Freedom’s Challenge Award

Die Berliner erhalten einen Friedenspreis

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Isabell Jürgens
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Wie hat der Mauerfall die Welt verändert?

Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall erinnern 1000 bunte Dominosteine aus Styropor an die Grenze, die einst die Stadt durchschnitt. Berlin feiert den Jahrestag mit einem "Fest der Freiheit". Doch ist die Welt in den vergangenen zwanzig Jahren automatisch besser geworden?

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Das "Atlantic Council of the United States" hat die Berliner für ihren Freiheitswillen im Kalten Krieg mit dem Freedom’s Challenge Award ausgezeichnet. Klaus Wowereit nahm den Preis bei einem festlichen Gala-Dinner im Hotel Adlon entgegen. Für die USA wurde Außenministerin Hillary Clinton ausgezeichnet. Vize-Kanzler Guido Westerwelle erhielt den Preis stellvertretend für Deutschland.

Einen Tag vor dem Jahrestag des Mauerfalls hat die Organisation „Atlantic Council of the United States“ die Berliner für ihr Streben nach Freiheit und Demokratie in den schwierigsten Zeiten des Kalten Krieges mit dem „Freedom’s Challenge Award“ ausgezeichnet. Bei einem Gala-Dinner mit 250 hochrangigen amerikanischen und europäischen Vertretern aus Politik und Wirtschaft im Hotel Adlon am Pariser Platz nahm Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) den Preis stellvertretend für alle Berliner entgegen. US-Außenministerin Hillary Clinton, die erst kurz zuvor in Tegel gelandet war, bekam den Preis stellvertretend für das amerikanische Volk.

„Es ist mir eine große Ehre, den ,Freedom’s Challenge Award’ für die Berliner entgegennehmen zu dürfen“, sagte Wowereit. Die Menschen in Berlin wüssten, dass ohne Amerikas Unterstützung die Wiedervereinigung Deutschlands und Berlins ein Traum geblieben wäre. „Das bleibt unvergessen, gerade an einem historischen Datum wie dem 9. November.“

Die Auszeichnung in Form einer gläsernen Skulptur ging auch an das deutsche Volk insgesamt: Diesen Preis nahm Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) stellvertretend für Bundeskanzlerin Angela Merkel entgegen. Westerwelle hielt einen Teil seiner Ansprache auf Englisch. „Mit 13 Jahren war ich das erste Mal in Berlin. Mein Vater hatte mich eingeladen. Er zeigte mir den Kurfürstendamm und die anderen Sehenswürdigkeiten West-Berlins, und dann brachte er mich an die Mauer. Wir bestiegen eine hölzerne Plattform, von wo aus wir die Häuser hinter der Mauer sehen konnten. Da begriff ich zum ersten Mal, was die Teilung bedeutete.“

Bei seiner Danksagung wechselte er wieder zu Deutsch: „Ich verstehe diesen Preis als ganz besondere Würdigung der Frauen und Männer, die die Berliner Mauer nur wenige Meter von hier zu Fall gebracht haben.“ Und er bedankte sich bei den USA für die Unterstützung während der deutschen Wiedervereinigung. Die Mauer sei jedoch „nicht gefallen“. „Sie wurde eingedrückt. Von Menschen, und zwar von Osten nach Westen. Sie wurde umgestürzt, abgetragen, niedergerissen, in einer friedlichen Revolution.“

Der frühere Vizepremierministerpräsident Tschechiens, Alexandr Vondra, sowie der ehemalige polnische Gewerkschaftsführer und Staatspräsident, Lech Walesa, wurden ebenfalls ausgezeichnet. Walesa konnte jedoch nicht persönlich an der Preisverleihung teilnehmen, es hieß, er sei erkrankt.

Stellvertretend für die Nato-Truppen erhielt der Oberbefehlshaber für die US-Streitkräfte in Europa, Admiral James Stavridis, den Preis.

Der Präsident des „Atlantic Council“, Fred Kempe, betonte in seiner Eröffnungsrede die hohe Bedeutung der transatlantischen Zusammenarbeit. „Wir glauben, dass diese Beziehung eine Erneuerung braucht“, sagte er. Der Blick auf die Vergangenheit könne dabei helfen, die Zukunft des Bündnisses zu gestalten. „Wir wollen dabei niemanden ausschließen“, fügte Kempe hinzu. Viel mehr gelte es, die transatlantische Gemeinschaft für die Herausforderung des 21. Jahrhunderts fit zu machen. „Die Themen der Zukunft sind global, vom Klima über die Energie bis zum Iran.“

Der „Atlantic Council of the United States“ ist eine 1961 gegründete unabhängige Organisation, die eine Intensivierung des transatlantischen Dialogs fördert und zu den führenden Denkfabriken in Washington gehört. Der Freedom Award wurde in diesem Jahr erstmals vergeben.

Hillary Clinton sagte: „Es gibt keinen besseren Ort für diese Auszeichnung als Berlin – eine Stadt, die im Kalten Krieg einen so hohen Preis gezahlt hat.“ Sie würdigte den Fall der Mauer als eines der wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Die Ereignisse vom 9. November 1989 hätten „die Landschaft eines Kontinents verändert“, so Clinton bei ihrem ersten Deutschland-Besuch als Ministerin. Die deutsche Hauptstadt sei heute die Verkörperung dessen, „was wir gemeinsam erreicht haben“. Ausdrücklich betonte sie auch die Freiheitsbewegungen in anderen osteuropäischen Ländern. Zugleich rief sie dazu auf, auch die „Mauern des 21. Jahrhunderts“ zu Fall zu bringen.

Mit 31 aktiven und ehemaligen Staats- und Regierungschefs kommen anlässlich der Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls mehr Staatsmänner und -frauen als jemals zuvor nach der Wiedervereinigung in Berlin zusammen. Die EU-Regierungschefs beraten sich zugleich beim Abendessen bei Angela Merkel über die Neubesetzung der Posten des EU-Ratspräsidenten und des EU-Außenministers.

Von den Regierungschefs der früheren alliierten Schutzmächte Berlins fehlt nur US-Präsident Barack Obama, der sich von seiner Außenministerin Hillary Clinton vertreten lässt. Und auch Altkanzler Helmut Kohl wird nicht in Berlin sein.

Zu den Gästen zählt auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy, der sich im November 1989 selbst als „Mauerspecht“ betätigte. In einem Beitrag auf seinem Facebook-Profil beschreibt Sarkozy, wie er als 34 Jahre alter Abgeordneter mit anderen Politikern von Paris nach Berlin fuhr. Ein dazugestelltes Foto zeigt den jungen Sarkozy mit einer Spitzhacke in der Hand, wie er kleine Steinbrocken aus der Mauer schlägt.

Die Betreuung und Bewachung der prominenten Gäste stelle alles bisher Dagewesene in den Schatten, heißt es aus der Berliner Senatskanzlei, die gemeinsam mit der Bundesregierung die Feierlichkeiten ausrichtet und dafür allein fünf Millionen Euro aus Lotto-Mitteln ausgibt.

( mit AP, dpa )