Wohnungsbaugesellschaft

Howoge trotz Vergabe-Affäre mit Rekordergebnis

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Jens Anker und Ingo Rössling
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Ausschuss prüft Howoge-Auftragsvergabe

Die Affäre um rechtswidrige Auftragsvergaben bei der landeseigenen Howoge beschäftigt nun einen Untersuchungsausschuss.

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Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge hat das vergangene Geschäftsjahr trotz Affäre mit einem Rekordergebnis abgeschlossen. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss nimmt allerdings ihre Auftragsvergabe unter die Lupe.

Trotz der Affäre um rechtswidrige Auftragsvergaben hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft Howoge ein erfolgreiches Geschäftsjahr hinter sich. 2010 wurde mit einem Überschuss von 30,1 Millionen Euro abgeschlossen. Bei der Vorstellung der Jahresbilanz sagte Interims-Geschäftsführer Reinhard Baumgarten am Freitag: „Die Howoge ist das wirtschaftlich ertragreichste Unternehmen unter den sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften.“

Am Freitag nahm auch der Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses zur Aufklärung der Howoge-Affäre seine Arbeit auf. Die Opposition hatte die Einrichtung des Ausschusses erzwungen, nachdem die Regierungskoalition mit ihrer Mehrheit die Befragung des ehemaligen Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD) verhindert hatte. Im Zentrum der kommenden Wochen steht dabei die Frage, was Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) von der rechtswidrigen Auftragsvergabe unter anderem an den Ex-SPD-Abgeordneten Ralf Hillenberg wusste. Junge-Reyer bestreitet, davon Kenntnis gehabt zu haben. Dagegen hatte Sarrazin in einem Schreiben nahegelegt, aus den Unterlagen der Wohnungsbaugesellschaft gehe hervor, dass gegen die Vorschriften zur Auftragsvergabe verstoßen wurde. Die damaligen Geschäftsführer sind mittlerweile entlassen und klagen dagegen vor dem Arbeitsgericht. Der Ausschuss will in sechs Sitzungen das Vergabegebahren der Howoge untersuchen, Sarrazin wird auch aussagen.

Baumgarten, der noch bis Ende März Interimschef ist, konnte auf der Bilanzpressekonferenz nicht sagen, ob die Auftragsvergabe-Affäre Auswirkungen auf das Jahresergebnis gehabt hat. Wie die Aufsichtsratsvorsitzende Monika Kuban sprach er aber von schwierigen Rahmenbedingungen. Beide waren sich jedoch einig, dass viel Neues auf den Weg gebracht wurde und die Howoge ein „hervorragend aufgestelltes und leistungsstarkes Unternehmen“ sei. So erhöhten sich 2010 die Umsätze aus dem Kerngeschäft Hausbewirtschaftung von 263,8 auf 278,8 Millionen Euro. Die Leerstandsquote lag mit 1,5 Prozent weit unter dem Berliner Durchschnitt, mit den mehr als 3100 hinzugekauften Wohnungen in Buch aber auch nur bei 2,5 Prozent. Mehr als 600 sind dort derzeit unbewohnt.

Baumgarten kündigte an, dass in Buch in diesem Jahr 1200 Wohnungen komplex saniert werden. Bis 2013 sollen in dem Ortsteil rund 2300 modernisiert sein. Darin will die Howoge insgesamt hundert Millionen Euro investieren. 2011 sollen es etwa 40 Millionen Euro sein. In jeder Wohnung werden die Bauarbeiten innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen sein“, versicherte Baumgarten. Auch für die Fahrstühle, Fassaden oder Hauseingänge gebe es einen strikten Zeitplan. Für die Zeit der Sanierung würden auch Ersatzwohnungen bereitgestellt. Unter dem Motto „Buch vital“ sei für die Fassaden ein stimmiges Farbkonzept entwickelt worden, von zartem Elfenbein über Ocker- und Orangetöne bis hin zu Grüntönen und kräftigem Terrakotta. An der Wiltbergstraße werde es eine Mieter-Infobox geben. Über die Vergabe sämtlicher Aufträge wacht mittlerweile ein unabhängiges Monitoring-Team.

Zur umstrittenen Frage von Mieterhöhungen nach der Sanierung sagte Baumgarten: „Wir halten uns strikt an die Vorgaben des Senats.“ Die Spanne werde sich etwa zwischen 50 Cent und 1,50 Euro pro Quadratmeter bewegen. Das richte sich nach der Größe der Wohnungen. Auf den bisher sechs Mieterversammlungen, so Baumgarten, habe es damit keine Probleme gegeben. Vermietungsbeginn von fertig sanierten Wohnungen soll 2011 zu Beginn des vierten Quartals sein.