Gewalt gegen Polizisten

Einbrecher sticht Polizeikommissar nieder

| Lesedauer: 3 Minuten
P. Oldenburger und M. Wittge

Foto: dpa / dpa/DPA

Als der Beamte den Einbrecher auf frischer Tat ertappt, sticht dieser um sich. Der Polizist muss zweimal operiert werden. Der Fall steht sinnbildlich für eine besorgniserregende Entwicklung.

Beim Versuch, einen Einbrecher in einem Haus an der Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg festzunehmen, ist ein Polizist von dem Mann niedergestochen und schwer verletzt worden. Der 49-jährige Polizeikommissar musste bislang einmal operiert werden; eine zweite Operation ist nach Angaben seiner Ärzte voraussichtlich heute erforderlich. Der Täter entkam.

Der Beamte und sein Kollege, ein Polizeiobermeister, waren Sonntag gegen 1.20 Uhr von einem Nachbarn in die Greifswalder Straße gerufen worden. Der Mann hatte verdächtige Geräusche aus den Räumen einer Zustellfirma gehört.

Tatsächlich stellten die beiden Polizisten fest, dass die Haustür aufgebrochen worden war. Vorsichtig betraten sie das Treppenhaus und sahen im Halbdunkel eine Gestalt. Die nächsten Ereignisse folgten blitzschnell aufeinander: Die uniformierten Beamten hatten den Mann kaum aufgefordert, sich zu stellen, als der sich plötzlich drehte, einen Satz auf sie zumachte, den Polizeiobermeister beiseite stieß und versuchte, an den Beamten vorbei durch die Haustür zu flüchten.

Dem Polizeikommissar gelang es jedoch, den Einbrecher an dessen Rucksack zunächst festzuhalten. Doch der drehte sich im selben Moment um und hieb blitzschnell mehrere Male mit einem – wie sich später im Krankenhaus herausstellte – sehr spitzen und scharfen Gegenstand auf den Arm des Kommissars, bis der vor Schmerzen loslassen musste. Danach flüchtete der Mann aus dem Haus. Der Polizeikommissar erlitt eine Stichwunde und zwei sehr große und tiefe Schnittwunden am Unterarm. Sie bluteten extrem stark. Sein Kollege erlitt einen Schock, konnte aber über Funk Alarm schlagen.

Die Feuerwehr brachte den schwer verletzten Polizeibeamten in ein Krankenhaus. Dort wurde er sofort operiert. Wie ein Polizeisprecher sagte, planen die Ärzte für Dienstag eine zweite Operation.

Mehr Gewalttaten gegen Polizisten

Die Zahl von Gewalttaten gegen Polizeibeamte steigt zunehmend. Ob bei Verkehrskontrollen, Demonstrationen oder der Festnahme von Straftätern: Polizisten erwarten immer häufiger Faustschläge, Tritte, Bisse oder Stein- und Flaschenwürfe. Insgesamt 3175 Beamte wurden im vergangenen Jahr in Berlin im Dienst verletzt. Nach Polizeiangaben entspricht dies einer Zunahme von rund 300 Fällen gegenüber 2008. Allein wegen Verletzungen bei Festnahmen mussten knapp 500 Beamte einen Arzt aufsuchen, manchmal nach überaus brutalen Angriffen. Erst am Mittwoch vergangener Woche brach ein 17-jähriger Drogenhändler am U-Bahnhof Hallesches Tor in Kreuzberg einem 40 Jahre alten Polizisten mit Fußtritten das Schienbein, als der ihn festnehmen wollte.

Gerade vermeintliche Routineeinsätze eskalieren immer häufiger, belegt auch eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen über Gewalt gegen Polizisten. Seine Mitarbeiter hatten mehr als 21.000 Beamte aus zehn Bundesländern befragt. Das Besorgnis erregende Ergebnis: Die Zahl der verletzten Polizisten, die nach einer Attacke mindestens sieben Tage dienstunfähig waren, nahm seit 2005 um rund 60 Prozent zu. Jeder vierte Beamte wurde im vorigen Jahr im Dienst geschlagen oder getreten, jeder siebte mit einer Waffe oder einem anderen gefährlichen Gegenstand bedroht.

Als Konsequenz der Eskalation der Gewaltakte gegen Polizisten hat die Bundesregierung vor einem Monat einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht. Er sieht vor, die Höchststrafe bereits für den einfachen Widerstand gegen Polizeibeamte von bislang zwei auf demnächst drei Jahre zu erhöhen.