Narrenzeit

Berlin feiert am Sonntag Karneval

Karneval in berlin - zum elften Mal: Die Veranstalter hoffen auf bis zu eine Million Besucher, das wäre Rekord. Wirklich durchgesetzt hat sich die importierte Tradition in Berlin allerdings bislang nicht.

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Die Elf ist die närrische Zahl des Karnevals. Elferrat, Start der Session am 11.11. um 11.11 Uhr und so weiter. In diesem Jahr findet in Berlin auch der Karnevalszug zum 11.Mal statt – beste Voraussetzungen also für eine ausgelassene Runde durch die Innenstadt. Rund 2000 Teilnehmer haben sich angemeldet für den Umzug unter dem Motto „Die Welt ist rund – Berlin ist bunt“. Die Veranstalter hoffen, dass am Straßenrand diesmal mehr als eine Million Berliner den Jecken zujubeln – zumal das Wetter sonnig und trocken zu werden verspricht. Auch Klaus Wowereit (SPD) gibt sich närrisch, erteilt dem Karnevalszug schon vorab seinen Segen. Die Organisatoren hätten bewiesen, so der Regierende Bürgermeister, dass der Ruf Berlins als „Anti-Karnevals-Metropole“ völlig unbegründet sei.

Der Zug startet am Sonntag gegen 11.30 Uhr am Steinplatz. Knapp zwei Stunden lang zieht er dann über den Breitscheidplatz zum Kurfürstendamm. Die Hardenbergstraße und Teile des Kudamms sind von 8 Uhr an gesperrt. Zudem werden einige Buslinien bis zum Nachmittag umgeleitet. Auf der vier Kilometer langen Strecke ziehen zehn Musikgruppen und 60 Festwagen durch die City West. Auf 85 Dezibel müssen alle Wagen beim Zug ihre Musikanlagen einpegeln. An zwei Stellen, die den Veranstaltern nicht bekannt sind, wird die Lautstärke von Messwagen kontrolliert.

Zwar wird der Karneval von den Berlinern immer mehr angenommen – in der Lebenskultur der Hauptstädter hat sich das Narrentreiben anders als etwa im Rheinland dennoch nicht verankert. „Der Karneval hat in Berlin einfach keine Tradition“, sagte Harald Grunert, Geschäftsführer der Kneipe „Ständige Vertretung“ in Mitte. Verstecken brauchen sich die Berliner Narren aber nicht. „Einfach toll, was da in Berlin in den letzten Jahren passiert ist“, sagte der diesjährige Karnevalsprinz Thomas Richter. Es sei keine Selbstverständlichkeit, innerhalb von so kurzer Zeit einen derart großen Karnevalszug auf die Beine zu stellen. Die Anzahl der Zuschauer sei in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, sagte Oberkarnevalist Grunert.

„Kostümieren und Schminken macht einfach allen Spaß – das sieht man in den Gesichtern der Menschen“, sagte Grunert. Als Kinder- und Familienfest hätten die Berliner den Karnevalszug voll und ganz akzeptiert. Das merke man auch am wachsenden Angebot in den Kaufhäusern: Von 50 auf 500 Quadratmeter seien die Flächen für Kostüme bei Kaufhof in Berlin gewachsen. Prinz Thomas: „Im Osten Berlins verkleiden sich die Leute besonders gerne.“

Die Berliner Verwaltung erkenne den Karneval allerdings immer noch nicht als gesellschaftlichen Brauch an. Während Lokalpolitiker in Köln in der Regel wenigstens einem Karnevalsverein angehören, werde den Karnevalisten in Berlin noch immer mit behördlichen Auflagen das Leben erschwert, klagte Prinz Thomas I.

Auch wenn der Karneval nicht von allen Berlinern geliebt wird, die Narren lassen sich davon nicht abschrecken und ziehen durch die Straßen. Die Wettervorhersage verspricht Sonnenschein, und die Veranstalter zeigen sich optimistisch: „Unter diesen Bedingungen hoffen wir, die Millionengrenze zu knacken“, sagte Zugmarschall Rolf Vieting. Nach der Straßenparty wird weitergefeiert: Ein kostenloser Shuttleservice bringt die Narren zur „After-Zug-Party“ in der Universal Hall in Moabit. „Mit dem Karneval im Rheinland wird man den Berliner Karneval nie vergleichen können“, gab Karnevalsprinz Thomas Richter zu. Zwar versteckten die Berliner ihre Kostüme nicht mehr verschämt unter ihren Jacken, ein bisschen befangen seien sie im Karneval allerdings immer noch. Trotzdem: Wer das kölsche Grundgesetz kennt, der weiß auch: „Et bliev nix wie et wor“ – „Es bleibt nichts, wie es war.“