Bildung

Schulen ignorieren Vergleichstest weitgehend

Die Ergebnisse der Vergleichstests sollen den Schulen ihre Defizite aufzeigen. Doch die Testergebnisse finden nur wenig Beachtung. Dabei zeichnen sich gerade im Fach Deutsch alarmierende Mängel ab.

Die Ergebnisse der Vergleichsarbeit der Achtklässler (Vera 8) im Fach Deutsch fallen alarmierend aus. In diesem Jahr war die Teilnahme freiwillig, etwa 3000 Schüler haben den Test im Lesen und Hören mitgeschrieben. Repräsentativ wie die Werte in Mathematik sind die Ergebnisse deshalb nicht, und auch Vergleichsdaten zum Vorjahr gibt es nicht. Dennoch zeichnet sich ein dramatisches Manko ab: Insgesamt erreichen 35 Prozent der getesteten Schüler nicht einmal den Mindeststandard, der von der Kultusministerkonferenz als absolutes Muss für Schüler aller Bildungsgänge in der Sekundarschule I festgelegt wurde. Selbst an den Gymnasien scheiterten im Lesen noch 15 Prozent an den Mindestanforderungen. An den Hauptschulen bleiben sogar 66 Prozent unter dem Mindeststandard im Lesen.

Der Teilbereich Zuhören fiel zwar etwas besser aus, doch auch hier verstehen insgesamt 15 Prozent der Jugendlichen nicht genügend, um die Sekundarstufe I bestehen zu können.

Die Defizite in der Sprachförderung, die bereits in den Vergleichsarbeiten der dritten Klassen deutlich wurden, werden im Laufe der Schulzeit offensichtlich nicht geringer. Dass die Mathe-Ergebnisse besser ausfielen, könnte auch daran liegen, dass die Aufgabentexte sehr alltagsnah und in einfacher Sprache gestaltet waren.

„Die positive Entwicklung in Mathematik ist erfreulich“, sagt Paul Schuknecht, Vorsitzender der Berliner Schulleitervereinigung. Die Aufgabentypen seien gut zu bewältigen gewesen. Bei den letzten Vergleichstests der Drittklässler hatte es massive Proteste von Lehrern gegen die gestellten Aufgaben gegeben, deren Texte vor allem von Kindern nicht deutscher Herkunftssprache kaum zu verstehen waren.

Die ablehnende Haltung der Lehrer gegenüber den Vergleichsarbeiten bleibt allerdings auch an den Oberschulen oft erhalten. Viele Schulen schreiben die Tests nur widerwillig mit. Als Instrument für eine interne Qualitätsentwicklung werden die Ergebnisse offenbar nur selten genutzt. Viele Schulleiter, die von Morgenpost Online zu ihren Ergebnissen befragt wurden, hatten diese noch gar nicht zur Kenntnis genommen. Dabei kann die schulbezogene Auswertung vom Institut für Schulqualität im Internet über einen geschützten Bereich von den Schulen bereits seit den Sommerferien eingesehen werden.

„Wichtig wäre, dass Schulen, die schlecht abschneiden, Hilfe von der Senatsverwaltung erhalten“, sagt Rose-Marie Seggelke, Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW. Dann wäre die Bereitschaft zur Teilnahme an den Vergleichstests auch größer. Doch das sei nicht vorgesehen. Schlechte Ergebnisse wiesen nicht automatisch auf eine schlechte Arbeit der Lehrer hin, sondern seien vielmehr Ausdruck einer schwierigen Schülerzusammensetzung. Schulen in Brennpunkten brauchten mehr Unterstützung, sagte Seggelke weiter.

Insgesamt seien die achten Klassen der schwierigste Jahrgang, da die Schüler hier voll in der Pubertät steckten. In den neunten Klassen holten die Jugendlichen meist wieder auf. Nach den Tests in den achten Klassen bleiben den Schulen zwei Jahre, um die Defizite bis zum Ende der Sekundarschulzeit auszugleichen.

Die Senatsverwaltung prüft derzeit, ob die Vergleichsarbeiten der Schulen im Rahmen der Qualitätsoffensive im Internet öffentlich gemacht werden. Bezogen auf ihre Schule können die Eltern Einsicht in die Ergebnisse der Vergleichstests verlangen. Rückmeldung über das Abschneiden ihres Kindes erhalten sie von der entsprechenden Lehrkraft. Die Auswertung auf Klassen- und Schulebene erfolgt anonym.