Razzia in Berlin

Polizei findet Rohrbomben bei "Mongols"-Rockern

Die Berliner Polizei hat in Spandau, Reinickendorf und Neukölln insgesamt elf Wohnungen von Mitgliedern der Rockerklubs "Mongols" durchsucht. Die Beamten fanden unter anderem Sprengstoff.

Elf Wohnungen von Mitgliedern der Rockergruppe "Mongols MC" sind am Mittwoch in Berlin von der Polizei durchsucht worden. Neun Männer wurden festgenommen. Beteiligt an der Aktion war auch das Berliner Spezialeinsatzkommando (SEK) - "wegen der Gefährlichkeit des mutmaßlichen Täterkreises", wie es von Seiten der Polizei heißt.

Hintergrund der Razzia ist ein Ermittlungsverfahren "wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz", teilte die Polizei mit. In einer der durchsuchten Wohnungen fanden fanden die Beamten neben Sprengstoff auch zwei selbst hergestellte Rohrbomben.

Bei der Polizei gibt es Befürchtungen, dass mit dem neu in Berlin gegründeten Rockerklub "Mongols MC" der Rockerkrieg wieder angeheizt werden könnte, der zuvor zwischen "Bandidos" und "Hells Angels" entstanden war. Die "Mongols hatten bislang lediglich in Bremen Fuß gefasst und setzen sich vor allem aus Angehörigen aus arabischer Großfamilien zusammen. In den USA, wo die "Mongols" 1969 gegründet wurde, sind die "Hells Angels" die Erzfeinde der Rocker, die einen Mongolen auf einem Motorrad als Klubabzeichen tragen.

Diese Feindschaft besteht anscheinend auch in Berlin: Am 24. Januar hatten bislang unbekannte Täter hatten einem Mitglied des "Mongols MC Berlin" aufgelauert, es beschimpft ("Scheiß Mongole") und dann mit einem Messer am Oberschenkel verletzt. In dem Bericht des Landeskriminalamtes (LKA) zu dem Vorfall heißt es: "Unter Berücksichtigung der Hinweise, dass der Hells Angels MC eine Etablierung des Mongols MC Berlin nicht dulden will und der direkten Ansprache der Täter an den Geschädigten könnte diese Tat im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen dem Hells Angels MC und dem Mongols MC stehen." Letztlich kommt das LKA zu dem Schluss, dass "bei erneutem Aufeinandertreffen von Protagonisten beider Clubs mit körperlichen Auseinandersetzungen gegebenenfalls auch unter Verwendung von Waffen und sonstigen gefährlichen Gegenständen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu rechnen ist."

In Deutschland rekrutieren sich Mitglieder der "Mongols" nicht zuletzt aus drei arabischen Großfamilien. Mitglieder einer dieser Familien seien in der Vergangenheit unter anderem an Straftaten wie Waffen-, Drogen- und Menschenhandel sowie Gewaltverbrechen beteiligt gewesen.

1969 wurde der "Mongols MC" im kalifornischen Montebello gegründet: Mitglieder waren zunächst Veteranen des Vietnamkrieges, denen aufgrund ihrer lateinamerikanischen Abstammung eine Mitgliedschaft bei den "Hells Angels" verweigert worden war. Der Klub hat seinen Hauptsitz in Südkalifornien und hat Ableger ("Chapter") in insgesamt 14 Staaten. International hat die Rockergruppe, neben Deutschland, Niederlassungen in Australien, Italien und Mexiko. Die geschätzte Zahl der Vollmitglieder liegt zwischen 500 und 600 Rockern. 1998 gelang es einem amerikanischen Drogenfahnder den Klub zu infiltrieren und ein vollständiges Mitglied der Mongols MC zu werden. Er stieg sogar bis zum Schatzmeister auf. Nachdem mit Hilfe des ATF-Beamten zwei Jahre lang Beweise gesammelt worden waren, konnten schließlich 54 Mongols verhaftet werden.