Immobilienmarkt Berlin

Mieten steigen - Luxuswohnungen stark gefragt

Miet- und Eigentumswohnungen sind 2010 in Berlin erneut teurer geworden. Die Mieten stiegen im Schnitt um 4,5 Prozent - im oberen Marktsegment aber um fast 14 Prozent. Vor allem Charolttenburg-Wilmersdorf ist teuer.

Die Mieten und Kaufpreise für Immobilien in Berlin steigen einem neuen Bericht zufolge weiter. Trotz steigender Nachfrage und stagnierender Neubauaktivitäten sieht die GSW Immobilien AG in dem gemeinsam mit CB Richard Ellis erstellten Wohnmarktreport für Berlin aber keine Wohnungsnot.

Die Mittelwerte von Mieten und von Preisen für Eigentumswohnungen in Berlin seien im Jahr 2010 um vier bis acht Prozent gestiegen, sagte der Chef der GSW Immobilien AG, Thomas Zinnöcker. Damit setze sich die Entwicklung des Vorjahres fort, teilweise verstärke sie sich sogar noch. Allerdings entwickle sich der Preisanstieg nicht einheitlich, sondern im besseren Wohnungssegment deutlich stärker als im unteren.

Der Mittelwert der Mieten in Berlin ist der Untersuchung zufolge vergangenes Jahr gegenüber 2009 um 4,5 Prozent von 5,85 auf 6,11 Euro pro Quadratmeter angestiegen. Die Mietpreise für das Zehntel der am günstigsten angebotenen Wohnungen haben im Durchschnitt nur um 2,9 Prozent auf 4,30 Euro pro Quadratmeter zugelegt.

Drastisch gestiegen dagegen seien Mieten und Kaufpreise für hochwertig ausgestattete Wohnungen in guten Lagen, sagte Zinnöcker. So sei der Mittelwert für das Zehntel der am teuersten angebotenen Wohnungen 2010 um fast 14 Prozent auf 10,96 Euro Miete pro Quadratmeter gestiegen. Die Preise für Eigentumswohnungen haben sich im Mittel um 7,9 Prozent auf 1739 Euro pro Quadratmeter verteuert. „Luxus ist besonders gefragt“, unterstrich der GSW-Chef.

Am teuersten ist es in Charlottenburg-Wilmersdorf

Die Mieten stiegen dem GSW-Report zufolge nicht nur in den verschiedenen Marktsegmenten in sehr unterschiedlichem Umfang, sondern auch im Vergleich der zwölf Stadtbezirke. So lag Charlottenburg-Wilmersdorf mit einem durchschnittlichen Quadratmeter-Mietpreis von 7,52 Euro über alle Segmente an der Spitze. Die Mietsteigerung in diesem Bezirk betrug vergangenes Jahr 10,2 Prozent. Im unteren Marktsegment kostet der Quadratmeter in Charlottenburg-Wilmersdorf immerhin im Schnitt 5,50 Euro - auch das ist Berliner Spitzenwert und ein Plus von 16,7 Prozent. Im oberen Marktsegment wird der Bezirk nur noch Mitte übertroffen (13,78 Euro im Schnitt/+14,7 Prozent), wo es Unter den Linden, am Hackeschen Markt, am Rosenthaler Platz und an der Chausseestraße die höchsten Quadratmetermieten gibt. Charlottenburg-Wilmersdorf folgt dann aber mit 13,18 Euro (+13,1 Prozent).

INTERAKTIVE KARTE: WOHNMARKTREPORT BERLIN

An zweiter Stelle der teuersten Mietwohnungsbezirke folgt Friedrichshain-Kreuzberg mit 7,22 Euro pro Quadratmeter im Schnitt. In Pankow werden die dritthöchsten Mieten von durchschnittlich 6,90 Euro gezahlt. Das niedrigste Mietniveau weisen Reinickendorf (5,56 Euro), Spandau (5,26 Euro) sowie Marzahn-Hellersdorf mit 4,69 Euro auf. Die größten Steigerungen sowohl bei den Mieten (+13,7 Prozent), als auch bei den Kaufpreisen für Eigentumswohnungen (+21 Prozent) gab es in Mitte. Gesunken sind die Mieten einzig in Marzahn-Hellersdorf, die Wohnungskaufpreise ebenfalls in Marzahn-Hellersdorf (-11,4 Prozent), in Neukölln (-1,8 Prozent) und in Reinickendorf (-11,3 Prozent). Charlottenburg-Wilmersdorf ist im Ranking der Eigentumswohnung-Bezirke aber nur auf Platz 4 (1,951 Euro im Schnitt), in Mitte ist der Eigentumserwerb am teuersten (2,599 Euro), gefolgt von Friedrichshain-Kreuzberg 2,194 Euro) und Pankow (2,119 Euro).

Als Ursache für den Preisauftrieb nannte Zinnöcker die wachsende Zahl der Einwohner, Haushalte und Arbeitsplätze in Berlin. Eine weitere Ursache sei die Stagnation beim Wohnungsneubau. Der seit rund zehn Jahren sehr schwache Neubau habe sich auch 2010 kaum verändert. Wenn die Nachfrage steige und das Angebot über lange Zeit gleich bleibe, könne sich dies nur in steigenden Mieten und Preisen auswirken, sagte der GSW-Chef.

Trotz der schwachen Neubauaktivität und wachsender Nachfrage nach Wohnungen würden alle Bevölkerungsgruppen in Berlin mit adäquatem Wohnraum versorgt. „Wir haben keine Wohnungsnot“, betonte Zinnöcker. Für die Empfänger von Hartz-IV-Leistungen oder niedrigen Renten, für Studenten oder niedrig bezahlte Berufstätige gebe es nach wie vor ein breitgefächertes Angebot.

Der bau- und wohnungspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Andreas Otto, sagte, die Mietentwicklung in Berlin sei bedenklich. Die von der SPD geführte Diskussion über ein Neubauprogramm sei eine Scheindebatte, da dieses die Mietentwicklung nicht nachhaltig beeinflussen könne.

Der Marktmonitor 2010 vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmer (BBU) hatte im November in der Tendenz für die Mietsteigerungen in Berlin Ähnliches ergeben wie der GSW-Wohnmartkreport (siehe auch Grafiken ganz oben). Allerdings waren die günstigsten ausgewiesesen Wohnugen der BBU-Mitgliedsunternehmen günstiger als die von der GSW und CB Richard Ellies ermittelten.

Von der BBU hatte es jedoch geheißen, Berlin steuere auf ein „Angebotsproblem“ zu. Wachsende Haushaltszahlen und der seit Jahren stagnierende Neubau würden dazu führen, so die Prognose des Gewos Instituts für Stadt-, Regional- und Wohnforschung, dass die Leerstandsquote bis 2015 auf nur noch ein Prozent (3000 Wohnungen) sinkt. Der Mieterverein hält eine sogenannte Fluktuationsreserve von mindestens drei Prozent für notwendig, nach Auffassung des BBU solle sie bei zwei Prozent liegen. Die Drei-Prozent-Marke wird in jedem zweiten Bezirk unterschritten.

Den gesamten Report mit den Ergebnissen auch für alle Postleitzahlenbezirke finden Sie hier als PDF.