Brandstiftung in Neuköln

5000 Euro Belohnung ausgesetzt

Das Feuer in der Sonnenallee wurde vorsätzlich durch einen in Brand gesetzten Kinderwagen ausgelöst. Während die Polizei für Hinweise eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt hat, fordern Experten, dass Mieter nichts mehr im Hausflur abstellen dürfen.

Nach dem Brand in einem Wohnhaus in der Sonnenallee mit drei Toten fordern Experten Konsequenzen aus der Brandkatastrophe. Sowohl der Verband der Hausbesitzer wie die Berliner Feuerwehr verlangen, dass in den Treppenräumen der Mietshäuser nichts abgestellt werden dürfe, was angezündet werden könne. Das Feuer in der Neuköllner Sonnenallee war durch einen in Brand gesetzten Kinderwagen ausgelöst worden. Die Flammen hatten sich sehr schnell im gesamten Treppenhaus ausgebreitet und es stark mit giftigen Gasen verqualmt. „Das verlangt eigentlich die Bauordnung“, sagte Dieter Blümmel, Sprecher des Bundes der Berliner Haus- und Grundbesitzervereine, am Dienstag. „Danach sind Treppenräume grundsätzlich Flucht- und Rettungswege, die von Brandlasten freizuhalten sind“, bestätigte auch Wolfgang Rowenhagen, Sprecher der Berliner Feuerwehr. Die Forderung, diese Vorschrift durchzusetzen, richte sich in erster Linie an die Gerichte, betonten beide Sprecher. „Die Richter geben häufig den Mietern Recht und tolerieren, dass die Bauordnung nicht eingehalten wird“, kritisierte Blümmel. „Wir versuchen seit ewigen Zeiten durchzusetzen, dass keine Kinderwagen, keine Kakteen, keine Fahrräder, keine Kleinmöbel, keine Schuhe die Treppenhäuser verstellen.“

Am liebsten würde der Verband auch Fußmatten vor den Wohnungen verbieten. „Wir erleben immer wieder, dass Brandstifter gerade Matten mit Benzin übergießen und anzünden.“ „Die Zivilrichter haben kein Recht, die Vorschriften der Bauordnung auszuhebeln“, sagte Blümmel. „Die Richter müssen darüber nachdenken, was sie mit solchen Entscheidungen anrichten. Dadurch sterben immer wieder Menschen.“ Dem „Tagesspiegel“ sagte Blümel, bei Kinderwagen-Prozessen urteilten die Richter in zwei Drittel der Fälle zugunsten der Mieter. Auch Feuerwehr-Sprecher Rowenhagen forderte, alles Brennbare aus den Treppenhäusern zu entfernen. „Kinderwagen werden am häufigsten in Treppenhäusern abgestellt. Für sie sollten Abstellmöglichkeiten im Keller geschaffen werden.“ Sie seien nicht nur leicht entflammbar, sondern stellten in verqualmten Treppenhäusern auch eine gefährliche Stolperfalle dar. „Feuerwehrmänner sind durch Atemschutzgeräte geschützt. Mieter sterben elendiglich in dem Rauch.“

Die Staatsanwaltschaft hat außerdem eine Belohnung von 5000 Euro für Täterhinweise ausgesetzt. Durch das Feuer, das nach Erkenntnissen der Ermittler vorsätzlich gelegt wurde, starben am Samstagmorgen ein 28-jähriger Mieter, dessen 26-jährige Schwester sowie der zehn Tage alter Sohn der Frau. Sie war mit ihrem Baby zu Besuch bei ihrer Familie in diesem Haus. 17 Menschen wurden verletzt.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen Mordes und versuchten Mordes sowie besonders schwerer Brandstiftung. Für Hinweise zur Aufklärung der Tat wurde ein Hinweistelefon eingerichtet. Bürger können sich unter der Nummer 030 4664 – 910510 melden.