Kein Fahrkartendrucker

BVG will kein Geld für Fahrten mit Ersatzbussen

Weil die angemieteten Ersatzbusse der BVG weder über Fahrkartendrucker noch Wechselgeldautomaten verfügen, können Fahrgäste mit diesen Bussen kostenlos fahren.

Es klingt wie der Traum jedes Schwarzfahrers. Im Bus durch die halbe Stadt, ohne Ticket, und das auch noch vollkommen legal. Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) ist das derzeit die Realität. In etwa 70 Bussen können Fahrgäste ohne Fahrschein einsteigen und werden trotzdem anstandslos ans Ziel befördert. Das bestätigte BVG-Sprecher Klaus Wazlak jetzt auf Anfrage von Morgenpost Online. Der Grund ist simpel: In den Bussen gibt es weder Fahrscheindrucker noch Wechselgeldautomaten.

Im Gegenzug für die Gratis-Beförderung müssen die Reisenden in den meisten dieser Busse allerdings Abstriche beim Komfort hinnehmen. Es handelt sich zum Teil um gemietete Fahrzeuge anderer Verkehrsunternehmen oder um ehemalige BVG-Busse, die an Touristik-Unternehmen verkauft und jetzt zurückgemietet wurden. Außerdem wurden alte Fahrzeuge der BVG-Flotte reaktiviert. Die meisten Ersatzbusse sind vergleichsweise alt. Zum Einsatz kommen etwa MAN-Doppeldecker der Baujahre 1988 bis 1995, die bei der BVG bereits ausgemustert waren. Viele zeigen die Linie und die Endstation nur auf Plastiktafeln hinter der Frontscheibe. Eine Ausrüstung mit den modernen Ticketsystemen nebst Computerverbindung zur Leitstelle hätte sich nach BVG-Angaben nicht gelohnt. Denn der Einsatz der Oldies ist zeitlich begrenzt. Mitte bis Ende März wollen die Verkehrsbetriebe ihn beenden.

Hintergrund sind die bekannten Technikprobleme im Busbereich der BVG. Wie berichtet, haben fast alle zuletzt angeschafften Bus-Baureihen Mängel. Achsen müssen gewechselt, undichte Scheiben ersetzt werden, bevor der Gewährleistungsanspruch gegenüber den Herstellern verfällt. Hinzu kommen aufwendige Sicherheitsüberprüfungen an Eindecker-Bussen, die in den vergangenen Jahren durch eine immer noch ungeklärte Brandserie für Schlagzeilen gesorgt hatten. Die BVG plant nun den Einbau von Feuerlöschanlagen in ihrer gesamten Busflotte. 1246 der mehr als 1300 BVG-Busse sollen mit der neuen Technik versehen werden. Nur Busse, die bald ausgemustert werden, sind ausgenommen. Die Gesamtkosten sollen mehr als sechs Millionen Euro betragen. Noch muss allerdings der Aufsichtsrat zustimmen.

Die Folge all dessen: Viel mehr Busse als üblich stehen in den Werkstätten und fehlen im täglichen Linieneinsatz. Seit Dezember fallen auf etwa 20 der 149 Buslinien planmäßig Fahrten aus. BVG-Chefin Sigrid Nikutta hatte ebenfalls im Dezember ein Maßnahmenpaket vorgestellt, mit dessen Hilfe die technischen Probleme langfristig behoben und die aktuellen Engpässe abgemildert werden sollten. Bis zu 18 Millionen Euro sollen insgesamt zur Verfügung stehen. Geplant sind zusätzliches Personal in den Werkstätten ebenso wie eine Verkürzung der Wartungsintervalle. Kurzfristig sollten bundesweit Busse angemietet werden, um die Ausfälle auszugleichen. Das Ergebnis sind besagte 70 Busse ohne Fahrscheindrucker. „Wir haben abgegriffen, was der Markt hergab“, sagte BVG-Sprecher Wazlak. „Wir haben dabei auch bewusst in Kauf genommen, dass manche Fahrzeuge nicht unseren Standards entsprechen.“