Mauerfall

Berlin sollte Ronald Reagan ein Denkmal setzen

Der entscheidende Weichensteller für den Fall der Berliner Mauer war der amerikanische Präsident Ronald Reagan. Ihm sollte ein Denkmal in der Hauptstadt gewidmet werden, fordert Jochim Stoltenberg anlässlich des 21. Jahrestag des Mauerfalls.

Foto: kd/rh / dpa

Der 9. November, welch ein Schicksalstag der deutschen Geschichte. Neben den schwarzen Tagen mit dem Marsch der Nationalsozialisten auf die Münchner Feldherrnhalle (1923) und der Reichspogromnacht (1938) auch einer der glücklichsten. Heute vor 21 Jahren stürzte durch eine Verkettung von Fehlinterpretationen, journalistischen Zuspitzungen, durch den Mut sich nicht länger der Obrigkeit fügenden Ost-Berliner wie der Rat- und Hilflosigkeit einer völlig ignoranten SED-Führung die Mauer in Berlin ein. Das Tor zur Freiheit der Menschen im Ostteil unserer Stadt war damit aufgestoßen. Die Löcher, die in jener Novembernacht in die bis dahin schier unüberwindlichen tödlichen Sperranlagen gerissen wurden, ebneten den Weg für noch weit mehr. Für die Wiedervereinigung Berlins, die Einheit Deutschlands, ja auch für ein Europa, das nicht länger in West und Ost, in Freiheit und Unfreiheit geteilt war. Und alles begann an der Bornholmer Straße.

Das heute, 21 Jahre später, vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit der „Platz des 9. November 1989“ an der Bornholmer Straße in Berlin-Pankow als Ort der Erinnerung an diese historischen Stunden eröffnet wird, ist wie eine verspätete Selbstverständlichkeit zu würdigen. Wie schwer sich Berlin weiter mit der Gedenkkultur in der Stadt tut, macht auch der gewählte Standort für den „Platz des 9. November 1989“ deutlich. Es ist nicht das Gelände der ehemaligen Grenzübergangsstelle, sondern ein schmaler Streifen gegenüber, zwischen Bornholmer Straße und der noch existenten Hinterlandmauer als Teil der alten Grenzsicherungsanlage.

Der Fall der Mauer hat eine längere Vorgeschichte, die allzu schnell und allzu gern verdrängt wird. Der entscheidende Weichensteller war der amerikanische Präsident Ronald Reagan (Amtszeit 1981 bis 1989). Seine Politik der Stärke ist damals von der politischen Linken in der Bundesrepublik erbittert bekämpft worden, persönliche Diffamierungen seiner schauspielerischen Vergangenheit wegen kamen hinzu. Hohn und Spott aus diesen Polit-Zirkeln musste er sich auch gefallen lassen, als er am 12. Juni 1987 anlässlich des 750. Geburtstags Berlins seine berühmte Rede vor dem Brandenburger Tor hielt. Wer hat diese Sätze, die zweieinhalb Jahre später die Welt veränderten, heute nicht im Kopf, wenn der Name Reagan fällt? „Generalsekretär Gorbatschow, wenn Sie nach Frieden streben, wenn Sie Wohlstand für die Sowjetunion und für Osteuropa wünschen, wenn Sie die Liberalisierung wollen, dann kommen sie hierher zu diesem Tor. Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor. Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder.“

Ronald Reagan war nicht nur ein Visionär. Er war vor allem ein Realist. Von einer Position der Stärke, ja von einer Überlegenheit aus hat er den damaligen sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow davon überzeugt, dass weiteres Wettrüsten keinen Sinn mache. Damit wurde der Weg zur Abrüstung, zur Zusammenarbeit, zur Nichteinmischung Moskaus in die Belange der Verbündeten innerhalb des Warschauer Pakts und am Ende auch zur Vereinigung Deutschlands und zur Überwindung des Kalten Krieges frei. Bis heute ist Ronald Reagan einer der meist unterschätzten, ungerecht und unfair behandelten Politiker. Auch hierzulande. Obwohl die Berliner wie alle Deutschen in West und Ost ihm so viel zu verdanken haben.

Seit 1992 ist Ronald Reagan Ehrenbürger Berlins. Doch die Stadt sollte dem 2004 verstorbenen 40. Präsidenten der Vereinigten Staaten mehr schulden. Der Jahrestag des Mauerfalls, der ja nicht zufällig eine Bestätigung dessen ist, was Reagan einst vor dem Brandenburger Tor gefordert hatte, sollte Anstoß geben zum ebenso gründlichen wie aufrichtigen Nachdenken darüber, wie dem Präsidenten im Stadtbild Berlins späte Würdigung, auch Gerechtigkeit widerfährt. Dafür gibt es nur einen überzeugenden Ort. Der Platz auf der Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor, von dem aus Ronald Reagan seinen Friedensappell an Michail Gorbatschow gerichtet hat. Schon heute steht auf dem Mittelstreifen vor dem Tor die so eindrucksvolle Bronzeskulptur „Der Rufer“ von Gerhard Marcks. Sie gemahnte zu Zeiten der Teilung der Stadt an Meinungsfreiheit für jedermann. Warum nicht eine zweite Skulptur, die den Mann würdigt, der entscheidend dazu beigetragen hat, dass die Freiheit keine Sehnsucht mehr ist, sondern Wirklichkeit. Ronald Reagan hat es verdient. Auch als späte Wiedergutmachung.

Ein solches Denkmal, eine solche Stele oder auch eine andere Form der sichtbaren Würdigung wäre übrigens der bislang einzige Ort, an dem Berlin zugleich dauerhaft der drei West-Alliierten gedenken könnte, die jahrzehntelang Garanten der Freiheit West-Berlins waren. Auch dies kündet davon, wie schwer sich Berlin mit seiner Gedenkkultur tut. Dieser, zumindest aber der nächste Senat sollte Einsicht und Mut finden, Ronald Reagan die Ehre zuteil werden zu lassen, die ihm gebührt.

Mauerreste : Überblick der noch existierenden Reste der Berliner Mauer in Berlin (zusammengestellt von berlinermaueronline.de, Stand 2009)

Bernauer Straße/Ackerstraße (hier geht es direkt zur Karte )

Bösebrücke, Bornholmer Straße / Kartenaussschnitt

Checkpoint Charlie / Kartenausschnitt

East Side Gallery / Kartenausschnitt

Gartenstraße / Kartenausschnitt

Invalidenfriedhof / Kartenausschnitt

Kieler Straße / Kartenausschnitt

Mauerpark / Kartenausschnitt

Niederkirchner Straße / Kartenausschnitt

Parlament der Bäume / Kartenausschnitt

Potsdamer Platz / Kartenausschnitt

Puschkinallee / Kartenausschnitt

Schwartzkopffstraße / Kartenausschnitt

St.-Hedwigs-Friedhof / Kartenausschnitt