Event in Mitte

Berliner Apple-Fans feiern iPad2-Präsentation

In der Rosenthaler Straße verfolgten rund 50 Apple-Fans die iPad2-Präsentation live auf einem Großbildschirm. Morgenpost Online war dabei.

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Das neue iPad 2 und der Auftritt von Apple-Chef Steve Jobs sind beim Fachpublikum gut angekommen.

Video: Reuters
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Als jemand ruft „Hey, da ist Steve!“, heben alle ihre Blicke auf den Fernsehbildschirm am Kopf des langen Tisches. Es sieht es so aus, als wäre der Apple-Chef jetzt zu Gast im obersten Stockwerk dieses Büros in der Rosenthaler Straße in Berlin Mitte. Dabei ist es eigentlich Jacqui Cheng, die hier per Bildschirm zugeschaltet ist. Die Online-Expertin sitzt bei der Apple-Pressekonferenz in San Francisco und tippt Twittermeldungen. In Berlin lesen diese Meldungen rund 50 Entwickler bei Pizza, Bier und Mate-Brause. Als Steve Jobs gerade das iPad2 vorstellen wird, rufen sie ein „Ooooooh“, das immer lauter wird, wie bei einer „Ecke“ im Fußballstadion. Von dem parallel stattfindenden Champions-League-Halbfinale spricht hier niemand.

Organisiert hat dieses Treffen das dreiköpfige Team des Start-ups „nxtbgthng“, eine Abkürzung für „next big thing“, auf deutsch: „das nächste große Ding“. Einer der Gründer, Gernot Poetsch, wollte die Pressekonferenz im Kreis von Freunden und Kollegen schauen. „Außerdem suchen wir gerade einen vierten Mitarbeiter in unserem Start-up und wollen, dass noch mehr andere Entwickler davon erfahren.“ Nxtbgthng entwickelt Programme für iPhone, iPad und iPod, sogenannte Apps, bisher für Firmen wie die Musik-Plattform „Soundcloud“, den LKW-Hersteller MAN und das Modelabel Carhartt. Als Firma gibt es sie erst seit Juli 2010, aber Sorgen müssen sich die drei Jungunternehmer nicht machen. „Wie bekommen so viele Anfragen derzeit, dass wir schon jetzt nicht mehr jeden Auftrag annehmen können“, sagt Poetsch.

Das Büro teilen sie sich mit anderen Start-ups und die Stimmung in den luftigen Büros ist locker. Irgendwo spielt jemand Gitarre, alle tragen lässige Pullover, manchmal mit buntem Super-Mario-Aufdruck. Auf ihren Knien liegen entweder iPad, Macbook oder das neue, dünne Macbook Air. In der Ecke steht ein Skateboard und eine Plastikgitarre für die Computerkonsole „Xbox“. Die Küchenzeile ist aus Betonplatten zusammengesetzt, darauf zwei Espressomaschinen. Die Salz- und Pfefferstreuer auf dem Tisch ähneln Computertasten („S“ und „P“).

Die Gäste schauen gebannt auf den großen Bildschirm, auf dem die Neuigkeiten vom iPad2 übertragen werden und diskutieren auf Deutsch, Niederländisch, Französisch, Schwedisch, Italienisch – und Englisch. Sonst würden sie die Twittermeldungen von Jacqui Cheng auch nicht verstehen. Immer wieder kommentiert sie flapsig Steve Jobs: „Jetzt drischt er auf die Konkurrenz von Google ein.“ Den Gästen gefällt dieser fast euphorische Ton, schließlich sind die meisten hier Nutzer von Apple-Geräten, oder sogar Fans, wie der 29 Jahre alte Gerry Weißbach. Der Neuköllner arbeitet als Programmierer bei der Berliner Firma „iNet“. „Angefangen habe ich wie die meisten mit einem iPod“, sagt er, „aber dann habe ich gesehen, dass ich auf einem Applegerät viel leichter programmieren kann.“ Er habe Microsoft-Anhänger im Freundeskreis, aber das akzeptiere er – und lacht, weil „akzeptieren“ nach „Religion“ klingt.

Rund eineinhalb Stunden dauert das Treffen in der Rosenthaler Straße. Die meisten sind nach der Vorstellung begeistert vom iPad2. Kein Wunder, sie verdienen schließlich auch ihr Geld über genau diese Programme, die auf dem iPad laufen. Wird ihr Programm von einem Nutzer im „App-Store“ gekauft, dann behält Apple 30 Prozent des Kaufpreises. Der Rest geht an die Entwickler – und das sei genug, um davon gut leben zu können. Egal ist dabei, ob sie in den USA, Japan oder Europa sitzen. „Berlin ist für solche Firmen ein idealer Standort“, sagt Gernot Poetsch. So viele internationale Programmiere seien hier in der Stadt anzutreffen. „Das hat auch etwas mit der der kreativen Grundstimmung der Stadt zu tun.“

Nelli Hergenröther ist erst vor wenigen Tagen nach Berlin gezogen und zudem eine von nur drei Frauen in der Zuschauer-Runde. Sie arbeitet beim Internet-Start-up „Ecogood“, das es seit Juni 2010 gibt. Mit einem inzwischen elfköpfigen Team versucht die Firma von der Torstraße in Mitte aus, für große Unternehmen einen CO2-Ausgleich auszurechnen. Bisher haben sie unter anderem mit dem Deutschen Filmpreis und dem Kosmetikunternehmen Estée Lauder zusammengearbeitet – und mit deren Geld Umweltprojekte unterstützt. „Ich bin nicht wegen der iPad2-Präsentation hier“, sagt die 25-Jährige. „Ich wollte einfach andere Berliner Start-ups treffen und schauen, wie die so arbeiten.“ Die Räume jedenfalls gefallen ihr. „Bei uns sieht es ganz ähnlich aus, aber wir können im Büro Minigolf spielen.“

Nachdem die „Apple-Show“ abgelaufen ist, bietet Gernot Poetsch noch eine Führung an: Dachterrasse, Freitreppe – und dann ein „Boardfax“. „Wir haben das erst gestern bei Ebay ersteigert“, sagt er. Nur 20 Euro habe sie gekostet, die rund 30 Jahre alte Erfindung. Es ist eine Tafel, auf der man mit Filzstift etwas aufmalen kann, das anschließend direkt ausgedruckt wird. Einer der Mitarbeiter hat das Wort „iPad3“ an die Tafel gemalt mit vielen Pfeilen, die von diesem Wort ausgehen. Sie könnten bedeuten, dass die Funktion „Ausdrucken“ beim iPad 3 dabei sein sollte. Während er auf dem Boardfax den Aus-Knopf drückt, sagt er „Mit der Kraft meines Fingers“ – und alle im Raum wissen: Das ist ein iPad-Zitat von Steve Jobs.