Architekturstreit

Am Berliner Hauptbahnhof entsteht noch ein Hotel

Investoren und Stadtplaner haben gemeinsam die Pläne für das neue Intercity-Hotel im Lehrter Stadtquartier präsentiert. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hofft, dass mit diesem Bau der Architekturstreit beendet wird.

Über die fragwürdige Qualität der Gebäude, die rund um den vor knapp fünf Jahren eröffneten Berliner Hauptbahnhof entstehen, ist bereits viel diskutiert worden. Vor allem der Architekt des Hauptbahnhofs, Meinhard von Gerkan, übte immer wieder scharfe Kritik an der „primitiven, billigen und ordinären Architektur“, die im Schatten seines Glaspalastes hochgezogen werde. Investoren und Stadtplaner gelobten zerknirscht Besserung – und präsentierten am Mittwoch gemeinsam die Pläne für das neue Intercity-Hotel im Lehrter Stadtquartier. „In seiner herausragenden Qualität hat dieses Bauvorhaben Vorbildcharakter für die weiteren Bauten in diesem Quartier“, so Senatsbaudirektorin Regula Lüscher.

Anders als die benachbarte Studentenabsteige „Meininger“ soll das zur Steigenberger-Gruppe gehörende Intercity-Hotel nicht nur im Inneren einen deutlich höheren Standard vertreten. „Mit der durch Vor- und Rücksprünge „lebendig gegliederten Natursteinfassade und den bodentiefen Fenstern“, so der Architekt Dieter Reichel vom Braunschweiger Büro Reichel+Stauth, werde sich der Baukörper harmonisch in das entstehende Stadtquartier einreihen. Die Architektur der drei weiteren Baufelder, so wurde es mit dem von Regula Lüscher einberufenen Baukollegium vereinbart, soll sich durch die Auswahl des gleichen Natursteins – voraussichtlich Muschelkalk – zu einem harmonischen Ensemble zusammenfinden.

Ob der „Qualitätssprung“ gelingt, bleibt abzuwarten. Schließlich wirkt die Fassade auf der Computergrafik des Investors ähnlich schmucklos grau wie das – lediglich verputzte – benachbarte Hostel. „Die Simulation ist nicht wirklich gut“, räumt die Senatsbaudirektorin ein, „das Gebäude wird in der Realität viel besser aussehen.“ Zudem wurde mit den Investoren vereinbart, dass im Erdgeschoss des Gebäudes Platz für Läden, Restaurants und Cafés geschaffen wird. „So entsteht ein belebtes Quartier“, so Lüscher.

Rund 50 Millionen Euro investiert Projektentwickler Vivico in das Bauvorhaben, für das noch in diesem Monat der Bauantrag gestellt werden soll. Baustart soll nach Auskunft von Henrik Thomsen, Leiter der Vivico Berlin, im Herbst dieses Jahres sein, die Eröffnung Ende 2013 gefeiert werden. Die Intercity-Hotel GmbH wird das neue Hotel mit einem 20-jährigen Pachtvertrag betreiben. „Für Arco Buijs, Chef der Steigenberger Hotels AG, passt der neue Standort hervorragend in die Expansionsstrategie des Unternehmens: „Mit einem weiteren Hotel in Berlin engagieren wir uns in einem sehr gut wachsenden Markt. Die Lage am Hauptbahnhof der Bundeshauptstadt stellt für uns einen 1A-Standort dar.“ Mit seinen 412 Zimmern und zehn Konferenzräumen werde es das größte Intercity-Hotel und das Flaggschiff der Marke.

Erst im März 2010 wurde das Intercity-Hotel Berlin-Brandenburg Airport am Flughafen Berlin-Schönefeld eröffnet. Das Stammhaus am Berliner Ostbahnhof wird gerade renoviert, und die Gruppe hält Ausschau nach weiteren geeigneten Bauplätzen. 80 Mitarbeiter sollen sich später um das Wohl der Gäste kümmern. Der Übernachtungspreis in dem achtgeschossigen gehobenen Mittelklassehotel am Hauptbahnhof soll bei 100 bis 120 Euro liegen – ohne Frühstück. Im benachbarten „Meininger“ starten die Preise bei 13 Euro für ein Bett im Gruppenzimmer. „Unsere Zielgruppe sind auch keine Rucksacktouristen, sondern die Geschäftsreisenden der 1. Klasse“, so Buijs.