Verkehrsinformationszentrale

Berlin setzt 4000 Taxis als Staumelder ein

Der Berliner Senat investiert bis 2020 jährlich 1,5 Millionen Euro in eine neue Verkehrsinformationszentrale. Dazu sollen überall in der Stadt Info-Monitore hängen. Und im Internet sollen die Daten ab Sommer abrufbar sein.

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Die schöne neue Welt der Verkehrsinformation gibt es bislang nur im Dienstsitz von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) am Köllnischen Park in Mitte. Neben dem Ausgang hängen zwei Flachbildschirme. Rechts färben sich die Hauptstraßen grün, gelb, rot – je nachdem, ob freie Fahrt, Staugefahr oder Stau herrschen. Standorte von Mietfahrrädern, Car-Sharing-Autos und Taxis blinken auf. Links weisen gepunktete Linien den Weg zum nächsten S-Bahnhof, zur U-Bahn und zum Bus. Darunter zeigen Abfahrtstabellen in Echtzeit, wann Züge und Busse im Umfeld der Behörde starten. Alle 15 Minuten werden die Daten aktualisiert.

Schon bald könnten solche Monitore überall in der Stadt hängen. Vorausgesetzt, es findet sich jemand, der die etwa 4000 Euro pro Anlage bezahlt. Die Daten gibt es dafür kostenlos von der neu organisierten Verkehrsinformationszentrale (VIZ), die sich das Land bis 2020 jährlich 1,5 Millionen Euro kosten lässt. Sie löst das bisherige Verkehrsmanagement ab, dessen Vertrag zum Jahreswechsel auslief.

Große Arbeitgeber, Einkaufszentren, Freizeiteinrichtungen, Behörden oder Verbände gelten als mögliche Aufstellstationen der neuen Technik. Gespräche sollen in Kürze beginnen. Im Internet sollen die gleichen Informationen vom Sommer an abrufbar sein – langfristig ist auch eine Anwendung für Handys geplant.

Mit der VIZ will Berlin nach Junge-Reyers Angaben „Vorreiter für moderne Mobilität und intelligente Verkehrslenkung“ werden. Schneller, sparsamer und umweltfreundlicher soll es für die Berliner durch die Stadt gehen. Die sogenannten Mobilitätsmonitore sind nur ein Teil des Konzepts, das die Senatorin am Montag gemeinsam mit den Verantwortlichen der Firma Siemens vorstellte. Seit Januar wird das System aufgebaut. Bis Ende 2011 soll es in weiten Teilen funktionieren.

Bessere Informationen über die aktuelle Verkehrslage sollen dann auch die 33 an Hauptverkehrsstraßen und Autobahnen platzierten Infotafeln liefern. Mit Eröffnung des Flughafens BBI in Schönefeld sollen Reisende zudem schon am Gepäckband oder in der Wartehalle erfahren, wie der Verkehr in Richtung Innenstadt rollt. Für die bessere Überwachung und Steuerung des Straßenverkehrs bauen Verkehrslenkung und VIZ derzeit das bestehende Datenerfassungsnetz aus. Zusätzlich zu den 800 Induktionsschleifen auf Autobahnen und 370 Sensoren in Hauptstraßen sollen 4000 Taxis ihre Geschwindigkeit an die Zentrale funken. Hinzu kommen Informationen von bis zu 1000 modernisierten Ampelanlagen. Rechenmodelle simulieren anhand der Daten den Verkehr auf anderen Straßen. Das Netz der Straßen, über die aktuelle Verkehrsinformationen vorliegen, soll sich auf 1200 Kilometer verdreifachen. Die Echtzeit-Daten sollen auch helfen, den Verkehr bei Baustellen, Großveranstaltungen oder Unfällen besser zu lenken. fal