Exzellenzwettbewerb

Berliner Humboldt-Uni kann neue Elite werden

Die Humboldt-Universität ist mit Abstand die erfolgreichste Berliner Hochschule im Rennen um die insgesamt 2,72 Milliarden Euro, mit den Bund und Länder Forschungs- und Bildungseinrichtungen fördern wollen. Sie kann Elite-Uni werden.

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So angespannt wie am Mittwoch war die Stimmung an den Berliner Universitäten selten. Alle warteten auf die ersten Ergebnisse der Vorauswahl der Exzellenzinitiative in Bonn. Was im Wettbewerb der Spitzenforschung von Bund und Ländern herauskommt, entscheidet über den Ruf der Universität und über Förderung mit Millionenbeträgen. Wer im Wettbewerb in die nächste Runde kommt, kann auf den Titel „Elite-Uni“ hoffen. 65 Hochschulen hatten sich mit 227 Anträgen beteiligt. Darunter sind 98 Skizzen für Graduiertenschulen, 107 für Exzellenzcluster, die in gesonderten Förderlinien von der Kommission aus Experten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Wissenschaftsrat bewertet wurden.

Am späten Nachmittag war es endlich soweit. An der Humboldt-Universität brach Jubel aus. Sie ist mit Abstand die erfolgreichste Berliner Universität im Rennen um die insgesamt 2,72 Milliarden Euro, die es bei der Exzellenzinitiative zu gewinnen gibt. Nicht nur, dass alle der von ihr vorgeschlagenen Graduiertenschulen für Doktoranden am weiteren Wettbewerb beteiligt sind. Nicht nur, dass die Exzellenzinitiative eines der zwei vorgeschlagenen Exzellenzcluster, wie die Forschungsverbünde der Hochschulen genannt werden, angenommen hat. Die Humboldt-Uni hat nun endlich die Chance zur Elite-Universität zu werden. Eine Möglichkeit, die ihr in den bisherigen Runden verwehrt blieb. In dieser Phase musste sie sich gegen 22 Mitbewerber behaupten, von denen es nur sieben in die Endauswahl geschafft haben. In diesem Teil der Exzellenzinitiative war bisher in Berlin nur die Freie Universität in Dahlem erfolgreich. Sie wird ihren Titel nun unter anderem gegen die HU verteidigen müssen.

Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Humboldt-Universität, bleibt bescheiden. Für ihn bedeutet der vorläufige Sieg neben der Erleichterung auch eine Menge Arbeit. „Natürlich bin ich stolz. In erster Linie auf die Mitarbeiter, die mit mir im vergangenen Jahr das Zukunftskonzept entwickelt haben“, sagte Olbertz. Alle Beteiligten seien nun extrem motiviert. Bis September muss die HU jedoch die vollständigen Anträge bei der Exzellenzinitiative abgegeben haben. Und bis dahin gebe es noch viel zu tun. Bei der jetzigen Runde hatte die Wissenschaftskommission lediglich Konzepte bewertet. Erst im Juni 2012 fallen die endgültigen Entscheidungen, wer mit seiner Forschung tatsächlich zu den Elite-Universitäten gehört.

„Bildung und Wissenschaft“ lautet der etwas trockene Titel des Konzepts, mit dem die Humboldt-Universität ihre Zukunft gestalten will. Demnach sollen unter anderem Studierende künftig noch mehr von der Spitzenforschung an der HU profitieren. Schneller als bisher sollen die Studenten der Hochschule Forschungsprojekte starten können.

Die Technische Universität in Charlottenburg ist allerdings seit Mittwoch in Trauer. „Ihr seid raus“ lautete das Signal der Exzellenzinitiativen-Kommission. In keiner der drei Förderlinien kam die TU weiter. Dabei war sich TU-Chef Jörg Steinbach so siegessicher, dass er bereits einen Sektempfang plante. Nun der Schock. Dass die Hochschule in keiner der drei Förderlinien – Graduiertenschulen, Exzellenzcluster und Zukunftskonzept – weitergekommen ist, stößt in der Hochschule auf Unverständnis. Schließlich wurden TU-Wissenschaftler im vergangenen Jahr mehrmals von europäischen Wissenschaftskommissionen ausgezeichnet. „Die Wissenschaftler reagieren fast schon trotzig“, berichtete TU-Sprecherin Stefanie Terp. Man überlege bereits, wie man die geplanten Cluster und Schulen auch ohne die für die Exzellenzinitiative vorgesehenen Mittel fortsetzen könne.

Mittel, die nun Humboldt-Universität und Freier Universität vorbehalten bleiben. Denn auch die Elite-Universität in Dahlem bereitet sich wieder auf die Exzellenzinitiative vor. Bei der jetzigen Runde erreichten immerhin ein Exzellenzcluster-Antrag und zwei Projekte für Graduiertenschulen die entscheidende Runde. Mit ihrem Zukunftskonzept musste sich die Freie Universität vorerst nicht bewerben, denn den Status der Exzellenzuniversität, den die Humboldt-Universität auch gern für sich beanspruchen würde, trägt sie bereits.

„Es ist außerordentlich erfreulich, dass nun auch die Humboldt-Universität die Chance erhält, in den Kreis der deutschen Exzellenz-Universitäten aufgenommen zu werden“, sagte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). Das Land werde die FU und die HU bei der weiteren Ausarbeitung ihrer Bewerbung mit einem „relevanten Betrag“ unterstützen, versicherte Zöllner. Für die Vorbereitung der ersten Antragsrunde sind bereits 10,8 Millionen Euro an die Unis und die Charité geflossen. Das Geld sei gut angelegt, sagte Senator Zöllner, denn es werde bei erfolgreichem Abschneiden erheblich mehr Geld nach Berlin zurückfließen. Würden alle eingereichten Konzepte auch die nächste Runde bestehen, bekäme Berlin vom Bund jährlich etwa 30 Millionen Euro. Das Land müsste dann 25 Prozent der Fördersumme kofinanzieren.

Und das sind die exzellenten Projekte der Unis:

Tradition: Die Humboldtschen Ideale von sich gegenseitig beflügelnder Forschung und Lehre hat die HU in das Jetzt übersetzt und ein Zukunftskonzept erstellt. Außerdem bringt sie die Graduiertenschule „FutureLand Graduate School“, die Robert Koch-Graduiertenschule für Infektion und die Schule für analytische Wissenschaften in den Wettbewerb ein. Ein Exzellenzcluster beschäftigt sich mit Bildgebung.

Zusammenarbeit: Gemeinsam mit der FU stellt die HU außerdem die Berliner Graduiertenschule für integrative Onkologie als Krebsforschung dem Wettbewerb. Die Schule ist an der Charité. Auch das Exzellenzcluster „Medizinische Genomik seltener Erkrankungen“ ist eine Gemeinschaftsaktion von HU und FU an der Charité. Die FU war zudem mit der Graduiertenschule über Ostasienstudien erfolgreich.

Zukunft: Auch die FU führt bewährte Konzepte fort. Der Schwerpunkt wird auf der Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, etwa dem Max-Planck-Institut liegen. Damit baut die FU die bereits erfolgreiche Idee der „internationalen Netzwerkuniversität“ auf lokaler Ebene aus. Zudem will sie die Situation für junge Forscher verbessern um Abwanderung ins Ausland zu vermeiden.