Wissenschaftliche Arbeiten

Zwei Ghostwriter streiten vor Berliner Gericht

Zwei Auftragsschreiber von Magister- und Doktorabeiten sind vor dem Berliner Landgericht aufeinandergetroffen. Einer der beiden hatte gegen den anderen geklagt - und nutzte die Gelegenheit, seine Tätigkeit als ehrenwert zu verteidigen.

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Ein Streit zwischen Auftragsschreibern für wissenschaftliche Arbeiten soll jetzt mit einem außergerichtlichen Vergleich enden. Das wurde Dienstag bei einer Verhandlung am Berliner Landgericht beschlossen. Geklagt hatte ein Berliner Anbieter von Auftragsschriften, der sich als einen der größten auf dem deutschen Markt bezeichnet. Er wollte einer anderen Firma verbieten lassen, für sich als Marktführer zu werben. „Es bringt ja nichts, sich gegenseitig alles zu zerschießen“, sagte Kläger-Anwalt Bernd von Nieding. Einen Termin für die Einigung setzte das Gericht zunächst nicht fest.

Der Kläger verteidigte am Rande der Verhandlung sein Angebot für Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen und Promotionen: „Das ist sehr wohl ein ehrenwertes Geschäft.“ Die wissenschaftlichen Texte, die seine Autoren erstellten, seien Entwürfe und als Orientierung für die Kunden gedacht.

In Juristenkreisen hatte es zu dem Streit geheißen, angesichts der Plagiats-Affäre um den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) habe die Branche doch wohl eher Anlass, nicht so in die Öffentlichkeit zu gehen. Guttenberg war zurückgetreten, weil ein Großteil seiner Doktorarbeit aus nicht gekennzeichneten Texten fremder Autoren besteht. Die Universität Bayreuth hatte ihm deshalb den Titel aberkannt. Derzeit wird geprüft, ob Guttenberg als Doktorand vorsätzlich getäuscht hat.

Im Februar hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf einem Anbieter untersagt, sich als einer der Marktführer im wissenschaftlichen Ghostwriting zu präsentieren. Auf seiner Internetseite wurden für eine Dissertation zwischen 10.000 und 20.000 Euro verlangt. Er könne schon deshalb nicht zu den Marktführern gehören, weil er verbotene Dienstleistungen anbiete, urteilten die Richter. Es sei nicht erlaubt, Abschlussarbeiten zum Erwerb akademischer Grade für Dritte zu erstellen. Die Behauptung, dass es nur Übungstexte seien, wies das Gericht als lebensfremd zurück: Dafür würde kaum jemand mehr als 10.000 Euro zahlen.