Bahnstreiks

Bahn-Mitarbeiter bekommen Volkszorn zu spüren

Wenn die GDL streikt, bekommen vor allem die Servicekräfte den Zorn der Berliner Fahrgäste zu spüren. Der Bahn-Betriebsrat berichtet von zahlreichen Übergriffen. Lokführer dagegen meiden die Bahnsteige.

Foto: Juergen Joost

Der Arbeitskampf der Lokführer sorgt für Unmut bei den übrigen Beschäftigten der Deutschen Bahn (DB). In einem Brief an den Vorsitzenden der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, fordert der Betriebsrat des Regionalbereichs Ost der Bahnsparte DB Station & Service mehr Präsenz der Streikenden auf den Bahnhöfen. Bei den bisherigen Streiks seien die Mitarbeiter von Station & Service vielerorts allein dem Zorn der Fahrgäste ausgesetzt gewesen, kritisiert Betriebsrat René Thiele in dem Schreiben, das Morgenpost Online vorliegt.

Tatsächlich waren auch beim bislang längsten Streik am Donnerstag selbst am Berliner Hauptbahnhof nicht ständig Streikposten der GDL ansprechbar. An anderen Bahnhöfen ließen sie sich gar nicht sehen. „Die streikenden Lokführer schließen sich in ihren Führerständen ein oder schicken ein paar Fahnenschwinger auf die Bahnsteige, und unsere Kolleginnen und Kollegen müssen das Chaos ausbaden, das da angerichtet wird“, kritisierte bereits der Chef der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner.

Bereits mehrfach hatte Station & Service-Betriebsrat Thiele gegenüber Weselsky und dem Berliner GDL-Bezirkschef Frank Nachtigall auf die Probleme hingewiesen. In einer E-Mail an Nachtigall vom 25. Februar, die in dem Brief dokumentiert ist, heißt es: „Ich bitte Dich lediglich im Interesse meiner Kolleginnen und Kollegen, in Zukunft dafür zu sorgen, dass ihr während der Streikmaßnahmen vor Ort den Fahrgästen Rede und Antwort steht und nicht unsere in der Sache unbeteiligten Kolleginnen und Kollegen im ,Regen' stehen lasst.“ Weiter berichtet Thiele über „zahlreiche Übergriffe von Fahrgästen“ auf das Bahnhofspersonal. In dem Brief an Weselsky beklagt er, das Verhalten der GDL zeuge „nicht gerade von einer solidarischen Mentalität.“ Was den Betriebsrat besonders ärgert: Bislang gab es auf keines der Schreiben eine Antwort der GDL.

Die Lokführergewerkschaft droht – wie berichtet – nach der bis Dienstag währenden Streikpause mit einem verschärften Arbeitskampf. „Wir werden – falls nötig - im Güter- und Personenverkehr öfter hintereinander streiken. Und wir werden länger streiken als 2007. Das erhöht den Druck.“, hatte Weselsky im Interview mit Morgenpost Online angekündigt. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) appellierte am Wochenende an die GDL und die Eisenbahnunternehmen, ihren Tarifkonflikt unverzüglich zu lösen. DB-Personalvorstand Ulrich Weber forderte die GDL erneut auf, das bereits seit Wochen vorliegende Angebot zu weiteren Verhandlungen anzunehmen.