Feuerdrama in Neuköln

Anwohner fürchten weitere Brandtstiftungen

Nach dem Feuer mit drei Toten in Neukölln, glaubt die Familie der Brandopfer an eine Beziehungstat. Die Mordkommission ermittelt unter Hochdruck und befragt überlebende Bewohner, die nicht nur unter Schock stehen, sondern auch weitere Brände fürchten.

Mit Hochdruck fahnden eine Mordkommission und ein Brandkommissariat des Landeskriminalamtes (LKA) derzeit nach dem Brandstifter aus der Neuköllner Sonnenallee. Knapp ein Dutzend Hinweise sind nach dem verheerenden Brand am Sonnabend bei den Ermittlern eingegangen, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Drei Tote, der 28-jährige Daniel J., seine zwei Jahre jüngere Schwester Daniela und deren erst neun Tage alter Säugling, gehen auf das Konto des Gesuchten. Mit Äußerungen zu konkreten Hinweisen auf den Täter und dessen mögliche Motive hält sich die Polizei vor allem aus ermittlungstaktischen Gründen noch zurück. Die aus Bosnien stammenden Angehörigen der Opfer hingegen, die bevor sie nach Deutschland kamen in Serbien gelebt hatten, haben bereits einen Verdacht.

Gegenüber Morgenpost Online verwies am Montag der Vater der getöteten Geschwister auf einen Landsmann namens „Djako“, mit dem Brandopfer Daniela J. offenbar längere Zeit liiert war. Der Mann soll auch der Vater des ebenfalls ums Leben gekommenen Säuglings sein, die Trennung des Paares war offenbar von heftigen Auseinandersetzungen begleitet. Ihm sei die Tat zuzutrauen, insbesondere weil er seit dem Brand verschwunden sei, erklärte der Vater. Die Polizei sprach am Montag vorsichtig von einer möglichen Spur.

Eine Beziehungstat, bei der sich Täter und Opfer kennen und Eifersucht oder Rache ein Motiv sein könnten, komme nach gängigen Erfahrungswerten in solchen Fällen durchaus in Betracht, hieß es am Montag aus Ermittlerkreisen. Genauso infrage kämen aber auch ein Pyromane oder spielende Kinder. Zurzeit würden auch die überlebenden Bewohner des Hinterhauses an der Sonnenallee 18 zu dem Brand befragt, „soweit dies möglich ist“, sagte Justizsprecher Martin Steltner. Viele der Betroffenen stehen offenbar noch immer unter Schock.

Am Montag äußerte sich auch Landesbranddirektor Wilfried Gräfling im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses zu dem tragischen Geschehen. „Die drei Toten sind auf die rasante Brand- und Rauchentwicklung im Treppenhaus und in der Wohnung zurückzuführen“, sagte der Feuerwehr-Chef. Ob ausschließlich der berüchtigte Kamineffekt oder auch eingesetzte Brandbeschleuniger dafür sorgten, dass sich die Flammen so rasend schnell ausbreiteten, wird derzeit noch von den Experten des Landeskriminalamtes untersucht. Ein Kamineffekt tritt vor allem bei Bränden in Hausfluren und Treppenhäusern auf, insbesondere der Qualm zieht aufgrund einer einsetzenden Sogwirkung sofort nach oben. Werden dann noch Wohnungstüren geöffnet, verstärkt sich dieser Effekt noch. Das ist ein Grund, warum die Feuerwehr immer wieder entsprechende Warnungen ausspricht.

Opfer werden in der Heimat bestattet

„Beim Einatmen giftiger Rauchgase tritt häufig schon nach wenigen Sekunden die Bewusstlosigkeit ein“, sagte ein Feuerwehrexperte dazu. Daniela J. und ihr Säugling waren offenbar auf diese Weise in ihrer Wohnung im ersten Stock des Hinterhauses ums Leben gekommen. Daniel J. war in seiner Verzweifelung noch aus dem Fenster gesprungen, doch das rettete ihn nicht. Auch er sei an einer Rauchgasvergiftung gestorben und beim Eintreffen der Feuerwehr bereits tot gewesen, sagte Gräfling in der Ausschusssitzung. Alle drei Opfer sollen nach Angaben der Familie in ihre Heimat überführt und dort beerdigt werden. Gräfling widersprach zudem Behauptungen von Anwohnern, die Löschtrupps seien erst 20 Minuten nach ihrer Alarmierung vor Ort gewesen. Die ersten Kräfte seien bereits sieben Minuten nach Eingang des Alarmrufes am Einsatzort gewesen, sagte der Landesbranddirektor. Knapp 20 Bewohner wurden mit Leitern, Sprungkissen und Fluchthauben in Sicherheit gebracht. Bei den Fluchthauben handelt es sich um Atemschutzmasken, die den Betroffenen angelegt wurden, bevor sie durch das verqualmte Treppenhaus ins Freie geführt wurden.

Die Betroffenen des Brandes hoffen jetzt ebenso wie weitere Anwohner, dass der oder die Täter schnell gefasst werden. Denn nach dem Horrorszenarium vom vergangenen Wochenende geht in der Umgebung des Brandortes spürbar die Angst vor weiteren Brandstiftungen um.