Bauvorhaben

Investoren legen Streit um Leipziger Platz bei

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Isabell Jürgens

Es gibt wieder Hoffnung auf einen baldigen Baustart auf dem Wertheim-Areal am Leipziger Platz. Die Investoren Orco und Huth wollen das 450-Millionen-Projekt gemeinsam umsetzen.

Die Mitteilung enthält lediglich acht dürre Zeilen. Doch die Tatsache, dass sowohl der Chef der Orco Property Group, Jean-Francois Ott, als auch der Berliner Bauinvestor Harald Huth die Erklärung unterschrieben haben, weckt die Hoffnung, dass es mit dem Bauvorhaben auf dem Wertheim-Areal am Leipziger Platz in Mitte endlich losgeht. „Orco und die HGHI GmbH arbeiten gemeinsam an der Entwicklung des Projektes“, heißt es darin. Und für die Berliner beinahe noch wichtiger: „Es ist weiterhin geplant, das Projekt mit einem Baustart im Dezember beginnen zu lassen.“

Noch vor zwei Tagen hatte es danach ausgesehen, als könnte ein langwieriger Rechtsstreit dazu führen, dass das Mega-Projekt auf der 22.000 Quadratmeter großen unansehnlichen Brache in bester Lage dazu führen könnte, dass das Bauvorhaben – wie schon so oft in den vergangenen Jahren – erneut verschoben wird. Beide Investoren hatten unabhängig voneinander verkündet, das Projekt jeweils allein entwickeln zu wollen. Doch inzwischen hat offenbar die Einsicht gesiegt, dass beide nicht ohne einander können. Denn die Orco-Gruppe ist zwar die Eigentümerin des Grundstücks. Huth jedoch ist im Besitz sämtlicher Baurechte und Genehmigungen sowie der bereits vorbereiteten Mietverträge.

Langfristig ist zwar geplant, dass Huth auch das Grundstück übernimmt, ein entsprechender Kaufvertrag ist abgeschlossen, aber noch nicht vollzogen. In der gemeinsamen Erklärung heißt es: „Die Parteien haben bis zum jetzigen Zeitpunkt den Vertrag nicht gekündigt und arbeiten gerade an einer Lösung der offenen Vertragspunkte.“

Hauptproblem für das Vorhaben ist bislang noch ein klagender Anlieger an der Voßstraße: Der Eigentümer der dortigen Plattenbauten verlangt zehn Millionen Euro Entschädigung für die Nachteile, die ihm während der Bauzeit und anschließend durch den Betrieb des neuen Shopping-Centers entstünden. Ein Rechtsgutachten, so der Orco-Chef Jean-Francois Ott, habe jedoch jetzt bestätigt, dass diese Ansprüche ungerechtfertigt seien. „Wir rechnen nicht damit, dass der Mann unser Projekt behindern kann“, sagte Ott am Donnerstag.

In das Bauvorhaben am Leipziger Platz sollen insgesamt rund 450 Millionen Euro fließen. Unterteilt in zwölf Gebäudeteile, sollen ober- und unterirdisch insgesamt 152.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entlang einer überdachten Passage entstehen. Wirtschaftliches Herzstück des Bauvorhabens ist eine 120 Meter lange Einkaufsmeile mit 150 Geschäften. Ergänzt wird das Projekt durch rund 200 Wohnungen, die überwiegend an der Voßstraße liegen. Zudem ist eine Tiefgarage mit 800 Plätzen geplant.

Erleichtert über den Friedensschluss der Investoren zeigte sich auch Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD). „Ein zügiger Baustart ist wichtig für den Leipziger Platz und auch für Berlin“, so Gothe, der damit auf die mehr als 20-jährige Planungsgeschichte für das Areal in bester Lage anspielt. Doch anders als in der Vergangenheit seien die Planungen diesmal schon sehr weit fortgeschritten. „Es gibt einen Gesamtbauantrag, der erfordert allerdings noch einige Befreiungen vom Bebauungsplan“, so Gothe. Dabei handele es sich lediglich um „Kleinigkeiten“, wie etwa Balkone, die 20 Zentimeter zu weit in öffentliches Straßenland ragen. Damit es zügig losgehen kann, hat das Bauamt jedoch eine Teilgenehmigung ausgestellt: Mit dem Aushub der Baugrube kann der Bauherr jederzeit beginnen.

Bereits 1991 entstand auf Grundlage des städtebaulichen Entwurfs des Büros Hilmer und Sattler der Plan, das im Krieg stark zerstörte und von der DDR-Regierung für den Mauerbau abgeräumte Oktogon am Leipziger Platz wiederzuerrichten. Ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen den Wertheim-Erben und dem Karstadt-Konzern um das Areal wurde erst Ende 2005 entscheiden. Karstadt verlor vor Gericht, die Erben verkauften 2006 an die Orco-Gruppe.

Das Oktogon am Leipziger Platz weist noch weitere Baulücken auf. Das Grundstück des Deutschen Reisebüros an der Ecke zum Potsdamer Platz sowie das Areal des Automobilclubs von Deutschland (AvD) sind bislang nur mit Gerüsten bebaut, auf denen Fassadensimulationen zeigen, welche Gebäude dort in Zukunft einmal stehen sollen.