Illegale Entsorgung

Berliner Müllsünder sorgen für Millionenschäden

Zerfetzte Sofas, Elektroschrott oder ätzende Chemikalien: Viele Berliner entsorgen ihren Müll noch immer auf der Straße. Auch wenn diese illegalen Müllberge kleiner geworden, verursachen sie Kosten in Millionenhöhe.

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Zuerst liegt nur eine verschlissene Matratze oder ein kaputtes Radio herum. Aber jeder illegal entsorgte Müll zieht rasch mehr Abfall aller Art am Straßenrand an. Doch es gibt Hoffnung: Im Vorjahr räumte die Berliner Stadtreinigung (BSR) etwa 18.300 Kubikmeter von den Straßenrändern ab. 2004 waren es mit 26.000 Kubikmetern deutlich mehr. Aber die geringeren Schuttmengen kosteten den Senat nach Angaben von BSR-Sprecherin Sabine Thümler noch rund 5,4 Millionen Euro. Und viele Müllsünder weichen in die Wälder aus. Eine Million Euro kostete im Jahr 2010 laut Marc Franusch vom Landesforstamt die Müllbeseitigung aus der Natur.

Problemschwerpunkte gebe es in Berlin so nicht, betonte Thümler. Illegalen Müll finde man in der Stadt an vielen Stellen, bestätigte auch der Wirtschaftsstadtrat vom Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, Marc Schulte (SPD). Einer der Orte in seinem Zuständigkeitsbereich sei Charlottenburg-Nord. In der Nähe von Kleingartenanlagen finde man im Frühjahr und Herbst mit „hellseherischer“ Sicherheit Gartenabfälle. Recherchen des Ordnungsamts würden meist ins Leere laufen. Wenn man Hinweise auf Verursacher finde, „fällt der Nachweis sehr schwer, zumal die Kolonien alles abstreiten und sagen, dass das die anderen seien“, erklärte Schulte. „Was will man da machen?“

Kaum soziale Kontrolle

Da bleibe nur noch der Abtransport auf Bezirkskasse. „Lange liegen lassen kann man den illegalen Müll nicht, sonst gesellt sich da ganz schnell noch ein Kühlschrank oder eine ganze Wohnzimmereinrichtung dazu.“ Auf der Stelle reagieren könne man als Bezirksamt aber auch nicht, „weil sich die Verursacher dann denken: Super, das können wir immer so machen“, setzte Schulte nach. Manchmal warte man zwei, drei Wochen mit der Müllentsorgung. Die Folge hiervon seien dann Anwohnerbeschwerden, ergänzte der Wirtschaftsstadtrat.

In Großstädten wie Berlin gebe es kaum soziale Kontrolle, sagte BSR-Sprecherin Thümler weiter. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass in Kleinstädten die Nachbarschaft aufpassen würde. Doch in Berlin sei dies eher eine Ausnahme. Charlottenburg-Wilmersdorf versuche seine Grünanlagen auch mit Verbotsschildern zu schützen. „Diese scheinen aber manche zu motivieren, gerade hier ihren Müll abzulagern“, meinte Stadtrat Schulte.

Farben und Lacke in den Wald gekippt

„Wildwuchs“ gebe es auch in den Berliner Wäldern. „Die Menschen lassen bei uns nicht nur ihren Erholungsmüll. Auch Gewerbemüll wie Farben und Lacke werden einfach so verklappt“, berichtete Marc Franusch vom Landesforstamt. Da gebe es keine Scham. Der Frechheit seien keine Grenzen gesetzt. „Da geht es mit dem Auto ab in den Wald, Kofferraumklappe auf und raus mit dem Zeug“, so Franusch. Warum in den Recyclinghöfen Geld bezahlen, wenn es auch umsonst gehe.

Gesichertes Zahlenmaterial, wie viel illegaler Müll tatsächlich unter Tannen, Fichten und Birken landen, gebe es nicht. „Das gibt es nur beim Erholungsmüll.“ 2010 waren es 2200 Kubikmeter, welche die Forstmitarbeiter gesammelt haben. Etwa eine Million Euro habe dies gekostet. Einen eigenen Etat hierfür gebe es nicht. „Das Geld kommt aus unserem Haushalt und fehlt dann an anderer Stelle“, so Franusch.

Bis zu 50 000 Euro Strafe

Enorme Strafen müssen Müllsünder zudem nicht befürchten. Im Normalfall seien nicht mehr als 100 Euro an die Ordnungsämter zu zahlen. In schwereren Fällen können es bis zu 50 000 Euro sein. „Dazu müsse man erst mal jemanden auf frischer Tat ertappen“, ergänzte Marc Schulte.

Dabei macht die BSR legale Müllbeseitigung eigentlich ganz leicht: Die Berliner können kostenlos einen der 15 Recyclinghöfe aufsuchen. Hier kann man täglich bis zwei Kubikmeter Sperrmüll abgeben, so Thümler. Für fünf Kubikmeter, was ungefähr zwei Zimmern mit Möbeln entspricht, kann man den Müll für 30 Euro abholen lassen. Gut erhaltene Möbel und Hausrat holt das gemeinnützige Sozialprojekt der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Berlin kostenlos in den Wohnungen ab.