohnung installierte Brandmelder Alarm aus, ein Stockwerk höher wurde Constanze Schedor durch laute polternde Geräusche aus dem Schlaf gerissen. Die 44-Jährige glaubt, dass es der oder die Täter waren, die bei ihrer Flucht den Lärm verursachten.

Das Feuer am Sonnabend in Hellersdorf offenbart, wie fast alle ähnlich gelagerten Brände zuvor, einen merkwürdigen Widerspruch zwischen der Angst vieler Berliner vor den Folgen eines Treppenhausbrandes und ihrer offenkundigen Unfähigkeit, selbst einfachste Schutzvorkehrungen eigenständig zu treffen. Keine Gegenstände in Treppenhäusern abstellen, Haustüren immer geschlossen halten, mahnen Berliner Feuerwehrsprecher eindringlich. Und das nicht erst seit der Katastrophe an der Sonnenallee, sondern seit Jahren.

Dass die Mahnungen weiterhin von vielen Bewohnern von Mietshäusern missachtet werden, zeigt auch der aktuelle Fall. An der Eingangstür des Hauses Zerbster Straße 54 hängt seit der Serie vom vergangenen Herbst eine Mitteilung der Hausverwaltung, in der auf die Brandgefahren aufmerksam gemacht wird. Und im Keller des Hauses, vom Erdgeschoss über nur wenige Treppenstufen bequem erreichbar, wurde eigens ein Raum zum Abstellen von Kinderwagen eingerichtet. Zwei Kinderwagen standen dort zum Zeitpunkt des Brandes, drei weitere befanden sich im Treppenhaus. Einfacher kann man es Brandstiftern nicht machen.

Einen Zusammenhang zwischen dem aktuellen Brand und dem tödlichen Feuer an der Sonnenallee schließt die Polizei wegen der Entfernung aus. Sie vermutet das Werk eines Trittbrettfahrers.