Hauptbahnhof

"Sheraton" – Hotel mit Flughafenanschluss

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Sabine Gundlach

Foto: BMO

Der Bezirk Mitte hat die Baugenehmigung für das "Sheraton Berlin" am Hauptbahnhof erteilt. Für den geplanten "Skywalk", eine Fußgängerbrücke, über die die Gäste direkt zum Hauptbahnhof gelangen sollen, liegt aber noch keine Genehmigung vor.

Das architektonisch bislang umstrittene Hotelviertel am Hauptbahnhof bekommt weiteren Zuwachs. Der bereits seit Ende Juli 2010 vorliegende Bauantrag für das "Sheraton Berlin Hotel" ist genehmigt. Am Montag gab der Bezirk dem Projektentwickler sein Okay für den großen Gebäudekomplex, der in unmittelbarer Nähe nordwestlich des Hauptbahnhofes an der Invalidenstraße entstehen soll. Damit sind die Gerüchte vom Tisch, wonach das Projekt der Chamartin Meermann Immobilen (CIM) AG möglicherweise nicht mehr realisiert wird.

Für ein Investitionsvolumen von mindestens 120 Millionen Euro geht das nach Angaben von CIM-Vorstand Ralph Küchenthal "erste Flughafenhotel Berlins" an den Start. "Sie können von dem Hotel aus über eine Fußgängerbrücke direkt zum Hauptbahnhof gelangen und von dort zum neuen Großflughafen BBI fahren", begründet Küchenthal den Flughafenhotel-Slogan.

Nach Informationen von Morgenpost Online hat die CIM AG das Projekt bereits im November an einen Investor verkauft, der jedoch noch nicht genannt werden will, weshalb genaue Daten zum Baubeginn noch ausstehen. "Der Kaufvertrag vom vergangenen Jahr setzt die Bauerrichtungsgenehmigung voraus, die jetzt vorliegt", sagte CIM-Vorstand Ralph Küchenthal am Montag Morgenpost Online.

Für die geplante Fußgängerbrücke, über die die Gäste direkt vom Hotel über die Tunnelausfahrt der B96 zum Hauptbahnhof gelangen sollen, liegt allerdings noch keine Genehmigung vor. Der für die Brücke separat gestellte Bauantrag werde vom Bezirk derzeit noch geprüft, bestätigte Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) am Montagabend.

Architekt von Gerkan ist empört

Die vergangenes Jahr als "Skywalk" präsentierte gläserne Brücke stößt unterdessen nicht überall auf die Begeisterung, mit der CIM-Vorstand Küchenthal von dem kurzen Weg zum Hauptbahnhof schwärmt. Küchenthal sprach von "der schnellsten Verbindung vom Bett ins Flugzeug". Genau diese Brücke aber will der Planer des Hauptbahnhofes, Architekt Meinhard von Gerkan, verhindern. Denn Gerkan ist von diesen Plänen "schlicht entsetzt". Der Planer, der im Frühjahr vergangenen Jahres mit einem Interview mit Morgenpost Online eine Debatte über die Architektur des neuen Bahnhofsviertels in Gang gesetzt hatte, betonte am Montag seine Kritik an der Brücke. "Der Bahnhof ist ein autonomes Gebäude, das eine in sich geordnete Gestalt und Qualität hat, die man durch eine derartige Verunstaltung nicht beeinträchtigen kann", sagte von Gerkan. Er werde dafür kämpfen, dass der Hauptbahnhof nicht einfach an ein Kaufhaus angeschlossen werde, so von Gerkan sichtlich erzürnt.

