Neue Studie

Kinder in Berlin - Elf Prozent sind zu dick

Wissenschaftler haben die Vorschuluntersuchungen von mehr als 50.000 Berliner Schulanfängern ausgewertet. Ergebnis: 13 Prozent sind verhaltensauffällig, elf Prozent sind übergewichtig - im Durchschnitt. In einigen Bezirken liegen die Werte deutlich darüber.

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Die Senats-Gesundheitsverwaltung hat die Einschulungsuntersuchungen von Kindern in Berlin wissenschaftlich auswerten lassen. Der Schwerpunkt des Berichts "Sozialstruktur und Kindergesundheit" liegt auf den Zusammenhängen zwischen sozialem Status und der Gesundheit der Kinder.

Das Ergebnis: Knapp ein Drittel der Berliner Kinder ist von gesundheitlichen Risiken betroffen, mehr als 13 Prozent wiesen Entwicklungsauffälligkeiten auf. Familienkonstellation und Migrationshintergrund sind für die Entwicklung des Kindes nicht bedeutend, wohl aber die Deutschkenntnisse.

Ausgewertet wurden dafür den Angaben zufolge Daten von fast 53.000 Kindern aus den Einschulungsuntersuchungen der Jahre 2007 und 2008. Etwa ein Drittel der Kinder stammten dabei aus Migrantenfamilien. 16 Prozent der Kinder und Eltern mit Migrationshintergrund wiesen dabei gute bis sehr gute und acht Prozent unzureichende Deutschkenntnisse auf.

Knapp ein Viertel der Berliner Kinder wies bei der Einschulungsuntersuchung keine Auffälligkeiten auf. Den höchsten Anteil unauffälliger Kinder gibt es in Steglitz-Zehlendorf (38,6 Prozent). Einen deutlich überdurch¬schnittlichen Anteil unauffälliger Kinder haben außerdem die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf (32,8 Prozent), Treptow-Köpenick (32,6 Prozent) und Pankow (31,7 Prozent).

Knapp zwei Drittel der Kinder sind nicht oder nur vereinzelt von gesundheitlichen Risiken betroffen. Ein erhöhtes Risikoverhalten besteht der Studie zufolge, wenn mindestens drei der fünf erfassten Risikomerkmale (Rauchen im Haushalt, Fernsehkonsum über zwei Stunden täglich, eigener Fernseher, sanierungsbedürftiges Gebiss, unvollständiger Impfstatus) zutreffen. Die Studie ergab, dass bei etwa jedem elften Kind (9 Prozent) ist ein erhöhtes gesundheitliches Risikoverhalten zu beobachten ist. An der Spitze der Liste stehen hier die Bezirke Neukölln, Marzahn-Hellersdorf und Mitte mit jeweils mehr als 13 Prozent Betroffenen unter den untersuchten Kindern.

Die Ergebnisse der Studie nach Bezirken

Jedes achte Kind in Berlin wies bei den Untersuchungen Entwicklungsauffälligkeiten in mindestens zwei der vier Bereiche Körperkoordination, Auge-Hand-Koordination, schlussfolgerndes Denken und Sprache auf. Wieder liegt Neukölln hier vorn, gleichauf allerdings mit Reinickendorf (beide 18,9 Prozent).

Jedes neunte Berliner Kind ist schließlich übergewichtig oder adipös, in Neukölln sind es 18,8 der untersuchten Kinder, in Mitte 14,9 Prozent und in Friedrichshain-Kreuzberg immerhin noch 13,9 Prozent.

Der Sozialstatus erweist sich als stärkster Einflussfaktor auf die Gesundheit. So häufen sich in den Wohnquartieren mit ungünstiger Sozialstruktur auch gesundheitliche Risiken, wie der Senat mitteilt. Dies betrifft insbesondere Gesundbrunnen, Wedding, Kreuzberg Nord, Kreuzberg Ost und Neukölln.

Außerdem wirken sich mangelnde Deutschkenntnisse bei Kindern mit Migrationshintergrund deutlich auf die Entwicklung der Kinder aus – wobei die Autoren der Studie anmerken, dass einige Kinder nicht gänzlich einzuschätzen waren, da sie aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse die Aufgaben nicht verstanden.

Andersherum ergab die Studie aber auch ein, dass ein Mig¬rationshintergrund bei guten bis sehr guten Deutschkenntnissen von Kind und Eltern verglichen mit deutscher Herkunft „nur einen geringfügigen Einfluss auf die Konstellationszugehörigkeit hat“. Ein Mig¬rationshintergrund hat bei guten bis sehr guten Deutschkenntnissen von Kind und Eltern verglichen mit deutscher Herkunft nur einen geringfügigen Einfluss darauf, ob ein Kind etwa zur Gruppe der Unauffälligen, der Entwicklungsauffälligen oder der Übergewichtigen gehört.

Auch die Familienform hat kaum Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder, ergab die Studie.

„Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass bereits im Vorschulalter bei einem Teil der Kinder gesundheitliche Gefährdungen zu beobachten sind“, teilte Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) mit. „Prävention muss daher sehr früh beginnen und an den konkreten Problemen ansetzen“