Eric Schmidt

Google investiert Millionen in Berliner Institut

Die Probleme mit dem Datenschutz in Deutschland bringen den US-Internetkonzern Google jetzt nach Berlin. Konzernchef Eric Schmidt beschwert sich nicht über die Kritik aus Deutschland, sondern kündigt Millionen-Investitionen in der Hauptstadt an.

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2009 ließ der Konzern Straßen zunächst in Großstädten filmen, um sie dann für alle ins Netz zu stellen. Während das Angebot Streetview in den USA und zum Beispiel Großbritannien ohne Probleme bereits länger im Internet verfügbar war, entspann sich in Deutschland eine Diskussion über Datenschutz und die Frage, ob Google derartige Aufnahmen machen dürfe. Die Frage ist geklärt, das Angebot ist seit 2010 auch in Deutschland verfügbar. Google sah in der Debatte nicht immer gut aus, hat aber die Lehren daraus gezogen.

Der Konzern plant ein Institut für Internet und Gesellschaft, für wissenschaftlichen Diskurs – mit Millionenaufwand. Dafür entschieden habe sich der Konzern in der Debatte um Streetview. Deutschland habe eine Debattenkultur, die fundamental dafür sei, dass die Gesellschaft so gut funktioniere, sagt Google-Chef Eric Schmidt bei einem Vortrag im Audimax der Humboldt-Universität. Eine Diskussion über die Evolution des Internet an dem Institut werde Deutschland, das Internet und auch Google stärker machen.

Da ist es praktisch, wenn über das Internet auch dort nachgedacht wird, wo die Bundesregierung sitzt – und die Wege kurz sind. Vieles ist noch unklar: Etwa die Investitionssumme. Schmidt nannte als Größenordnung nur „Millionen“. Größe und Standort stehen ebenfalls noch nicht fest. Verhandelt werde mit wissenschaftlichen Instituten, Universitäten und verschiedenen Firmen, sagt Schmidt. Der Google-Chef lobt die Humboldt-Universität als beste akademische Institution Deutschlands.

Erst am Wochenende wurde bekannt, dass die deutsche Telekom ihr Zukunftslabor mit rund 100 Beschäftigten in Berlin ansiedeln will. Als Standort ist die ehemalige Frauenklinik an der Tucholskystraße in Mitte vorgesehen.

Für Jan Eder, Hauptgeschäftsführer IHK, stärkt das Bekenntnis eines großen Konzerns und einer globalen Marke wie Google den Standort. „Mehrere Fraunhofer Institute, Universitäten und Hochschulen sind wichtige Innovationsschmieden. In der Branche sind mehr als 3500 mittelständische Unternehmen mit rund 40000 Beschäftigten aktiv.

Auch Rene Gurka, Chef von Berlin Partner, ist begeistert. „Dass Google auf Berlin setzt, ist eine super Nachricht für den Standort. Heute schon ist Berlin ein internationaler Knotenpunkt für das Web 2.0. Weil hier die Tüftler und Talente sind, die das Internet weiter entwickeln. Die Pläne von Google werden uns auf der Internetmesse Web 2.0 EXPO, wo wir Ende März einen Stand mit Berliner Unternehmen organisieren, kräftig Rückenwind verschaffen.“ Die Messe läuft in San Francisco, praktisch um die Ecke vom Google-Hauptquartier im Silicon Valley.