Schlachtensee

Streit um Studentendorf endet vor Gericht

Einst konnten die Mitglieder der studentischen Selbstverwaltung und der Genossenschaft Studentendorf Schlachtensee gemeinsam ihr Wohnheim vor dem Abriss retten. Doch nun sind sie zerstritten und ihnen droht die Zwangsräumung.

Foto: ullstein bild - Dieter Otto

Sie haben jahrelang an einem Strang gezogen und das Studentendorf Schlachtensee vor dem Abriss gerettet. Jetzt stehen sie sich als Rivalen gegenüber – die Vertreter der studentischen Selbstverwaltung (SV) und die Mitglieder der Genossenschaft Studentendorf Schlachtensee. Am 14. März 2011 verhandelt das Landgericht Berlin die Räumungsklage der Genossenschaft gegen die Selbstverwaltung. Sollte sie den Prozess gewinnen, muss die Studentenvertretung das Haus 14 auf dem Campus an der Wasgenstraße, in dem sie auch den Studentenclub A18 bewirtschaftet, verlassen. „Wir suchen uns dann neue Betreiber“, sagt Genossenschaftsvorstand Andreas Barz.

Von einer komplizierten Geschichte sprechen beide Seiten, die bei den Plänen des ehemaligen Bausenators Peter Strieder (SPD) vor mehr als zehn Jahren anfängt. Der wollte das Gelände des Studentendorfes als teures Bauland parzellieren und mit Luxuswohnungen bebauen lassen. Der Protest der Studenten war groß, sie wollten das Ensemble aus dem Jahre 1959 als Wohnheim erhalten. Als es darum ging, das Dorf zu kaufen, wurde eine Genossenschaft gegründet, in die Politiker, Unternehmer, Nachbarn, ehemalige Bewohner, aber auch Studenten der SV eintraten. Mit einem Kredit der Bank für Sozialwirtschaft konnten die Genossenschaftsmitglieder Ende 2003 das denkmalgeschützte Ensemble für zehn Millionen Euro vom Senat erwerben und in eigener Regie weiterbetreiben.

An diesem Punkt hatten die Genossenschaft und die Selbstverwaltung ihr gemeinsames Ziel erreicht. Doch die Vorzeichen hatten sich geändert. Wer in der Genossenschaft Mitglied war, gehörte nun zu den Miteigentümern des Dorfes mit fast 1000 Wohnheimplätzen und musste die Wirtschaftlichkeit im Blick behalten. Die Studenten der Selbstverwaltung hingegen wurden nun Mieter und kümmerten sich weiter um die Bewohner und einige Einrichtungen, wie den Club A18.

„Anfangs haben wir gut zusammengearbeitet“, sagt Christa Markl-Vieto, Aufsichtsratsvorsitzende der Genossenschaft. Doch dann hätte sich eine Kluft aufgetan – beide Seiten seien zu Konkurrenten geworden. Andreas Barz vom Vorstand führt es auf das „wirtschaftliche Denken“ zurück. Das habe dazu geführt, dass die gemeinsame Arbeit auseinander gebrochen sei. „Wir mussten die Verantwortung für zehn Millionen Euro übernehmen“, sagt Barz. Dazu 25 Millionen Euro Sanierungskosten. Erst zwei von insgesamt 28 Häusern sind derzeit instand gesetzt. 860 Studenten leben auf dem Campus, die Zimmerpreise beginnen bei 175 Euro. Im Jahre 2005 war es an der Zeit, das Verhältnis zwischen Genossenschaft und Selbstverwaltung neu zu regeln. Beide Seiten hätten es so gewollt, bestätigen die Kontrahenten.

Ein Mietvertrag für das Haus 14 mit dem Club sollte abgeschlossen werden. Für einen Euro Miete, so Andreas Barz, wollte man alles überlassen. Gegenleistungen sollten in einem Dienstleitungsvertrag geregelt werden. Nicht zuletzt ging es um den Ausgleich für 40.000 Euro an Betriebskosten, die die Genossenschaft jährlich für das Haus zahlt. Seit sechs Jahren verhandeln beide Seiten darüber, 2008 wurde ein Mediator eingeschaltet – alles vergeblich. Jetzt will die Genossenschaft ernst machen. „Wir brauchen keine Leute, die sich nur um sich selbst drehen“, sagt Christa Markl-Vieto, die auch Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung ist. Seit mehr als 38 Jahren gebe es die Selbstverwaltung im Dorf, sie gehöre zum Grundgedanken des studentischen Wohnens am Schlachtensee. Die Studenten hoffen nun noch auf eine Einigung.