Hohenschönhausen

Erben verbieten Van-der-Rohe-Kulturforum

Der Obersee soll saniert werden, am Orankesee sollte ein Kulturforum entstehen - und den Namen des berühmten Architekten Ludwig Mies van der Rohe tragen. Doch dessen Erben sind dagegen.

Foto: Massimo Rodari

Vor mehr als 50 Jahren ist der anmutige Obersee in Alt-Hohenschönhausen zum letzten Mal entschlammt worden. Seine fast spiegelglatte Wasseroberfläche in der Mitte täuscht aber darüber hinweg, dass die Uferzonen verdreckt und verschlissen sind. Eine ökologische Rundum-Sanierung war längst überfällig. Nun steht sie dem 1894 als Brauwasserreservoir für die damalige Löwen-Brauerei angelegten Gewässer gemeinsam mit dem benachbarten Orankesee bevor. Die Planungen im Bezirksamt sind abgeschlossen.

Sie wurden am Donnerstagabend den Anwohnern vorgestellt. Die Arbeiten beginnen im September. Sie sollen bis 2015 dauern. Etwa drei Millionen Euro werden investiert. Baustadtrat Andreas Geisel (SPD): „Wir haben vom Senat die Zusage über 1,5 Millionen Euro aus dem Umweltentlastungsprogramm, die gleiche Summe steuert der Bezirk aus seinem Investitionsetat bei.“

Zur Verbesserung der Wassergüte im Obersee steht die Installation von Seewasserfiltern im Mittelpunkt. Dafür werden oberhalb der Oberseestraße vier, je 500 Quadratmeter große, bepflanzte Becken angelegt, mit denen das gesamte Seevolumen bis zu fünfmal im Jahr gesäubert werden kann. Die Anlage kostet allein mehr als 1,1 Millionen Euro. Anwohner befürchten Geruchsbelästigungen. Geisel versichert: „Das wird nicht passieren, da in den See Regenwasser fließt und keine Schadstoffe anfallen.“ Heinz Nabrowsky, zuständig für Naturschutz und Landschaftsplanung im Bezirk: „Die Berliner Wasserbetriebe haben in die technologische Vorbereitung dieses Projektes etwa 100.000 Euro gesteckt.“

Es stellte sich heraus, dass bei der Renaturierung des knapp 38.000 Quadratmeter großen Obersees nur die Uferzonen in einer Breite von zehn Meter entschlammt werden müssen. Die maroden Uferbefestigungen auf dem Weg rund um den See werden mit natürlichen Stoffen wie Wasserbausteinen oder Erdsubtrat neu gestaltet. Es entstehen weitere Röhrichtgürtel, ebenso auf den kleinen Inseln.

Das ist auch am Orankesee (44.000 qm) vorgesehen. Er hat aber eine sehr gute Wasserqualität. Seerosen werden dort künftig die Besucher erfreuen. Nabrowsky: „Wir wollen mit der Renaturierung auch die artenreiche Flora und Fauna schützen, so den Fischbestand.“ Mehr Froschkonzerte werde es nicht geben.

Ein „Wirtshaus am Orankesee“

Der Förderverein Obersee & Orankesee, der auch die gesamte Parkanlage zwischen beiden Gewässern umgestalten möchte, unterstützt das Sanierungsvorhaben. „Wir haben beharrlich darum gekämpft“, sagt Vorsitzender Jörg Ritter. Von einem Projekt muss sich der Verein aber verabschieden. Der Bau eines Mies-van-der-Rohe-Kulturforums aus Stahl und Glas auf einem Plateau über dem Strandbad Orankesee ist gescheitert.

Die Mies-Erben verweigern die Erlaubnis für den Namen, ebenso für den Park, den der Verein auch nach dem Architekten benennen wollte. Damit sollte sein Vermächtnis geehrt werden, liegt doch am Obersee das von ihm geschaffene „Landhaus Lemke“. Im Gespräch ist nun der Name „Alt-Hohenschönhausener Seenpark“.

Auf eine Begegnungsstätte an der Orankestraße 41 setzt der Verein immer noch. Ritter: „Wir haben uns jetzt mit dem Grundstückseigentümer in Verbindung gesetzt.“ Es ist das Wohnungsunternehmen Gesobau, das schon seit vielen Jahren die Wiedergeburt des einstigen, legendären „Wirtshauses am Orankesee“ vorhersagt. Dort ist nun der Biergarten „Oranke am See“ ansässig.

Ritter: „Die Gesobau ist gebeten worden, einen fairen Verkehrswert für das etwa 4000 Quadratmeter große Grundstück zu finden.“ Es gebe zwei interessierte Investoren, die gern eine gastronomische Begegnungsstätte bauen würden. Sie könne wieder „Wirtshaus am Orankesee“ oder Orankeforum heißen.