Personalwechsel

Naturkundemuseum verliert seinen Generaldirektor

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Markus Falkner

Foto: dpa / dpa/DPA

Reinhold Leinfelder hat das Image des Berliner Naturkundemuseums aufpoliert. Doch jetzt hat der "Herr der Dinos" seinen Vertrag nicht verlängert. Insider sprechen von "unmenschlichen Arbeitsbedingungen" für den Direktor.

Fast genau zwei Monate ist es her. Vor den Feiern zum 200-jährigen Bestehen des Museums für Naturkunde schmiedete Generaldirektor Reinhold Leinfelder im Interview mit Morgenpost Online Zukunftspläne. Weitere Säle sollten restauriert, die Forschung international vernetzt, der Erfolgskurs bei den Ausstellungen fortgesetzt werden. Doch dann wurde klar: Leinfelder wird diese Pläne nicht mehr persönlich umsetzen. Der 53-Jährige wird seinen zum Jahresende auslaufenden Arbeitsvertrag nicht verlängern. Nach nur fünf Jahren Amtszeit geht der Mann, der das zuvor angestaubte Naturkundemuseum – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung – ins 21. Jahrhundert geführt hat.

Wie es weiter geht an der Spitze des weltweit renommierten Hauses, darüber will der Stiftungsbeirat im Dezember beraten. Erwartet wird eine europaweite Ausschreibung des Postens. Bis ein neuer Chef in das Direktorenbüro an der Invalidenstraße einzieht, kann allerdings noch viel Zeit vergehen. Das Ausschreibungs- und Berufungsverfahren, bei dem sich der damalige Münchener Museumschef Leinfelder vor fünf Jahren durchsetzte, hatte mehr als ein Jahr gedauert.

Viel hat der Herr der Dinos seitdem erreicht. So wurden unter Leinfelders Ägide weite Teile der Dauerausstellungen – darunter der weltweit bekannte Dinosaurier-Saal – grundlegend saniert und zeitgemäß gestaltet. Nachhaltig verdoppelten sich die Besucherzahlen auf zuletzt 500.000 pro Jahr. Leinfelder führte sein Museum als „Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung“ der Humboldt-Universität (HU) in die bund-länder-finanzierte Leibniz-Gemeinschaft und sicherte damit langfristig die Zukunft des Hauses. Zu den jüngsten Höhepunkten zählte der etwa 30 Millionen Euro teure Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Ostflügels. Eröffnung war erst im September. Selbst die Weichen für die weitere Sanierung des stellenweise maroden Hauses sind weitgehend gestellt. Insgesamt 72 Millionen Euro sind in zwei Schritten dafür zugesagt.

Verhandlungen geplatzt

Ursprünglich war geplant, dass Leinfelder selbst diesen Umbau und die weitere Entwicklung leiten sollte. Der Stiftungsbeirat unter Leitung der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung hatte ihn bereits für eine zweite Amtszeit bis 2015 bestellt, die Verhandlungen sollten bis Jahresende abgeschlossen sein.

Warum Leinfelder nun Senator Jürgen Zöllner eine Absage erteilte, darüber gibt es verschiedene Versionen. Er wolle sich künftig wieder stärker der Forschung widmen, teilte der studierte Geologe und Paläontologe per E-Mail mit. Das sei zuletzt kaum möglich gewesen. Er sehe das Museum für die Zukunft hervorragend aufgestellt und den Zeitpunkt daher als gut geeignet, die „Stafette an einen Nachfolger weiter zu geben“, hieß es weiter in einer Pressemitteilung. Persönlich war Reinhold Leinfelder nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Insider bestätigten aber, dass Leinfelders Entschluss nicht unwesentlich mit Widerständen gegen ihn aus der Berliner Politik zu tun habe. Ein Kenner der Verhältnisse sprach von teilweise „unmenschlichen Arbeitsbedingungen“ für den Direktor.

Die Darstellung der Senatsverwaltung hört sich anders an. Das Land sei in den Verhandlungen bereit gewesen, mit seinen Angeboten „bis an die oberste Grenze des in Berlin Möglichen zu gehen“, sagte Zöllners Sprecher Christian Walther. Trotzdem seien sie „bislang nicht erfolgreich abgeschlossen“. Der Senator bedauere den Entschluss Leinfelders, dessen „fachwissenschaftliche Qualifikation“ er außerordentlich schätze.

Woran die Verhandlungen scheiterten, dazu wollte sich Walther nicht äußern. Nach Informationen dieser Zeitung sollen aber auch Leinfelders Gehaltsvorstellungen eine Rolle gespielt haben. Intern ist zudem von „Konflikten auf der Managementebene“ des Museums die Rede.

Dass Leinfelder von Beginn an auch gegen Widerstände in seinem eigenen Haus ankämpfen musste, ist seit langer Zeit bekannt. Es ging unter anderem um den Führungsstil des öffentlich stets strahlend und eloquent auftretenden Chefs. Zuviel Außenpolitik und zu wenig Innenpolitik habe Leinfelder betrieben, sagen Kritiker. Zuletzt ging es aber auch um Geld. Noch immer schwelt ein Tarifstreit zwischen dem Museum und seinen Angestellten und Arbeitern. Ein Warnstreik wird derzeit vorbereitet. In seiner Pressemitteilung dankte Leinfelder den Mitarbeitern des Hauses aber ausdrücklich für ihren „enormen Einsatz: Ohne Sie wäre all dies nicht möglich gewesen – Sie sind und bleiben die tragenden Pfeiler des Museums“.

Nachfolgefrage offen

Zu seiner persönlichen Zukunft äußerte sich der scheidende Museumschef nur knapp. Zumindest in Lehre und Forschung will er der HU, der das Museum angegliedert ist, aber treu bleiben. HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz würdigte Leinfelder als „fachlich außerordentlich profiliert“. In seiner bisherigen Funktion habe er bereits viel für die Humboldt-Universität erreichen können. „Ich bedauere den Entschluss von Reinhold Leinfelder sehr“, sagte Olbertz.

Wer das Haus leiten wird, bis der Stiftungsbeirat einen endgültigen Nachfolger für den Posten des Generaldirektors findet, ist offen. Bislang vertritt der langjährige Ausstellungsleiter Ferdinand Damaschun den Generaldirektor in dessen Abwesenheit. Offizieller Stellvertreter ist Damaschun aber nicht.