Berliner Hochschulen

Acht Millionen für Unis gegen Wehrdienst-Andrang

Durch den Beschluss des Bundestages, die Wehrpflicht auszusetzen, werden in diesem Jahr schätzungsweise 1500 zusätzliche Studenten an die Hochschulen in Berlin strömen. Damit ein Studieren dennoch möglich ist, kündigte Bildungssenator Zöllner mehr Geld an.

Unterricht in provisorischen Containern oder in überfüllten Hörsälen soll es in Berlin trotz der Aussetzung der Wehrpflicht nicht geben. Die vom Bundestag beschlossene Aussetzung der Wehrpflicht beschert den Berliner Universitäten im laufenden Jahr zusätzlich acht Millionen Euro aus dem Hochschulpakt, um den Andrang zu bewältigen. Das kündigte Bildungssenator Jürgen Zöllner am Freitag in Berlin an.

So könnten 1.500 zusätzliche Studienplätze geschaffen werden. Zusätzlich erhalten die Hochschulen 62 Millionen Euro im Voraus, die wegen der Schaffung von 6.000 extra Studienplätzen laut Hochschulvertrag erst im kommenden Jahr fällig geworden wären.

Der Bundestag hatte am Donnerstag die Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht beschlossen. Dadurch verschärft sich der Ansturm junger Leute auf die Hochschulen. Prognosen zufolge kommen 2011 rund 1.500 junge Männer zusätzlich allein aus Berlin, die statt ihres Zivil- oder Armeedienstes in der Hauptstadt ein Studium beginnen. Den Erfahrungen zufolge studieren 55 Prozent aller jungen Berliner mit Hochschulreife in ihrer Heimatstadt.

Zur Situation für Berlin nach dem Bundestagsbeschluss sagte Zöllner: „Ich glaube, dass es uns gemeinsam mit den Hochschulen gelingt, diese gesamtgesellschaftliche Herausforderung zu meistern.“ Ähnlich äußerte sich der Präsident der Freien Universität (FU), Peter-André Alt. Die Hochschulen seien bereit, die Herausforderung zu schultern, auch wenn dies einen „gewissen Zuwachs“ an Aufgaben bedeute. Es seien erhebliche Kraftanstrengungen notwendig.

Mit diesem Geld haben sie bereits in den Vorjahren den langfristig geplantenAusbau der Studienplätze vorfinanziert. Durch doppelte Abiturjahrgänge in einigen Bundesländern in diesem Jahr und in Berlin ab 2012 besteht zusätzlicher Bedarf an Plätzen. „Wir sind gut gerüstet“, sagte Alt und ergänzte: „Mittlerweile haben wir gelernt, wie man mit einer Situation der Überlastung umgeht.“

„Wir brauchen aber keine Sorgen haben, dass nun die Hörsäle aus den Nähten platzen“, beschwichtigte Alt. Die zusätzlichen Erstsemester würden sich auf die drei großen Hochschulen FU, Humboldt-Uni und Technische Universität sowie auf die einzelnen Fachhochschulen gut verteilen. Es werde in zusätzliches Personal investiert. Vor allem werde der wissenschaftliche Nachwuchs auf eigenen Wunsch bei Lehraufgaben stärker einbezogen. Als Stichwort nannte der Wissenschaftler auch den Einsatz von Juniorprofessoren.

Alt, der zugleich Vorsitzender der Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten ist, kündigte an, grundsätzlich in die Betreuung von Studenten zu intensivieren. Dafür würden mehr Mentoring- und Tutorenprogramme aufgelegt. Es werde eine bessere Nutzung von Räumen und Labors geben. Mehr Brückenkurse und „Summerschools“ würden eingerichtet. Darüber hinaus könnten die Universitäten auch mehr an den Wochenenden genutzt werden.

Auch ein stärkerer Ausbau des E-Learning könne helfen. Hörsäle müssten nicht von 9.00 bis 18.00 Uhr voll sein. E-Learning werde aber nicht dazu führen, dass die Unis plötzlich zu Fern-Unis würden, sondern das Lernen per Internet könne mit der Präsenzlehre kombiniert werden. Schon jetzt habe die Freie Universität, deren Präsident Alt ist, gute Erfahrungen damit gesammelt.

Die Berliner Hochschulen haben von 2006 bis 2010 die Zahl der Studienanfängerplätze von 19 000 auf 24 500 erhöht. In privaten und staatlichen Hochschulen gibt es insgesamt rund 28 500 Plätze für Erstsemester. Bis 2012 sollen rund 6000 neue Plätze hinzukommen.