Ende der Wehrpflicht

Berliner Unis nehmen 1500 Studenten mehr auf

Durch das Aussetzen der Wehrpflicht müssen sich Berlins Hochschulen im Herbst auf wesentlich mehr Erstsemester einstellen. In welchen Fachrichtungen die neuen Studienplätze geschaffen werden sollen.

Foto: AP

In Berlin soll es wegen der Aussetzung der Wehrpflicht bald mehr Studienplätze geben. Den 15 Hochschulen werden dafür insgesamt 70 Millionen Euro aus dem Hochschulpakt zwischen Bund und Ländern zur Verfügung gestellt. Damit sollen bis zum nächsten Semester 1500 neue Studienplätze entstehen.

Voraussichtlich werden in Berlin 2470 junge Männer nach ihrem Abitur im Sommer nicht zum Wehr- oder Zivildienst antreten müssen. Da erfahrungsgemäß 40 Prozent der Abiturienten unmittelbar nach dem Schulabschluss ein Studium aufnehmen, rechnet die Berliner Wissenschaftsverwaltung mit einem Plus von 1430 Studienanfängern im Oktober.

Ursprünglich waren die 1500 neuen Studienplätze in Berlin für 2012 an den Hochschulen geplant, wenn der doppelte Abiturjahrgang die Gymnasien verlässt. „Die insgesamt 70 Millionen Euro machen es den Hochschulen möglich, den Studienplatzausbau vorzuziehen“, sagte Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität und Vorsitzender der Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten. Jede Berliner Hochschule nehme im Oktober etwa 200 Studierende mehr auf. Die neuen Studienplätze sollen insbesondere in den Geistes-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften geschaffen werden, die Technische Universität Berlin führt zudem einen neuen Studiengang Wirtschaftsinformatik ein. In naturwissenschaftlichen Fächern, zu denen die Medizin zählt, kommen keine Studienplätze hinzu, der Aufbau wäre mit einem hohen Kostenaufwand verbunden, sagte Alt.

Acht Millionen Euro bekommen die Hochschulen für den vorgezogenen Studienplatzaufbau. Die restlichen 62 Millionen Euro sind eine Prämie aus dem Hochschulpakt, weil die Berliner Einrichtungen in den vergangenen Jahren mehr Studienplätze geschaffen hatten als im Hochschulpakt vereinbart. Diese Mittel werden nun ein Jahr früher ausgeschüttet.

Etwa die Hälfte der rund 140.000 Berliner Studenten hat ihr Abitur hier gemacht. „Diese Quote wollen wir auf etwa 70 Prozent anheben“, sagte Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) am Freitag. Dazu seien Maßnahmen geplant, etwa die Einführung eines Schulkurses „Studium und Beruf“, die den Studienbewerbern von den Hochschulen auf den Abiturnotenschnitt angerechnet werden kann. Minderjährige Abiturienten sollen künftig über die Härtefallquote bevorzugt einen Studienplatz in Berlin bekommen.

Der wissenschaftspolitische Sprecher der Berliner FDP, Mirco Dragowski, bemängelte, dass die Maßnahmen erst im kommenden Jahr greifen. Die wehrpflichtbefreiten Schüler profitierten davon nicht. 1500 Studienplätze seien zudem nicht ausreichend, kritisieren die Oppositionsparteien im Berliner Parlament, Grüne, FDP und CDU. Sie deckten noch nicht einmal den aktuellen Bedarf ausreichend ab, sagte Anja Schillhaneck, wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen. „Schon jetzt bewerben sich in beliebten Fächern zehn Abiturienten pro Platz.“ Die Zulassungsbeschränkungen der Studiengänge würden weiter steigen. „Selbst mit einem guten Abitur haben die Schüler kaum noch eine Chance“, sagte Schillhaneck.

Zudem sei die weitere Finanzierung keineswegs sicher. „Der Hochschulpakt mit dem Bund läuft 2015 aus“, sagte Nicolas Zimmer von der Berliner CDU-Fraktion. Es sei noch nicht sicher, dass die aufgestockten Studienplätze dann von den Hochschulen noch gehalten werden könnten.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.