Provozierte Tat

Polizist schießt nach Angriff Mann in den Bauch

Ein Polizist hat einen Mann in Berlin-Neukölln niedergeschossen und schwer verletzt. Der 40-Jährige hatte zwei Beamte mit einem Messer und einem Molotowcocktail angreifen wollen. Offenbar eine gezielte Provokation.

In Berlin-Neukölln hat am Sonntag ein 31 Jahre alter Polizeikommissar einen Mann angeschossen und schwer verletzt. Der 40-Jährige hatte zuvor zwei Polizisten mit einem Messer und einem Molotowcocktail angreifen wollen – offenbar mit dem Motiv, erschossen zu werden.

Um 11.50 Uhr überprüften zwei Beamte des Zentralen Verkehrsdienstes einen Autofahrer an der Hermannstraße. Als sie sich die Papiere des Mannes zeigen lassen wollten, kam plötzlich der 40-Jährige angestürmt. In seinen Händen hielt er ein Messer und die mit einer Flüssigkeit gefüllten Flasche, aus der ein bereits brennender Lappen ragte. Die Rufe der Beamten, stehen zu bleiben, soll der Mann nach bisherigen Erkenntnissen ignoriert haben. Deshalb zog einer der Polizisten seine Dienstwaffe und schoss auf den Mann. Eine Kugel traf ihn im Bauch. Eine Rettungswagenbesatzung der Feuerwehr brachte den Angreifer in ein nahe gelegenes Krankenhaus. Nach Informationen von Morgenpost Online hatte zunächst Lebensgefahr bestanden, die Ärzte konnten den Zustand des 40-Jährigen jedoch stabilisieren. Dennoch ist er weiterhin kritisch.

Eine Mordkommission des Landeskriminalamtes (LKA) hat die Ermittlungen übernommen. In Fällen, in denen Polizeibeamte Schüsse mit ihrer Dienstwaffe abgeben, ist dies so vorgesehen. Nach Angaben eines Ermittlers gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass sich der Beamte falsch verhalten haben könnte: „Er und sein Kollege wurden von einem Mann mit todbringenden Gegenständen, nämlich einem bereits in Brand gesetzten Molotowcocktail und einem Messer angegriffen. Sie hatten das Recht, sich zu verteidigen.“ Der Tatort an der Hermannstraße war für mehrere Stunden gesperrt, es kam zu Verkehrsbeeinträchtigungen.

Im Zuge der Untersuchungen stellte sich heraus, dass der 40-Jährige es darauf angelegt haben könnte, von der Polizei erschossen zu werden. „Man nennt dies suicide by cop, also Selbstmord durch Polizisten“, so ein Beamter: „Offenbar war der Mann geistig verwirrt und hat bewusst eine solches Bedrohungsszenario erzeugt, dass der Beamte nur noch den Weg sah, die Dienstwaffe zu ziehen.“

Vor wenigen Jahren hatte es einen vergleichbaren Fall in Neukölln gegeben. Damals hatte ein aus Afghanistan zurückgekehrter Soldat einen Überfall begangen und auf die ihn verfolgenden Zivilpolizisten mit einer Gaspistole angelegt. Die Beamten erschossen ihn, weil die Waffe im Dunklen einer scharfen Pistole glich. Später ergaben die Ermittlungen, dass der Mann offenbar mit dem Erlebten während seiner Zeit in dem Kriegsgebiet nicht klargekommen war.