U-Bahnhof Lichtenberg

Fall um U-Bahn-Schläger nahezu aufgeklärt

Nach zwei Wochen und 20 Zeugenbefragungen können die Beamten den Raubüberfall jetzt von der Entstehung bis zur Tat rekonstruieren. Ein anderer Schlägerangriff wird die Polizei dagegen noch etwas beschäftigen.

Bei ihren Ermittlungen zu dem Überfall auf den 30-jährigen Marcel R. im U-Bahnhof Lichtenberg deutet alles auf einen schnellen Erfolg von Polizei und Staatsanwaltschaft hin. Gerade einmal zwei Wochen nach der Tat gilt der Fall bei den Behörden als nahezu aufgeklärt. Dank einer Vielzahl glaubhafter und präziser Zeugenaussagen seien die Ermittler inzwischen in der Lage, dass gesamte Geschehen von der Entstehung der Tat über die brutale Attacke bis zur Flucht der vier Täter beweiskräftig und nahezu lückenlos zu rekonstruieren, sagte Martin Steltner, der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft am Freitag. An die 20 Zeugenaussagen hätten die Beamten der 2. Mordkommission inzwischen aufgenommen und ausgewertet, sagte Steltner.

Etliche Zeugen hätten dabei auch sehr genaue Angaben über die Situation, aus der heraus sich der brutale Überfall auf dem Bahnsteig entwickelte, machen können. „Dabei ist vor allem auch deutlich geworden, dass die beiden Geschädigten keinerlei Anlass für ihre Tat gegeben haben, weder durch Provokationen noch auf andere Weise“, erklärte der Justizsprecher. Ein Ermittler wurde bei diesem Punkt noch deutlicher: „Die vier Jugendlichen waren ohne Wenn und Aber auf Krawall aus.“ Die Aussagen belegten zudem, dass der zweite Geschädigte Steffen O. nur dank des Einschreitens eines couragierten Passanten mit erheblich leichteren Verletzungen davonkam, hieß es bei der Polizei. „Ohne diese Hilfe hätte es den Mann möglicherweise ähnlich schlimm getroffen wie seinen Kollegen“, sagte ein Beamter am Freitag.

Für die Ermittler sind die erzielten Fortschritte von erheblicher Bedeutung, stehen sie doch unter einem hohen Erwartungsdruck seitens der Politik, der Medien und der Öffentlichkeit. Von allen Seiten gab es in den vergangenen zwei Wochen immer wieder Forderungen, die Täter müssten die ganze Härte des Gesetzes spüren. „Dazu muss man sie allerdings zunächst einmal zweifelsfrei überführen und vor allem jedem einzelnen seine Tatbeteiligung nachweisen“, sagte ein mit dem Fall befasster Beamter. „Es sieht momentan ganz gut aus, aber die Hauptverhandlung vor Gericht wird es noch in sich haben“, warnte der Beamte.

39-Jähriger unter Tatverdacht

Im Fall des Schlägerangriffs auf einen Obdachlosen im U-Bahnhof Hansaplatz in Tiergarten gibt es ebenfalls erste Fortschritte. Ein am Donnerstag gegen 17.30 Uhr festgenommener 32-Jähriger musste zwar am Freitag wieder freigelassen werden, weil sich der Tatverdacht gegen ihn nicht bestätigte. Am gleichen Tag konnte allerdings eine 39-jährige Frau als mögliche Täterin gefasst werden, gegen sie besteht bereits ein Haftbefehl in einer anderen Sache. Am Sonntag war ein 45-jähriger in dem Bahnhof von fünf bis sechs Tätern zusammengeschlagen worden. Die Angreifer hatten das am Boden liegende Opfer mit Füßen getreten und beraubt. Der 45-Jährige hatte bei dem einen Nasenbeinbruch und Prellungen erlitten. Er konnte das Krankenhaus nach ambulanter Behandlung wieder verlassen.