Bauvorhaben

Investoren streiten sich um den Leipziger Platz

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Isabell Jürgens

Das Wertheim-Areal am Leipziger Platz soll neu bebaut werden - mit Büros, Luxuswohnungen und Shoppingcenter. Doch das 450-Millionen-Projekt drohte zu scheitern. Investor Harald Huth trat als Retter auf, nun soll er nicht mehr dabei sein.

Auf dem Wertheim-Areal heißt es, alles zurück auf Anfang: Der Berliner Immobilienentwickler Harald Huth, der Anfang dieses Jahres als Retter des Großprojektes am Leipziger Platz auftrat, soll nun nicht an dem Millionenvorhaben beteiligt sein. „Herr Huth hat das Grundstück nicht erworben. Wir sind weiter die Eigentümer des Areals“, sagte am Dienstag Jean-Francois Ott, Geschäftsführer der Orco Property Group, zu der auch Orco Germany gehört. Huth hatte noch vor wenigen Monaten angekündigt, dass er das auf ein Gesamtinvestitionsvolumen von 450 Millionen Euro geschätzte Projekt von der in finanzielle Schieflage geratenen Orco-Gruppe übernehmen wolle. Die Orco-Gruppe habe die Finanzkrise mittlerweile überwunden, sagte Ott weiter. „Wir sind deshalb in der Lage, das Vorhaben nun in eigener Regie im Dezember zu starten“, so der Orco-Chef.

Warum das Geschäft mit Huth, der bereits andere Shopping-Center wie „Das Schloss“ in Steglitz oder die „Gropiuspassagen“ in Neukölln erfolgreich umgesetzt hat, scheiterte, dazu wollte sich Ott nicht näher äußern. „Wir hatten einen Kaufvertrag mit Huth ausgehandelt, in dem sehr viele Vorbedingungen vereinbart waren“, so der Orco-Chef. Diese hätten sich jedoch nicht einlösen lassen. „Wir wollen aber weiter mit Huth zusammenarbeiten“, sagte Ott lediglich.

Orco hat Pleite abgewendet

Erst vor einem Jahr war es gelungen, die drohende Insolvenz von Orco Germany abzuwenden; die Hälfte des Gesellschaftskapitals war jedoch verloren. 2010 ging es wieder aufwärts: In den ersten sechs Monaten verkaufte das Unternehmen Immobilien im Wert von 110 Millionen Euro. Dadurch sanken die Gesamtschulden auf 869 Millionen Euro. Steigende Mieteinnahmen insbesondere in den Berliner Gewerbehöfen GSG sorgten zudem dafür, dass der Gewinn bei 8,3 Millionen Euro lag – nach einem Verlust von 104,5 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2009. Prominente Projekte wie das Haus Cumberland am Kurfürstendamm, das H2O-Office in Duisburg und Pflegeeinrichtungen in Brandenburg wurden mittlerweile veräußert. Und der Verkauf soll weitergehen. „Ich werde Orco Germany übernehmen und in Orco Berlin umbenennen“, kündigte der 45-jährige Ott am Dienstag an. Wie berichtet, hatte der bisherige Geschäftsführer der deutschen Tochtergesellschaft, Rainer Bormann, in der vergangenen Woche erklärt, seinen 2011 auslaufenden Vertrag fristgerecht gekündigt zu haben. „Der neue Name soll auch dafür stehen, dass wir uns nun voll auf Berlin konzentrieren werden“, sagte Ott, der das Unternehmen 1991 gründete. „Für den Leipziger Platz mussten wir viele Opfer bringen. Wir haben mitten in der Krise viele Gebäude mit Verlust verkauft“, sagte der Unternehmer. Doch er sei fest überzeugt, dass diese Entscheidung richtig ist. „Gemeinsam mit unseren Partnern, den finanzierenden Banken, wollen wir dort etwas ganz Besonderes schaffen“, sagte der Chef der Unternehmensgruppe mit Sitz in Luxemburg.

Ein Kläger fordert noch Millionen

Vor knapp vier Jahren hatte Orco das 22.000 Quadratmeter große Grundstück für 75 Millionen Euro von den Wertheim-Erben gekauft. Weitere Ausgaben in Höhe von 25 Millionen Euro sind seitdem in die Projektentwicklung und die bauvorbereitenden Maßnahmen geflossen, sagte Ott. Nach Auskunft des Orco-Chefs sind noch weitere 300 Millionen Euro nötig, um das Vorhaben umzusetzen: „Im Dezember, spätestens im Januar werden wir mit den Bauarbeiten beginnen."

Der Vorvermietungsstand sei gut, rund 80 Prozent der Ladenfläche in der künftigen Shopping-Meile seien bereits reserviert. Um welche Filialisten es sich dabei handelt, wollte Ott nicht sagen. „Sie können aber sicher sein, dass die Vermietung von Ladenfläche in dieser Lage kein Problem ist“, sagte er. Eine Einschätzung, die Einzelhandelsexperten uneingeschränkt bestätigen.

Insgesamt sind auf drei Etagen des insgesamt 120.000 Quadratmeter großen Komplexes 150 Läden geplant – und damit mehr als in den in ummittelbarer Nachbarschaft liegenden Potsdamer Platz Arkaden. Die bringen es, inklusive der Restaurants, Cafés und Bars, auf 133 Geschäfte. Zusätzlich sind auf 30.000 Quadratmetern Luxuswohnungen geplant, auf 12.000 Quadratmetern hochwertige Büros sowie 800 Parkplätze im Untergeschoss.

Einer der Gründe, warum der Vertrag mit Huth scheiterte, lag in der Verzögerung des Bauvorhabens, das eigentlich bereits im Frühsommer starten sollte. Drei Anwohner hatten Widerspruch gegen den Bauvorbescheid eingelegt. „Mit zweien haben wir uns mittlerweile geeinigt“, sagte der Orco-Chef. Der verbliebene Kläger jedoch erweise sich als hartnäckig. „Der Mann will zehn Millionen Euro von uns. Es ist mir schleierhaft, wofür eigentlich“, sagte Ott. Er habe schon mehr als 200 Projekte in 20 Ländern realisiert, „aber so etwas habe ich noch nie erlebt – das ist schiere Erpressung“. Ein eigens erstelltes Rechtsgutachten habe jedoch ergeben, dass die Einwendungen ungerechtfertigt seien, zumal das Grundstück des klagenden Anliegers noch nicht einmal an das Bauareal grenze. „Wir fangen an zu bauen und gehen davon aus, dass es zu keinem Baustopp kommen wird“, betonte Ott. Die Wiederbelebung des Leipziger Platzes durch den Lückenschluss in der Nordostecke, wo 1897 das Großkaufhaus Wertheim errichtet wurde, sei schließlich im Interesse „nicht nur unseres Unternehmens, sondern auch der Stadt Berlin“.