Grüner Wahlkampf

Renate Künast wirbt bei Hip-Hoppern und Sprayern

Die Spitzenkandidatin der Grünen, Renate Künast, ist auf Wahlkampf-Tour. Sie trifft Kreative in Prenzlauer Berg und nimmt eine Einladung ihrer Pankower Parteifreunde an. Beide Termine haben eines gemeinsam: Sie werden vom Thema Arbeit dominiert.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Während der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) im Roten Rathaus mit Vertretern der Wirtschaft über den drohenden Fachkräftemangel diskutiert hat, machte sich die designierte Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast zu einer kleinen Tour durch das Berliner Dienstleistungsgewerbe auf. Nachdem sie am Mittwochmorgen das Transportunternehmen Berlin Mobil in Lichtenberg besuchte, kam sie am Nachmittag zur Marienburg nach Prenzlauer Berg. In dem ehemaligen Umspannwerk haben sich junge Medienunternehmen zu einem lockeren Netzwerk zusammengeschlossen.

Auch Künasts Thema ist an diesem Tag die Arbeit. Solche Kreativunternehmen und ihre Arbeit sollten nach Ansicht der Grünen-Spitzenkandidatin viel mehr in die Öffentlichkeit strahlen, sagte Künast. Erst vor ein paar Tagen habe sie ein Kopftuch tragendes Mädchen in Tiergarten gefragt, was man dagegen unternehmen könnte, dass nicht alle Mädchen Friseurinnen werden. „In die Marienburg gehen“, hätte Renate Künast sagen sollen. Im Zusammenwirken von Werbeagenturen, Druckereien und Vertriebsfirmen ist ein breites Spektrum an möglichen Ausbildungsmöglichkeiten entstanden.

Den Eindruck bestätigte Christian Dabbert, Chef der Werbeagentur Graco. Viele Schulabgänger hätten immer noch eher Berufsbilder wie Tischler oder Fleischer vor Augen, wenn sie die Schule verließen. Dabbert schlug den Kreativweg ein. Die Firmengründer der Werbeagentur entstammten der Hip-Hop- und Graffitiszene, bevor sie sich mit der Werbeagentur selbstständig machten. Ein Standbein der Agentur ist noch immer das Bemalen von Wänden, allerdings nicht zum Leidwesen, sondern im Auftrag der Besitzer. Seine Agentur war es, die zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sechs Häuserwände mit großdimensionalen Bildern brasilianischer Nationalspieler bemalte.

Sollte es für Existenzgründer mehr Beratung geben, fragte die Spitzenkandidatin. Dabbert verneinte. Beratung gebe es genug, vielmehr sollten Existenzgründer auf die „Achterbahn der Gefühle“ in den ersten drei Jahren nach Firmengründung vorbereitet werden. Dagegen seien die Gespräche mit der Bank das geringere Problem, so Dabbert.

Am Abend sprach Renate Künast dann in der Marienburg über die „Arbeit der Zukunft“, zu der die Pankower Grünen eingeladen hatten. „Nur mit einer neuen wirtschaftlichen Dynamik kann Berlin in Zukunft Gemeinschaftsaufgaben sichern“, sagte sie. Sie wolle sich für mehr sichere Jobs in den Zukunftsbranchen der Stadt einsetzen, wenn sie Regierende Bürgermeisterin werde.