Historisches Gebäude

Senat gibt Deutschlandhalle zum Abriss frei

Das Ende der Deutschlandhalle ist besiegelt - 75 Jahre nach ihrer Errichtung. Der Berliner Senat hat Bedenken der Denkmalschützer abgeschmettert un den Abriss genehmigt. Die landeseigene Messe Berlin will nun einen Neubau mit zwei Geschossen.

Nach Jahren des Tauziehens um den Erhalt der denkmalgeschützten Deutschlandhalle steht jetzt fest: Sie darf abgerissen werden. Die Denkmalschutzbehörde des Bezirks, die den Abbruchantrag der Messe Berlin ablehnte, hat den Kampf verloren. Nach ihrer Einschätzung war es keineswegs „wirtschaftlich unzumutbar“, das Denkmal zu erhalten. Die Instandhaltung des Baudenkmals sei absichtlich jahrelang unterlassen worden, lautete der Vorwurf. Der Senat hatte diese Entscheidung des Bezirks schließlich aufgehoben, und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hatte das Verfahren an sich gezogen. Vor wenigen Wochen musste der Bezirk die Akten an die Hauptverwaltung abgeben.

Jetzt hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als Oberste Denkmalschutzbehörde den Abrissantrag genehmigt und die Messe Berlin darüber informiert. Ein Einvernehmen mit dem Landesdenkmalamt sei nicht hergestellt worden, bestätige ein Sprecher von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Die Behörde habe die unterschiedlichen Interessen gegeneinander abzuwiegen gehabt. Die ökonomische Stärkung des Standorts sei letztlich ausschlaggebend gewesen.

Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU), ein entschiedener Abbruchgegner der Deutschlandhalle, sagte am Donnerstag, die Entscheidung der Senatsverwaltung sei nicht nur „rechtswidrig“, sie habe vor allem auch ein schlechte Vorbildfunktion für Eigentümer von Denkmalen: „Die Voraussetzungen zum Abriss sind nicht erfüllt.“ Der Bezirk habe aber kein Klagerecht.

Neubau füt 65 Millionen Euro

Am Standort der Deutschlandhalle will die landeseigene Messe Berlin eine neue Halle für rund 65 Millionen Euro errichten lassen. „Damit können unsere großen, internationalen Messeveranstaltungen Ifa, ITB und InnoTrans zukünftig weiter wachsen“, sagte Messe-Chef Raimund Hosch. Diese Weltmessen benötigten schon jetzt mehr Hallenfläche, die mit dem eigenfinanzierten Bau auf dem Platz der Deutschlandhalle entstehen soll.

Geplant ist, die bestehenden 160.000 Quadratmeter Hallenfläche um 20.000 Quadratmeter zu erweitern. Der Neubau soll zwei Geschosse haben und städtebaulich durch die zwei vorhandenen Ausstellungshallen zwei und sieben eine direkte Anbindung ans Messegelände erhalten.

Bis Ende 2013 solle die Halle stehen. Wann die Bagger kommen, ist allerdings noch offen. Als Erstes soll das Vorhaben in einem europaweiten Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. Während der notwendigen Sanierung des ICC könnte der Neubau auf dem Gelände der Deutschlandhalle ab 2014 nach Auskunft von Messe-Sprecher Michael Hofer auch übergangsweise für Tagungsveranstaltungen genutzt werden.

Die Entscheidung der Messeerweiterung soll Berlin wirtschaftlich stärken. Mit jährlich 60 Messe- und 500 Tagungsveranstaltungen, die nach Angaben des Messe-Unternehmens von zwei Millionen Teilnehmern besucht werden, holt die landeseigene Gesellschaft die meisten Geschäftsreisenden in die Stadt. „Neben einem Kaufkraftzufluss von mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr sichern und schaffen wir zudem mit unserem Messe- und Kongressgeschäft über 20000 Arbeitsplätze in der Region“, bilanziert Hofer, der die Erweiterung der Flächen als „dringend nötig“ bezeichnete. Auch Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) hatte sich von Anfang an für einen Neubau auf dem Gelände der Deutschlandhalle eingesetzt.