Prozess

Deutsch-Türkin getötet - Ehemann schweigt

Gülsen M. wurde vergangenes Jahr erst vermisst, dann tot in einem Plastiksack in der Spree entdeckt. Nun ist ihr Ehemann wegen Totschlags angeklagt. Da Angehörige der Frau ihm mit Rache drohen, gab es zum Prozessauftakt erhöhte Sicherheitsmaßnahmen.

Foto: Steffen Pletl

Am 22. August vergangenen Jahres entdeckten Spaziergänger eine Leiche, die in Plastiksäcke eingehüllt in der Spree lag. Sie riefen die Polizei, wenig später wurde der Leichnam an der Schleuse Charlottenburg geborgen. Es handelte sich um die seit Ende Juni vermisste Deutsch-Türkin Gülsen M..

Getötet wurde sie den Ermittlungen zufolge von ihrem Ehemann Fahrettin M. Der 34-jährige, in Berlin geborene Türke muss sich seit Dienstag vor einem Moabiter Schwurgericht wegen Totschlags verantworten. Am ersten Prozesstag schwieg er. Seine Verteidigerin kündigte jedoch an, dass am Freitag eine Erklärung von ihrem Mandanten zu erwarten sei.

Laut Anklage hatte Fahrettin M. am 28. Juni im Kinderzimmer der gemeinsamen Wohnung im Dannenwalder Weg (Wittenau) mit Tötungsabsicht auf seine Frau eingestochen. Gerichtsmediziner fanden später 15 Stichverletzungen in Rücken, Brust, Hals und Oberarm. Ein Schnitt durchtrennte die rechte Halsvene und führte noch am Tatort zum Tod durch Verbluten.

Fahrettin M. soll seine Frau auch früher schon im Streit misshandelt haben. Gülsen M., berichten Zeugen, hätte mehrfach von einer geplanten Trennung gesprochen, weil der arbeitslose Angeklagte gewalttätig sei und sich nicht um die Familie gekümmert habe. Wegen der vier gemeinsamen Kinder sei sie dann aber doch bei ihrem Mann geblieben.

Gülsen M.s Eltern hatten am 30. Juni Vermisstenanzeige erstattet. Sie hatten vorher einen sehr intensiven Kontakt mit der Tochter. Dass sie sich zwei Tage nicht meldete, sei noch nie vorgekommen, gaben sie an. Sie verteilten zudem Suchplakate mit Fotos der Tochter und starteten Suchaufrufe, die im Juli in zwei türkischsprachigen Zeitungen verbreitet wurden.

Fahrettin M. soll die Schwiegereltern damals nur telefonisch über die Abwesenheit seiner Frau informiert haben, ohne Erklärungen abzugeben, warum sie nicht mehr da sei. Außerdem hatte er gefragt, ob sie sich um die Kinder kümmern könnten.

Eine Woche nach dem Verschwinden von Gülsen M. hatte sich die Mordkommission eingeschaltet. Nicht zuletzt, weil es ungewöhnlich erschien, dass eine sonst so sorgsame Mutter plötzlich ihre kleinen Kinder im Stich lässt – darunter eine erst acht Monate alte Tochter. Auch der Ehemann war damals befragt worden. Die Wohnung wurde durchsucht, ebenso Fahrettin M.s Ford Mondeo. Es wurden sogar Leichenhunde eingesetzt. Zu diesem Zeitpunkt jedoch ohne Ergebnis.

Der Prozess begann unter starken Sicherheitsvorkehrungen. Grund dafür waren Drohungen, die von Angehörigen der Familie Gülsen M.s kamen. Es bestehe „die Absicht, die Bestrafung selber in die Hand zu nehmen“, sagte der Vorsitzende des Schwurgerichts. Er gehe jedoch davon aus, „dass es sich nur um verbale Bekundungen“ handele.