Urteil

Berliner nach tödlichen Stichen freigesprochen

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Peter Oldenburger

Ein 18-Jähriger, der im August 2010 einen Fahrgast in einer Straßenbahn in Berlin-Oberschöneweide erstochen hatte, ist am Dienstag vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen worden.

Der folgenschwere Messerangriff an einer Straßenbahnhaltestelle in Berlin-Oberschöneweide hatte im Sommer 2010 viele Berliner erschüttert. Ein 39-Jähriger war am 18. August 2010 auf der Straße verblutet. Jetzt hat das Landgericht Berlin den 18 Jahre alten Dennis G. vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen. Der Angeklagte habe in Notwehr gehandelt, begründete die 39. Strafkammer das Urteil. Die Staatsanwaltschaft hat nach dem Richterspruch angekündigt, in Revision zu gehen.

Der Angeklagte und das spätere Opfer waren kurz vor der Tat bereits am S-Bahnhof Schöneweide in Streit geraten. Anlass war eine Nichtigkeit. Der 39-jährige Mann hatte die 16 Jahre alte Freundin des Beschuldigten mehrfach angerempelt. Es kam zum Streit, in dessen Verlauf das spätere Opfer Dennis G. schlug und in den Schwitzkasten nahm. Dem 18-Jährigen sei dabei die Luft weggeblieben, Passanten trennten die Kontrahenten schließlich.

Verhängnisvolles Wiedersehen

In einem Straßenbahnwagen der Linie M21 trafen Täter und Opfer dann erneut aufeinander. Im Prozess stellte sich heraus, dass der 39-Jährige das junge Paar in einer anderen Tram entdeckt hatte und daraufhin den Zug wechselte. Der kräftig gebaute Mann habe die Konfrontation gesucht, so die Argumentation des Gerichts. Die Männer beschimpften sich gegenseitig, dann stach Dennis G. seinem Gegner in den Bauch, was der 39-Jährige zunächst nicht bemerkt haben soll.

An der Ecke Edison- und Rummelsburger Straße stiegen die Streithähne aus, der 18-Jährige stach dort erneut zu. Der 39-Jährige brach tödlich getroffen zusammen, die Wiederbelebungsversuche eines Notarztes konnten den Mann nicht retten. Der Messerstecher versuchte zu fliehen, warf noch die Tatwaffe fort. Ein Passant konnte Dennis G. jedoch stoppen und bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Bei der Festnahme leistete G. keinerlei Widerstand.

Der Beschuldigte, ein angehender Auszubildender, hatte zum Prozessauftakt ausgesagt, er habe das Messer im Zustand großer Angst gezogen und ungezielt zugestochen, um einen Angriff des Opfers abzuwehren.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte dennoch auf eine Verurteilung von vier Jahren Jugendstrafe für den 18-Jährigen plädiert. Grund: Selbst im Falle einer Notwehrsituation sei die Verhältnismäßigkeit des bewaffneten Gegenangriffs nicht gegeben gewesen. „Der Angeklagte hätte sich, so die Staatsanwaltschaft, anders wehren können oder zumindest klarmachen müssen, dass er sich mit einem Messer wehren würde“, so Robert Bäuml, Sprecher der Strafgerichte.