Gnade

Berlins Streunerkatzen sollen kastriert werden

In der Hauptstadt ziehen 100.000 herrenlose Katzen durch die Straßen, meist unterernährt und krank. Um eine weitere Ausbreitung des Elends zu verhindern, fordert der Tierschutzverein nun die Kastration dieser Tiere.

Foto: picture-alliance / dpa / picture-alliance / dpa/Hanson

Unterernährt, krank, verletzt, zerzaust, das Fell voller Flöhe – so streunen etwa 100000 frei lebende Katzen durch Berlin. Die unkontrollierte Vermehrung dieser Tiere und ihr elendes Dahinvegetieren sind die Folge. Ein Berliner Tierschutzbündnis fordert deshalb die Kastration dieser Katzen in der Hauptstadt. Es startete am gestrigen Donnerstag eine Aufklärungskampagne unter dem Motto „Kuscheln ohne Folgen“. Mit Plakaten, Postkarten und Infoblättern sollen in den kommenden Monaten die Öffentlichkeit, aber auch die Politiker aller Abgeordnetenhaus-Parteien für dieses brennende Tierschutzproblem sensibilisiert werden; auch im bevorstehenden Wahlkampf.

Dem Bündnis gehören der Berliner Tierschutzverein (TVB), der Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. und der Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg e.V. an. TVB-Präsident Wolfgang Apel: „Einen Schwerpunkt der Kampagne bilden so genannte Freigängerkatzen – also Tiere, die einen Besitzer haben, aber nicht kastriert sind.“ Etwa 15 bis 20 Prozent der frei lebenden Katzen kämen immerhin aus privater Haltung. Apel fordert: „Berlin braucht ein gesamtstädtisches Konzept, um dem Problem Herr zu werden.“ Neben der Unterstützung der Kastration von frei lebenden Katzen sei eine verbindliche Kastrationspflicht von Katzen in Privathaushalten erforderlich, die Zugang ins Freie erhalten.

Apel erwartet von Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke), dass „sie endlich in dieser Frage Akzente setzt und sich nicht zurücklehnt“. Das Land Berlin und die Bezirke würden bisher dem Katzenelend tatenlos zuschauen. Allein der Berliner Tierschutzverein wende in seinem Tierheim jährlich bis zu 100.000 Euro aus Spenden für die Kastration, Versorgung und Betreuung frei lebender Katzen auf, rechnet Apel vor.

„Die Zahl dieser Katzen steigt weiterhin, wenn nicht sofort etwas dagegen unternommen wird“, warnt auch Brigitte Jenner vom Verein der Tierversuchsgegner. Sie weist darauf hin, dass sich Erfolge dort eingestellt haben, wo streunende Katzen versorgt, betreut und einer Kastration zugeführt werden. So kümmerten sich engagierte Tierschützer an 290 Katzenfutterstellen der Stadt bei Wind und Wetter um die Tiere; in Parks und Kleingartenanlagen, verlassenen Fabrikgeländen, auf Friedhöfen oder Hinterhöfen.

Das Dreierbündnis setzt sich auch dafür ein, dass anerkannte Verbände des Tierschutzes eine Klagemöglichkeit erhalten und ein Heimtiergesetz eingeführt wird. Es solle die Haltung, Pflege, Ernährung und Unterbringung von Vier- und Zweibeinern in Privathaushalten regeln. Die Berliner Bezirke werden aufgefordert, weitere Hundefreilaufflächen und -auslaufgebiete zu schaffen. Das Thema Tierschutz soll in die Rahmenlehrpläne der Berliner Schulen aufgenommen werden, schlägt das Bündnis vor.