Stadtverkehr

Wohin mit all den Fahrradfahrern in Berlin?

Die Anzahl der Radfahrer steigt stetig in Berlin. Die vorhandenen Radwege reichen nicht mehr aus - Konflikte mit Fußgängern sind die Folge. Der Bund für Umwelt und Naturschutz fordert neue Routen, mehr Abstellplätze und Fahrradstraßen.

Neue Radstreifen und Routen, mehr Fahrradstraßen und Abstellplätze – das fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) für die Zukunft des Radverkehrs in Berlin. Verkehrsexperte Martin Schlegel und Stadtplaner Tilo Schütz zogen am Dienstag eine Bilanz der Berliner Radverkehrspolitik seit 2005. Viel sei bereits erreicht worden, lautete ihr Zwischenfazit.

Doch angesichts jüngst vorgestellter Zahlen zur Verkehrsentwicklung gelte es, dem steigenden Anteil des Radverkehrs Rechnung zu tragen. In der Vorwoche hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Broschüre „Mobilität der Stadt – Berliner Verkehr in Zahlen“ veröffentlicht. Demnach ist der Anteil des Radverkehrs in Berlin auf 13,1 Prozent gestiegen. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen der Innenstadt und den Außenbezirken. Pendler vom Stadtrand nutzen deutlich seltener das Fahrrad.

Weniger Platz für Autos

Neue, gut ausgebaute Rad-Routen – etwa vom Märkischen Viertel nach Mitte oder von Mariendorf über das Tempelhofer Flugfeld nach Kreuzberg – sollen nach Ansicht des BUND Abhilfe schaffen. Zudem forderten Schlegel und Schütz mehr sichere und wettergeschützte Fahrrad-Abstellplätze an Stadtrand-Bahnhöfen.

In der Innenstadt sehen die BUND-Experten ganz andere Probleme. Dort nutzen inzwischen so viele Menschen das Fahrrad, dass die vorhandenen Radwege und Stellplätze bei Weitem nicht mehr ausreichen. Konflikte mit Fußgängern seien vielerorts die Konsequenz. An Einkaufsstraßen wie der Oranienstraße in Kreuzberg sollen nach den Vorstellungen des BUND daher die knappen Parkplätze für Autos weiter reduziert werden. Stattdessen soll es auf der Fahrbahn Fahrrad-Abstellanlagen geben.

Der Anteil der Plätze für Räder und Autos soll sich nach der prozentualen Nutzung der Verkehrsmittel im jeweiligen Bezirk richten. An der Oranienstraße würde das bedeuten, 20 Parkplätze würden gestrichen, um Platz für 160 Räder zu schaffen. Für die Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg hat der BUND ebenfalls eine Lösung, die auf wenig Gegenliebe bei Autofahrern stoßen dürfte. Weil die Radwege auf dem Gehsteig dort völlig überlastet sind, sollen die Radfahrer auf die Straße.

Für den Autoverkehr bliebe nach den Plänen dann nur noch eine Fahrspur pro Richtung. Auch das Netz von Fahrradstraßen, auf denen Autofahrer nur ausnahmsweise fahren dürfen, will der BUND ausbauen. Gleich ein halbes Dutzend zusätzlicher Straßenzüge sollten nach Ansicht von Schlegel und Schütz ausgewiesen werden, darunter das Maybachufer in Neukölln und die Togostraße in Wedding.