Lichtenberg

Unbekannter Mann stoppte die Koma-Schläger

Wäre er nicht zur Hilfe gekommen, lägen heute wohl zwei Männer im Krankenhaus: Nach der Attacke von vier Jugendlichen auf einen Mann im U-Bahnhof Lichtenberg verhinderte ein Passant, dass die Angreifer auch den Begleiter des Opfers attackierten.

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Ein Überwachungsvideo zeigt die vier mutmaßlichen Täter, die einen Fahrgast auf dem U-Bahnhof Lichtenberg ins Koma geprügelt haben.

Video: BMO
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Auch eine Woche nach der brutalen Prügelattacke auf dem Bahnhof Lichtenberg schwebt der 30 Jahre alten Maler noch in Lebensgefahr. Das Opfer liegt mit schweren Kopf- und Hirnverletzungen immer noch im Koma. Die vier mutmaßlichen Täter im Alter von 14 und 17 Jahren sitzen in Untersuchungshaft. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich jetzt heraus, dass der Begleiter des späteren Opfers offenbar durch einen beherzten Mann gerettet worden war. Dessen Identität ist noch unbekannt. Die Polizei bittet diesen Zeugen dringend, sich zu melden.

Den neuen Erkenntnissen zufolge hatten die vier Schläger beide Maler angegriffen und einen von ihnen niedergeschlagen. Als der andere durch den Bahnhof ins Freie floh, wurde er zunächst von einem Täter verfolgt. Der kehrte dann jedoch zu seinen Komplizen zurück und prügelte mit ihnen zusammen den am Boden liegenden Maler aus Spandau ins Koma. Als die Täter später ebenfalls den Bahnhof verließen, um die Jacke des Opfers zu entsorgen, entdeckten sie den zweiten Maler und wollten ihn angreifen. Diesem kam jedoch ein großer und kräftiger Mann zur Hilfe. Er stellte sich schützend vor den Verfolgten und drohte den Tätern, die schließlich flüchteten. Bei dem Helfer soll es sich um einen Angehörigen des Rockerclubs „Bandidos“ handeln. Die Polizei wollte dies zunächst nicht bestätigen. Sie teilte mit, der Mann habe offenbar "furchteinflößend" auf die Täter gewirkt.

Das Opfer, ein Maler aus Spandau, liegt im Unfallkrankenhaus in Marzahn. Sein Zustand ist unverändert kritisch. Er hat schwerste Hirn- und Kopfverletzungen. Die Ärzte rechnen mit schweren Folgeschäden, selbst wenn er aus dem Koma wieder erwachen sollte. Medienberichten zufolge zeigte sich die Schwester des Opfers, selber Krankenschwester, erschüttert über den Zustand ihres Bruders. Sie sagte, der Anblick ihres Bruders sei das Schlimmste und Erschreckendste, was sie jeh gesehen habe.

Infolge der Prügelattacke zogen am Mittwochabend etwa 30 vermummte Rechtsextremisten zum Bahnhof Lichtenberg, hielten brennende Fackeln in den Händen und skandierten ausländerfeindliche Parolen. Vier Personen wurden von der Polizei überprüft, die anderen entkamen.

An jeder fünften Gewalttat sind Jugendliche beteiligt

Trotz des schnellen Fahndungserfolgs durch die Beamten der 2. Mordkommission kritisiert jetzt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) die fehlende Sicherheit von Fahrgästen im öffentlichen Nahverkehr. So lange das BVG-Personal Videobilder nicht sofort auswerte und den Sicherheitsdienst der BVG oder die Polizei informiere, könne die Videoüberwachung nicht verhindern, dass Fahrgäste Opfer brutaler Gewalt werden, heißt es.

„Derartige Gewaltausbrüche“, sagte Berlins GdP-Landesvorsitzender Michael Purper, „sind für Politiker immer nur der Aufreger des Tages.“ Ihre Kommentare seien immer die gleichen, statt aber zu handeln würden sie zur Tagesordnung übergehen, sobald sich die Aufregung gelegt habe. Die Polizei könne nur noch nach dem Feuerwehrprinzip arbeiten und helfen, wenn sie gerufen werde. Vorbeugende Kriminalitätsbekämpfung sei personell nicht mehr zu gewährleisten. Berlin habe 4000 Polizisten eingespart, das sei nun die Folge.

Wenn es in Berlin zu gewalttätigen Angriffen oder Schlägereien in der Öffentlichkeit kommt, sind in jedem fünften Fall Jugendliche beteiligt. Die Polizei bearbeitete 2009 insgesamt 4745 derartige Fälle. 933 Mal waren die ermittelten Tatverdächtigen Jugendliche, obwohl die Altersgruppe der 13- bis 17-Jährigen gerade einmal drei Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Soweit der Jahresbericht der Berliner Polizei zur Jugenddelinquenz. Demnach kommt aus dieser Altersgruppe auch bei anderen Rohheitsdelikten ein großer Anteil der Täter. Bei Straßenraubtaten – etwa dem Stehlen von Jacken oder Handys – sind 43,5 Prozent der Tatverdächtigen Jugendliche. Bei den übrigen Raubdelikten gehen immerhin 31 Prozent der Fälle auf das Konto von Teenagern. Aus dem Polizeibericht geht außerdem hervor, dass überdurchschnittlich viele junge Täter nichtdeutscher Herkunft sind. Diese Jugendlichen sind vor allem an Raubtaten und Diebstählen beteiligt. Bei Prügeleien werden sie indes seltener auffällig, als deutsche Jugendliche. Dieses Phänomen ist auch in anderen Großstädten bekannt. Positiv bewertet die Polizei hingegen die Tatsache, dass die Anzahl der Gewaltdelikte von Jugendlichen seit 2006 (5068 Fälle) stetig abnimmt.