Mit der Bemerkung vom Kaufhaus spielt der Architekt auf die Nutzung des 38.000 Quadratmeter Geschossfläche umfassenden Bauwerks an. 4000 Quadratmeter des in zwei Gebäude unterteilten Komplexes sind nach Angaben von CIM "hochwertigem Einzelhandel, Boutiquen und anspruchsvoller Gastronomie" vorbehalten. Wie CIM-Projektleiter Bernd Schlage sagte, soll die Fußgängerbrücke vom ersten Geschoss aus der Hotellobby zu einem der Ausgänge des Hauptbahnhofes auf das nordwestliche Podest der weitläufigen Treppe führen. Dieser Plan missfällt offenbar auch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Sie sagte auf Nachfrage deutlich, dass sie diese gläserne Brücke zum Hauptbahnhof nicht wolle. Noch ist offen, wie der Bezirk entscheidet.

Ursprünglich sollte mit den Arbeiten für den Neungeschosser nach Entwürfen des Berliner Architekturbüros Aukett + Heese bereits im Herbst 2010 begonnen werden. Dass bis zur Erteilung der Baugenehmigung letztlich sieben Monate vergangen sind, begründet Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) unter anderem mit dem komplexen Projekt. Denn das eine der beiden Gebäude kragt nicht nur vier Meter über die Ausfahrt des Tunnels der B 96. Der Bau steht auch auf dem Tunnel. "In diesem Fall darf der Bau sich nicht setzen, weil darunter und daneben die B 96-Tunnel laufen. Deshalb sind hier sehr tiefe Bohrpfähle vorgesehen, die das Haus abfangen", erklärte Gothe das komplizierte Verfahren. Was die aufwendige Gründung in der Baugrube für das Vier-Sterne-Hotel kosten wird, war den Projektentwicklern am Montag nicht zu entlocken.

Eine Skybar auf dem Dach

Neben der umstrittenen Fußgängerbrücke setzten die Planer bei der Vermarktung des Hauses auch auf die "Skybar". Gemeint ist die 800 Quadratmeter große verglaste Rotunde, die auf das neunte Obergeschoss gesetzt wird und den künftigen Gästen Blick auf die Europacity und das Regierungsviertel bietet. Die gläserne Bar ist umgeben von ebenfalls 800 Quadratmetern Dachterrasse. Darüber hinaus bietet das neue Sheraton Berlin Hotel einen 2000 Quadratmeter großen Tagungs- und Konferenzbereich, zu dem auch ein 400 Quadratmeter großer und flexibel teilbarer Ballsaal zählt.

Für die Fassade haben die Planer unterschiedliche Materialien gewählt. So ist die Fassade des Gebäudes zum Tunnel hin gläsern, der Bau daneben hingegen mit Natursteinen gestaltet. Ralph Küchenthal spricht von "herausragender Architektur". Die Sprecherin des Unternehmens sagt, "wir wollen dem Hauptbahnhof keine Konkurrenz machen und haben versucht, Gestaltungsmerkmale dieses Bauwerks aufzunehmen".

Mit seinen 464 Zimmern, davon 47 Suiten und eine sogenannte Präsidentensuite, wird das Sheraton nach dem noch diesen Sommer öffnenden Zwei-Sterne-"Motel One" mit 514 Zimmern künftig das zweitgrößte Hotel am Hauptbahnhof sein und vorerst bleiben. Die Hotels, die noch im Umfeld des Hauptbahnhofes öffnen werden wie das A + O Hostel (300 Zimmer) oder das InterCity (412 Zimmer) verfügen über leicht geringere Kapazitäten.

Bei der Deutschen Hotel und Gaststätten Innung wertet man die Ansiedlung des Sheratons positiv. Der Hauptbahnhof sei eine sehr zentrale Lage direkt am Regierungsviertel. "Jeder große Hotelname wie Sheraton, das sich ja auch Sheraton Berlin nennen wird, bewirbt die Stadt und wirkt darüber hinaus", sagt Thomas Lengfelder.

Der Hauptgeschäftsführer der Berliner DeHoGa sieht allerdings auch die Schattenseiten der wachsenden Hotelbettenzahl in Berlin. "Das ist reiner Wahnsinn, der Sättigungsgrad ist längst überschritten, denn der Umsatz pro verfügbare Zimmer ist seit 2005 nicht gestiegen".