Prozessauftakt

Tod in Tram - Angeklagter spricht von Notwehr

Streit und Schubsereien in einer Berliner Straßenbahn endeten am 18. August 2010 für einen 39 Jahre alten Mann tödlich. Ein 18-Jähriger muss sich jetzt vor dem Landgericht wegen Totschlags verantworten.

Wegen Totschlags muss sich seit Donnerstag ein 18-Jähriger vor dem Berliner Landgericht verantworten. Dem Jugendlichen wird vorgeworfen, im August 2010 einen Fahrgast in der Straßenbahnlinie 21 in Oberschöneweide (Treptow-Köpenick) bei einem Streit durch Messerstichen getötet haben. Zu Prozessbeginn hat der Angeklagte den Messerangriff gestanden, sich dabei aber auf Notwehr berufen.

Laut Staatanwalt gerieten die Männer in Streit, weil das Opfer die Freundin des Angeklagten zuvor an einer Haltestelle angerempelt hatte. Im Verlauf der verbalen und körperlichen Auseinandersetzung in der Tram soll der Jugendliche dann sein Messer gezogen und mehrfach auf den Kontrahenten eingestochen haben.

An der Haltestelle Edison-/Ecke Rummelsburger Straße brach das Opfer zusammen und fiel durch die mittlerweile geöffnet Straßenbahntür mit dem Kopf auf den Bahnsteig. Der 39-Jährige starb trotz Reanimationsversuchen durch einen Notarzt noch am Tatort an den Folgen eines Herzstichs. Ein Passant konnte den flüchtenden Angeklagten festhalten und der Polizei übergeben.

Nach Aussage des Angeklagten war er von dem späteren Opfer nach einer bereits beendeten Auseinandersetzung an einer Haltestelle am Bahnhof Schöneweide in der Tram erneut angegriffen worden. Er habe „Todesangst“ gehabt und darauf hin sein Messer gezogen und „ungezielt zugestochen“. „Ich wollte nur erreichen, dass er mich loslässt“, sagte der 18-Jährige vor Gericht.

Mann wurde offenbar aggressiv

Nach Aussage des Angeklagten hatte er den Kontrahenten nach der Rempelei am Bahnhof im „normalen Ton“ angesprochen, ob er nicht aufpassen könne. Der Mann sei daraufhin aggressiv geworden, habe ihn beleidigt und ihm sofort ins Gesicht geschlagen. „Dann nahm er mein Gesicht und drückte es gegen seine Brust, sodass ich keine Luft mehr bekam“, sagte der 18-Jährige. Zwei Passanten seien ihm dort zur Hilfe gekommen und hätten den 39-Jährigen weggezogen. Auf dem Weg zur Tram sei das spätere Opfer ihm und seiner Freundin dann gefolgt und habe ihn weiter angepöbelt. Dann sei der Mann aber in eine Tram eingestiegen und weggefahren. Der Angeklagte und seine Freundin seien in die nächste Straßenbahn eingestiegen.

„Eine Station später stieg der Mann dann aber in unsere Tram ein“, berichtete der Jugendliche. Ein Helfer vom Bahnhof, der mit in der Tram war, habe ihm vorm Aussteigen dann ein Klappmesser für den „Notfall“ gegeben. „Ich habe es zwar genommen, aber nicht damit gerechnet, dass ich es benutzen würde“, sagte der 18-Jährige. Doch plötzlich habe der 39-Jährige vor ihm gestanden und gefragt, wie es ihm gehen würde. Auf seine Antwort, dass es im „gut geht“ habe das spätere Opfer ihn geschlagen, geschubst und wieder in den Schwitzkasten genommen. „Es war die gleiche Situation, wie am Bahnhof zuvor. Ich bekam keine Luft mehr und hatte Todesangst.“ Daraufhin habe er zugestochen, gestand der Jugendliche.

Der Prozess wird am 15. Februar fortgesetzt.