Staufalle

Komplettsanierung legt Avus lahm

Nach der Winterpause beginnt die Komplettsanierung der maroden Stadtautobahn A115. Die Bauarbeiten sollen zweieinhalb Jahre dauern und die Avus lange zur Staufalle machen.

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Mit dem neuen Jahr wird die leistungsfähigste Verkehrsverbindung im Berliner Südwesten zur Staufalle. Die jahrelang hinausgezögerte Grundinstandsetzung der Avus (A115) zwischen Dreieck Funkturm und der Anschlussstelle Spanische Allee soll mit dem Ende der Frostperiode im kommenden Jahr beginnen und voraussichtlich zweieinhalb Jahre dauern. Die Fahrbahn der Avus ist so marode, dass Autos dort schon lange nicht mehr schneller als 80 Stundenkilometer fahren dürfen. Seit Frühjahr dieses Jahres gilt im Bereich der Brücke über den Hüttenweg sogar ein Tempolimit von 60 Stundenkilometern, weil sich das Bauwerk langsam absenkt.

Die Planungen der Verkehrsverwaltung sehen vor, dass der komplette Straßenoberbau sowie drei Brücken im Zuge der A115 saniert werden müssen. Die Hüttenweg-Brücke ist bereits so beschädigt, dass an dieser Stelle ein Neubau vorgesehen ist. „Wir befinden uns gerade in der Angebotsphase, die Ausschreibungen laufen“, sagt Mathias Gille, Sprecher von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Zuverlässige Aussagen über die Kosten gebe es deshalb noch nicht. Erste Berechnungen gehen aber davon aus, dass für die Erneuerung der 8,7 Kilometer langen Strecke mindestens 27 Millionen Euro verbaut werden müssen.

Die Verkehrsbehinderungen im Zuge der Bauarbeiten werden erheblich sein: Der Bereich zwischen Spanische Allee und Hüttenweg verfügt jeweils über zwei Richtungsfahrbahnen, der Bereich Hüttenweg bis Funkturm dagegen ist dreispurig ausgebaut. „Das Verkehrskonzept sieht vor, dass während der Bauarbeiten immer zwei Spuren stadtauswärts und eine Spur stadteinwärts eingerichtet werden“, so Staatssekretärin Maria Krautzberger in der Antwortung auf eine Kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Michael Braun. Diese Regelung sei so getroffen worden, um den befürchteten Rückstau bis auf den Stadtring A100 zu vermeiden.

Um die Staubildung zu begrenzen, soll ein Teil des Verkehrs auf die Umleitungsstrecke U4 abfließen, so die Staatssekretärin weiter. Diese Umfahrung soll über die sowieso schon viel befahrenen Straßen Potsdamer Chaussee, Argentinische Allee, Clayallee und Hohenzollerndamm zum Teil direkt an Schulen vorbeigeführt werden.

Kein Flüsterasphalt vorgesehen

Anders als beim umstrittenen Weiterbau der A100 vom Dreieck Neukölln nach Treptow ist für die Bundesautobahn 115 kein Flüsterasphalt vorgesehen – sehr zum Ärger der Bürgerinitiative Lärmschutz Avus. „Die Kompletterneuerung der Fahrbahn hätte es möglich gemacht, ohne große Mehrkosten viel zur Lärmreduzierung beizutragen“, sagt Matthias Mayrhofer von der Initiative. Doch der offenporige Asphalt, der als besonders geräuscharm gilt, soll auf der Avus keine Verwendung finden. Begründet wird dies jedoch nicht mit Mehrkosten, sondern mit dem aufwendigeren Unterhalt.

„Der Entwurf sieht aufgrund der außerordentlichen Verkehrsbelastung eine Deckschicht aus Gussasphalt vor“, heißt es in einem Schreiben der Senatsverwaltung. Wenn Flüsterasphalt aufgebracht werde, müsste es auch spezielle Reinigungsmaschinen für die Asphaltdecke geben. Diese stehen aber offenbar nicht zur Verfügung. Ein weiteres Argument gegen den lärmarmen Belag ist laut Senatsverwaltung, dass er eine besondere Behandlung im Winterdienst erfordere.

Mayrhofer ist darüber verwundert: „Die Senatsverwaltung setzt nicht nur beim Weiterbau der A100, sondern ganz konkret bei der Sanierung der A100 zwischen Alboin- und Gradestraße und der A103 zwischen Sachsendamm und Wolfensteindamm auf eine offenporige Asphaltschicht.“ Dort spiele das erforderliche „Reinigungsequipment“ aber offenbar keine Rolle. „Hier gibt es Erklärungsbedarf“, so der Jurist. In den Bereichen, in denen Wohngebiete an die Avus grenzen, soll nach Auskunft der Senatsverwaltung nun Gussasphalt verwendet werden, der jedoch so verändert sei, dass er der Richtlinie für Lärmschutz an Straßen entspreche. So soll der Verkehrslärm um zwei Dezibel reduziert werden.

Mayrhofer ist das zu wenig. „Noch im Sommer hatte Senatorin Junge-Reyer die Verwendung von Flüsterasphalt zumindest für den Abschnitt in Nikolassee in Aussicht gestellt“, sagt er. Dies solle jetzt offenbar nicht mehr gelten. Besorgt ist der Lärmschutz-Aktivist insbesondere hinsichtlich des zweiten Bauabschnitts der Avus von der Spanischen Allee bis zur Landesgrenze. Diese Arbeiten sollen beginnen, sobald die knapp neun Kilometer zwischen Funkturm und Spanischer Allee fertig sind – also voraussichtlich 2013/2014. Über die Details zum geplanten Bauablauf an der Avus will die Verkehrssenatorin noch vor der Weihnachtspause informieren.

Spandauer-Damm-Brücke fast fertig

Immerhin einen Trost gibt es für Berlins Autofahrer: Die Bauarbeiten an der Spandauer-Damm-Brücke, die seit gut zweieinhalb Jahren für Dauerstaus auf der Stadtautobahn A100 sorgen, sollen rechtzeitig zu Weihnachten abgeschlossen werden. Die Arbeiten für den Abriss und Neubau der Brücke sollten ursprünglich bis Mitte 2011 dauern.

Die 1963 eröffnete Brücke mit der damals neuen Spannbetonkonstruktion war aufgrund mangelnder Abdichtungen durch eindringendes Tausalz zum Sanierungsfall geworden. Eine erste Sanierung 2003/2004 war gescheitert, rund eine Millionen Euro wurde verpulvert. Der Neubau hat rund 36 Millionen Euro gekostet – Bund und Berlin haben jeweils die Hälfte übernommen.

Nach 2012 kann es dann aber auch in diesem Bereich noch mal ganz dicke kommen: Dann muss wahrscheinlich auch die Rudolf-Wissell-Brücke am Dreieck Charlottenburg neu gebaut werden. Mit 930 Metern ist sie eine der längsten Brücken Berlins. Auch sie ist bereits 1961 eröffnet worden und hat die „Kinderkrankheiten“ des damaligen Spannbetonbaus. Ihr Zustand wird ständig überprüft. Das Bauwerk führt die A100 über die Spree und die Gleise der Berlin-Hamburg-Strecke hinweg. Die Kosten für die Bauarbeiten sind mit 11 Millionen Euro veranschlagt worden.

Neu gebaut werden mussten bereits die Schmargendorfer Brücke in den 80er-Jahren sowie später die Hohenzollerndamm-Brücke.