Wohnungsmarkt

GSW-Börsengang birgt Gefahr höherer Mieten

Das Immobilienunternehmen GSW will an die Börse. Der Mieterverein befürchtet steigende Mieten und fehlende Investitionen in die Häuser. Die GSW dagegen weist alle Vorwürfe zurück.

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Neues Jahr, neuer Versuch: Nachdem die griechische Schuldenkrise im Mai 2010 dazu führte, dass die GSW ihren Börsengang mangels Anlegerinteresse wieder absagen musste, wagt das Immobilienunternehmen jetzt einen zweiten Versuch. Noch vor Ostern will die GSW, die in Berlin 48.000 Wohnungen besitzt und darüber hinaus rund 15.800 Wohn- und Gewerbeeinheiten für Dritte verwaltet, Aktien auf den Markt bringen.

„Für unsere Mieter ändert sich dadurch nichts“, versichert GSW-Sprecher Thomas Rücker. Das bezweifeln der Berliner Mieterverein und die Grünen im Abgeordnetenhaus. Sie befürchten, dass durch den Druck, regelmäßig Dividende an die Aktionäre auszuschütten, die Mieten steigen werden.

30 Millionen Euro für das Land

Die GSW, einst eines der größten kommunalen Wohnungsunternehmen in Berlin, wurde vor sieben Jahren vom Senat für rund 400 Millionen Euro an die US-Finanzinvestoren Goldman Sachs/Whitehall und Cerberus verkauft. Im vergangenen Jahr ließ sich der Senat von den Investoren zudem gegen Zahlung von 30 Millionen Euro das Zugeständnis abkaufen, die GSW an die Börse zu bringen. Der wohnungspolitische Sprecher der Grünen, Andreas Otto fürchtet, dass für die 130.000 Mieter des Unternehmens nun eine neue Etappe der Unsicherheit beginne.

„Im Kaufvertrag gemachte Investitionszusagen wurden vom Senat, seit 2004 durch ein Aufsichtsratsmandat immer mit dabei, zu unverbindlichen Absichtserklärungen umdeklariert“, kritisiert Otto. Zudem könnte sich der überwiegende Teil der Mieter nicht auf die einst vom Senat ausgehandelten Schutzklauseln berufen. Denn lediglich jene, die schon 2001 bei der GSW wohnten, sollen eine schriftliche Ergänzung zum Mietvertrag erhalten haben.

Der Berliner Mieterverein (BMV) übt Kritik. „Wir fürchten, dass die Mieten noch weiter steigen und noch weniger in die Instandhaltung investiert wird“, sagt BMV-Geschäftsführer Reiner Wild. So investiere die GSW schon heute nicht in die energetische Modernisierung. „Und gerade die Erwartung einer höheren Miete soll ja gerade Aktionäre anlocken.“

Die GSW weist die Kritik zurück. Zwischen 2006 und 2010 sei die Netto-Kaltmiete pro Quadratmeter durchschnittlich um 2,9 Prozent pro Jahr gestiegen und liege aktuell bei 4,90 Euro. „Auch nach dem Börsengang gilt das deutsche Mietrecht und wir werden uns auch weiterhin am geltenden Berliner Mietspiegel orientieren“, so GSW-Sprecher Rückert.

Der Emissionserlös der GSW soll inklusive Kapitalerhöhung bei 600 Millionen Euro liegen und auch zum Teil in die Sanierung fließen. Goldman Sachs und Cerberus, heißt es in Finanzkreisen, planten, mehr als 50 Prozent ihrer Anteile an dem Unternehmen, das mit 991,4 Millionen Euro bewertet wird, abzugeben. Die Kapitalerhöhung soll auch dem Kauf von Wohnungen in Berlin dienen. Die GSW soll derzeit in Verhandlungen über Pakete mit insgesamt 10.000 Wohnungen stehen.