Wohnen

Mieten steigen in Berlin um 4,5 Prozent

Am stärksten zogen im Jahr 2009 die Mieten für Wohnungen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg an. Allerdings betrifft die Preisentwicklung nach oben fast die ganze Stadt. Nur in einem Bezirk blieben die Kosten stabil. Mit Abstand am teuersten ist das Wohnen in der City Ost.

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Fr, 12.03.2010, 18.16 Uhr

Senat soll höhere Mieten bekämpfen

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Wohnungssuchende in Berlin müssen im Durchschnitt 21 Prozent mehr zahlen, als die im Mietspiegel ausgewiesene "ortsübliche Vergleichsmiete". Das geht aus dem aktuellen Wohnmarkt-Report hervor, den die GSW Immobilien GmbH in Zusammenarbeit mit CB Richard Ellis und GfK GeoMarketing am Donnerstag vorgelegt hat. Während der offizielle Mietspiegel als Durchschnittswert 4,83 Euro pro Quadratmeter und Monat (kalt) ausweist, liegen die Angebotsmieten bei 5,85 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr mussten bei neu abgeschlossenen Mietverträgen 2009 damit 4,5 Prozent mehr gezahlt werden, als 2008 (5,60 Euro/m 2 ).

Wer in der Innenstadt eine neue Wohnung sucht, muss mit Mieten rechnen, die deutlich über diesen Durchschnittswerten liegen. Den stärksten Anstieg gab es in Friedrichshain-Kreuzberg mit rund 7,2 Prozent. In dem Bezirk müssen zudem – nach Spitzenreiter Charlottenburg-Wilmersdorf mit 6,80 Euro – mittlerweile die Berlinweit höchsten Neupreise gezahlt werden: 6,73 Euro. "Ein junges, kaufkräftiges Publikum hat den Bezirk für sich entdeckt", sagt Udo Radtke, Berlin-Experte bei der Gfk GeoMarketing.

Eine Verdrängung einkommensschwacher Mieter aus weiten Teilen des Bezirks fürchtet Radtke dennoch nicht: " Besonders die hochwertigen Wohnungen sind dort um elf Prozent teurer geworden", sagt er. Wohnungen mit einfacher Ausstattung dagegen stiegen im Preis lediglich um 2,6 Prozent.

Mieterverein bewertet den Anstieg als problematisch

Doch nicht nur aufwendig sanierte Altbauwohnungen, auch manche Postleitzahlenbezirke, wie die Gegend um den Mehringdamm, haben sich enorm verteuert. Für einkommensschwache Mieter wie die Studentin Luise Scholz ist das ein Problem. "Wir haben erst im vergangenen Jahr eine WG in der Blücherstraße gegründet." Was die 21-Jährige nervt: "Wir zahlen jetzt 900 Euro Kaltmiete und 1290 Euro warm. Die WG im Stockwerk unter uns zahlt nur 600 Euro Kaltmiete und deren Wohnung ist sogar ein kleines bisschen größer." Die hätten wohl einen älteren Vertrag, mutmaßt sie. Die Gegend sei ihr einfach zu teuer: "Ich ziehe jetzt nach Neukölln, da sind die Mieten noch erträglich."

Auch der Berliner Mieterverein bewertet den Mietanstieg als problematisch. "Selbst, wenn nur die durchschnittliche Mietsteigerung von 4,5 Prozent zugrunde gelegt wird, verteuern sich die Mieten doch erheblich", sagt Vereins-Geschäftsführer Reiner Wild.

So müssten für eine 80-Quadratmeter-Wohnung 240 Euro im Jahr mehr gezahlt werden. "In einigen Bezirken wie in Kreuzberg beträgt die Differenz zwischen Alt- und Neumieten bis zu 30 Prozent."

Betrachte man dann noch das geringe Einkommen der ortsansässigen Bevölkerung, so Wild, ergäbe sich ein dramatisches Bild. "Wir haben auch die Belastung der Haushaltseinkommen durch die Mieten erfasst", sagt dazu Thomas Rücker, Sprecher der GSW. In der Studie sind nicht nur die Mietangebote von mehr als 325.000 Wohnungen der Jahre 2008/2009 eingeflossen, sondern auch Faktoren wie das Haushalteinkommen. Die Systematik sei im Vergleich zu den Studien der Vorjahre verändert worden: So seien die teuersten und die billigsten zehn Prozent der Angebote nicht erfasst worden, um das Ergebnis nicht zu verfälschen.

Durchschnittliche Wohnkostenbelastung liegt bei 25,4 Prozent

Die durchschnittliche Wohnkostenbelastung liegt demnach in Berlin bei 25,4 Prozent der zur Verfügung stehenden Kaufkraft. In Kreuzberg-West (PLZ 10963) jedoch liegt dieser Wert bei 39,3 Prozent. Das durchschnittliche Haushaltseinkommen von 1939 Euro im Monat liegt hier weit unter dem Berlin-Durchschnitt von 2571.

Die höchsten Wohnlasten finden sich mit 50,9 Prozent rund um den Boulevard Unter den Linden. Die Durchschnittsmiete liegt dort mit elf Euro pro Quadratmeter auf Berliner Spitzenniveau, das Haushaltseinkommen jedoch ist mit 2498 Euro eher durchschnittlich. Für Daniela Acquaticci ist ein Umzug in eine andere Gegend jedoch kein Thema. "Mein Mann arbeitet beim Auswärtigen Amt. Wir sind nach Mitte gezogen, weil die Arbeit meines Mannes in der Nähe ist", die 38-Jährige Da sie sowieso nur für etwa vier Jahre in Berlin bleiben wollen, sei auch die Suche nach einer preiswerteren Wohnung "eher kein Thema", ergänzt sie.

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