Flughafen BBI

9000 demonstrieren gegen neue Flugrouten

"Außen rum statt oben drüber". Das Motto der Demonstration gegen die geplante Flugroute des BBI ist Programm. Mehr als 9000 Menschen forderten eine Rückkehr zu den alte Routen. Die Fluglärmkommission hat noch bis Juni für ein Votum Zeit.

Es ist ein bunter und ein lauter Protest an diesem sonnigen Frühlings-Sonnabend. Mehrere Tausend Menschen sind nach Schönefeld gekommen, ausgerüstet mit Trillerpfeifen, Plakaten und Transparenten. Auf Hunderten Sonnen-Schirmmützen steht „Außen rum statt oben drüber“. Aufgerufen zu dem Protestzug unter dem Motto „Kein internationales Drehkreuz - Zurück zu den alten Routen“ hat das Bündnis „Berlin Brandenburg gegen neue Flugrouten“. Aus Rangsdorf und Stahnsdorf sind sie gekommen, aus Kleinmachnow, Teltow und Zeuthen, aus Potsdam und Berlin. Die Veranstalter sprechen von etwa 9000 Demonstranten, die Polizei zählt etwa 6000 Teilnehmer. So unterschiedlich wie die Wohnorte sind auch die Interessenlagen: Um die umstrittenen Flugrouten geht es vielen, anderen um ein Nachtflugverbot. Einige fordern sogar, den Bau des fast fertiggestellten Großflughafens BBI gänzlich zu stoppen.

Sie eint der Ärger über die Politik, die Flugsicherung, die Flughafengesellschaft: „Vertrauen in die Politik? Mit (F)Lügen bestraft!“ steht auf einem Transparent. Oder „BBI – Bürger bewusst ignoriert“. Bündnis-Sprecher Markus Peichl bringt auf den Punkt, was viele auf die Straße getrieben hat: „Der Flughafen, der genehmigt und angekündigt wurde, hat nichts mehr mit dem Flughafen zu tun, den die Verantwortlichen sich nun ausgedacht haben und umsetzen wollen.“

Peichl fordert eine „visionäre und beherzte“ Politik. „Wenn man der Meinung ist, dass die Region aus ökonomischen Gründen ein internationales Luft-Drehkreuz braucht, dann sollen die Verantwortlichen morgen damit beginnen, eines zu planen - und zwar in Sperenberg“, sagt er, begleitet von Trillerpfeifen und Samba-Trommeln. Auch zum heiklen Thema Nachtflugverbot findet er markige Worte.

Äußerungen von Wirtschaftsverbänden, wonach bei einer Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr bis zu 18.000 Arbeitsplätze bedroht seien, nennt er „zynisch und völlig haltlos“. Die Zahlen seien durch nichts belegt, außerdem rede man über Arbeitsplätze, die es noch gar nicht gebe.

Weitere Demos geplant

Im Mai soll die Deutsche Flugsicherung (DFS) ihren endgültigen Vorschlag für die künftigen BBI-Routen vorlegen. Bis dahin kündigt das Bündnis noch mindestens zwei weitere Großdemonstrationen an, jeweils im Vorfeld der Sitzungen der Fluglärmkommission.

Am kommenden Montag tagt jene erneut. Erstmalig wird die DFS auch die Anflugrouten vorstellen. Überdies will sie Lärmberechnungen sowohl für die Abflug- als auch Anflugrouten vorlegen.

Wie berichtet, gibt es bereits Favoriten bei den Routen Richtung Westen wie auch nach Osten. So gilt in Richtung Westen der Geradeausflug von der Nordbahn und ein Abknicken um 15 Grad von der Südbahn als konsensfähig. In Richtung Osten wird der Geradeausflug von der Nordbahn favorisiert. Von der Südbahn könnte sich die 90-Grad-Kurve durchsetzen. Für große Flugzeuge, die diese scharfe Kurve unmittelbar nach dem Start nicht fliegen können, ist der Geradeausflug von der Südbahn vorgesehen.

Die Vorsitzende der Fluglärmkommission, Kathrin Schneider, und Staatssekretär Rainer Bretschneider werden im Anschluss an die Sitzung um 16.30 Uhr in der Airportworld am Flughafen über die Ergebnisse informieren. Nach Angaben von Flughafenchef Rainer Schwarz muss die Fluglärmkommission bis Juni ihr Votum für Flugrouten abgeben, damit für den Genehmigungsweg ausreichend Zeit ist.

Die im vergangenen Jahr von der Deutschen Flugsicherung präsentierten Routen hatten in Berlin und Brandenburg massive Proteste hervorgerufen, da anders als im Planfeststellungsverfahren keine Geradeaus-, sondern abknickende Start- und Landerouten vorgesehen sind.